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Breites "Zukunftsbündnis für Hirschmann" gegründet

Entlassungen bei Hirschmann und ein bevorstehender Verkauf des Unternehmens lassen in Neckartenzlingen die Alarmglocken schrillen. Deshalb hat sich ein "Zukunftsbündis für Hirschmann" formuliert.

HENRIK SAUER

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NECKARTENZLINGEN Ziel des Bündnisses ist es zum einen, sich mit der Belegschaft solidarisch zu zeigen, und zum anderen aufzuzeigen, welche Folgen eine drohende Zerschlagung des Unternehmens für die Gemeinde hätte.

Dem Bündnis angeschlossen haben sich bislang Bürgermeister Herbert Krüger und sämtliche Fraktionen des Gemeinderats, Vertreter von evangelischer und katholischer Kirche und der Kirchengemeinderäte, katholische Betriebsseelsorge und Arbeitnehmerbewegung, die Betriebsräte der am Standort Neckartenzlingen vertretenen Hirschmann-Firmen sowie des IG-Metall-Vertrauenskörpers bei Hirschmann. Auch Altdorfs Bürgermeister Joachim Kälberer habe signalisiert, das Thema in seinem Gemeinderat anzusprechen, berichtet Ilse Brömmelstrote, Sprecherin des Bündnisses.

Die Nachrichten aus dem Unternehmen, wonach in diesem und im nächsten Jahr rund 120 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen und die ungewisse Zukunft des Standorts Neckartenzlingen insgesamt durch den wahrscheinlich noch in diesem Jahr bevorstehenden erneuten Verkauf des Unternehmens habe die Initiatoren des ehemaligen Feierabend-Gesprächskreises dazu veranlasst, dieses Forum für Arbeitnehmer und Betriebsräte kurzfristig wieder ins Leben zu rufen, berichtet Ilse Brömmelstrote. Daraus sei nun das Zukunftsbündnis für Hirschmann entstanden.

Ziel sei es, in der Bevölkerung durch Information eine breite Welle der Solidarität mit der Belegschaft des einzigen noch in der Gemeinde verbliebenen großen Arbeitgebers zu erzeugen und darauf hinzuwirken, dass das Unternehmen nach den vielen Veränderungen in den letzten Jahren wieder eine langfristige Perspektive bekomme.

So hänge nicht nur das Schicksal zahlreicher Familien an der Zukunft von Hirschmann. Derzeit sind bei dem einstigen Familienunternehmen noch rund 1000 Leute beschäftigt. Ein Wegbrechen des Standorts würde sich auch nachteilig auf die Gemeinde selbst und die Nachbarorte auswirken, sagt Jörg Pfauth von der SPD-Gemeinderatsfraktion. Und nicht zuletzt habe Hirschmann als Ausbildungsbetrieb eine große Bedeutung für die berufliche Perspektive der Jugendlichen. Rund 70 junge Leute absolvieren dort derzeit eine Ausbildung.

Hirschmann war vor drei Jahren an die Fondsgesellschaft Hg Capital verkauft worden. Bereits damals war von einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren die Rede gewesen, nach dem der Investor das Unternehmen wohl wieder abstoßen wird. Zuvor hatte Hirschmann zum Rheinmetall-Konzern gehört. "Wir waren ein Sanierungsfall", analysiert Hans-Peter Haug, Betriebsratsvorsitzender der Unternehmenssparte Hirschmann Automation and Control (HAC). Nach dem Verkauf durch die Gründerfamilie vor zwölf Jahren hätten bei den folgenden Besitzern nur kurzfristige Kapitalinteressen eine Rolle gespielt.

Jetzt stehe man wieder vor einer Übernahme. Doch während sich die Mitarbeiter nach einer Lösung für den gesamten Betrieb sehnten, so Haug, zielten die Entscheidungen der Geschäftsleitung darauf ab, das Unternehmen in weitere Teilbereiche zu segmentieren und sich so alle Optionen offen zu lassen: "Man kann dann die Betriebsteile getrennt verkaufen oder alles zusammenlassen, wie bei einem Baukasten."

Sein Kollege Dietmar Kuhn, Betriebsratsvorsitzender der zweiten Unternehmenssparte Hirschmann Car Communication (HCC), sieht in der Aufsplittung eine Gefahr für den Gesamtstandort vor Ort. So sei mit der Verlagerung der Kabeltechnologie nach Ungarn bereits ein Technologiefeld in Neckartenzlingen aufgegeben.

Die jüngsten Standortbekenntnisse der Geschäftsleitung sind für die Mitglieder des Bündnisses indes nur Lippenbekenntnisse. Eine Standortsicherung müsse tarifvertraglich geregelt werden, fordern sie je eher, je besser. "Damit der neue Investor gleich weiß, dass die Leute hier hinter Hirschmann stehen", formuliert es Helmuth Kern von der Gemeinderatsfraktion der Alternative für Neckartenzlingen.