Lokales

Brettacher statt Frost-Bittenfelder und Mini-Trier

Streuobstwiesen sind einerseits zwar ziemlich arbeitsintensiv, andererseits aber ökologisch äußerst wertvoll. Aus diesem Grund pflanzt die Gemeinde Notzingen über ein Dutzend Obstbäume als Ausgleichsmaßnahme für das Baugebiet Letten II.

IRIS HÄFNER

Anzeige

NOTZINGEN Bereits im vergangenen Jahr hat der Notzinger Gemeinderat beschlossen, das Grundstück nördlich des Baugebiets Letten II mit Obstbäumen zu bepflanzen. Dazu wurde ein Angebot bei der Hochdorfer Firma Messerle eingeholt. Vorgabe waren zwei Walnussbäume, der Rest Apfelbäume.

Als das Angebot vorlag, kam der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) zu dem Ergebnis, dass die von der Firma vorgeschlagene Anzahl zu hoch ist. Diese hatte vier Baumreihen vorgesehen, was allein schon im Hinblick auf die Bewirtschaftung als schwierig angesehen wurde. Deshalb hat sich der Ausschuss selbst Gedanken über die Bepflanzung gemacht und zwei Varianten ausgearbeitet.

Vorschlag eins fand die ungeteilte Zustimmung des gesamten Gremiums. Dieser sieht zwei Baumreihen mit 14 Apfelbäumen und zwei Walnussbäumen vor. Die bestehenden zwei Birnbäume und der Kirschbaum bleiben selbstverständlich erhalten. Der Reihenabstand beträgt zehn Meter, der Abstand von Apfelbaum zu Apfelbaum ebenso viel, lediglich die ausladenden Walnussbäume bekommen zwölf Meter Abstand zugestanden. "Sie sind bewusst neben dem Fußweg zum Eichert geplant, damit vor allem Kinder die Nüsse sammeln können", erklärte Notzingens Bürgermeister Jochen Flogaus.

"Wollen wir Mostäpfel oder Sorten a la pflegen, schneiden, spritzen?", fragte Erhard Reichle. Die Antwort kam prompt, zumal schon der Obst- und Gartenbauverein eine umfangreiche Liste mit alten Apfelsorten vorgeschlagen hat. "Wir sollten aber nicht nur Mostäpfel pflanzen, sondern auch Sorten, die man essen oder zu Saft verarbeiten kann", erklärte Jochen Flogaus im Hinblick auf die Kindergärten und die Schule, zumal es in einem Kindergarten schon jetzt eine kleine Saftpresse gibt. Die Idee ist, dass die Kinder mit ihren Erzieherinnen oder Lehrern das Obst von etwa fünf Bäumen pflücken oder aufsammeln können, um es zu essen, Apfelküchle zu backen oder Saft zu pressen. Künftige Ernteaktionen würden sich mit den neuen Orientierungsplänen prima decken, weil sich darin "viel in Richtung Natur bewegt". Da die Bäume ortsnah stehen, sieht der Schultes keine "Bewirtschaftungsschwierigkeiten" seitens der Kinder. Dass die Pflege der Bäume in den Hände der Gemeinde bleibt, steht für ihn außer Frage, ebenso das Mähen der Wiese. "Ein Landwirt wird solch ein Baumgrundstück nicht wollen", ist er sich sicher.

Der Sachverstand einiger Gemeinderäte bei diesem Thema war klar zu erkennen. "Der Brettacher ist eine gute Sorte. Er gibt einen guten Saft und schmeckt auch als Apfel außerdem ist der Korb schneller gefüllt als bei den kleinen Trier", meinte er bezüglich der Aufsammel-Motivation von Enkeln, respektive Kindergartenkindern. Außerdem brachte er einen neuen Vorschlag in die Runde: "14 Bäume, 14 Gemeinderäte da kann jeder seine Sorte selbst bestimmen."

Mit einem Augenzwinkern sprach sich Herbert Hiller gegen Bittenfelder Äpfel aus: "Das gibt Wintermost und die Kinder müssten bei Frost ernten." Er plädierte ansonsten für alte Züchtungen und Tafelobst gemischt. Die Sorten sollten jedoch möglichst ohne Spritzmittel auskommen. "Die Sache wirkt sich positiv auf unser Ökokonto aus", erklärte er hinsichtlich der Ausgleichsmaßnahmen.

Da der ATU den Pflanzplan ausgearbeitet hat, soll er nun auch die Sorten festlegen. Darauf einigte sich der Gemeinderat einstimmig. Die Ausschreibung wird möglichst rasch erfolgen, damit noch dieses Frühjahr die 16 Bäume gepflanzt werden können.