Lokales

Brief soll Verständnis wecken

Die von Eltern an der Weilheimer Limburg-Grundschule geäußerte Kritik am Beschneiden der Kernzeitenbetreuung will die Stadt so nicht auf sich sitzen lassen. Ein offener Brief an alle Eltern der Grundschüler in der Zähringerstadt soll zur Klärung beitragen.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Vom "Fluch der guten Tat" war in jüngster Gemeinderatssitzung in Weilheim die Rede. In einem Leserbrief hatten Eltern von Kindern, die die Limburg-Grundschule besuchen, ihrem Ärger darüber Luft gemacht, dass die Stadt mit Beginn des laufenden Schuljahrs Betreuungszeiten gekürzt hat. Grundlage dazu war ein Beschluss des Gemeinderats im Zuge der Haushaltsplanberatungen fürs Jahr 2004, die Zuschüsse für die Kernzeitenbetreuung zu reduzieren und sie auf ein Mindestmaß zu beschränken. Knackpunkt ist für die Eltern ein für sie nicht hinnehmbarer "Betreuungsengpass" einer dritten Klasse mittwochs in der zweiten Stunde, den sie nun für einen aus der eigenen Tasche bezahlten Englischunterricht nutzen. Das Angebot wird von 16 Schülern wahrgenommen.

Auf Anfrage des Teckboten lautete die knappe Stellungnahme von Georg Heinze, Rektor an der Weilheimer Limburg-Grundschule: "Die Kinder werden betreut." Der Alternativvorschlag der Schulleitung war, die Kinder in dieser Stunde regelmäßig mit in andere Klassen zu setzen. Eine Lösung, die wohl auch an anderen Grundschulen, unter anderem auch in Kirchheim praktiziert wird, wie Steffen Weigel, Leiter des Kultur- und Schulamts der Teckstadt, erklärte. Die Stadt sei für die Stunden an den Rändern zuständig; Sache der Schulorganisation sei es, zur Verfügung stehende Lehrer für die Betreuung in den übrigen Stunden heranzuziehen.

In einem offenen Brief an alle Eltern von Weilheimer Grundschülern bezieht Bürgermeister Hermann Bauer nun Stellung zu den Vorwürfen und betont, die Stadt habe bereits 1997 als eine der ersten Gemeinden im Kreis Esslingen die Kernzeitenbetreuung in der Limburg-Grundschule eingeführt, im Jahr 2002 ausgeweitet und auch an der Grundschule Wühle angeboten. Die Betreuung der Kinder erfolge seitdem durch qualifizierte und sehr engagierte Erzieherinnen. Die Ende 1999 vom Kultusministerium vorgelegte Konzeption der so genannten "Verlässlichen Grundschule", wonach Stadt und Schule gemeinsam gewährleisten sollen, dass die Grundschüler während des gesamten Vormittags betreut werden, bestehe in Weilheim nach wie vor ohne Einschränkungen. Die Betreuung beginne jeweils um 7.30 Uhr und ende um 13 Uhr.

Entsprechend der vom Kultusministerium erlassenen "Eckdaten der Verlässlichen Grundschule" sieht sich die Stadt seit diesem Schuljahr lediglich vor dem Unterricht in der Zeit von 7.30 bis 8.45 und nach Unterrichtsschluss von 12 bis 13 Uhr in der Pflicht. Darüber hinaus deckt sie mit ihrem Personal in mehreren Stunden noch die Betreuung von Schülern ab, wenn ein Teil der Klasse Schwimmunterricht hat. "Wir erfüllen also komplett unsere Aufgabe", sagte Weilheims Bürgermeister auch in jüngster Gemeinderatssitzung. Es sei Aufgabe der Schule, die Kinder von der zweiten bis zur fünften Unterrichtsstunde zu versorgen. Bis zum vergangenen Schuljahr hatte die Stadt nichtsdestotrotz zur Entlastung der Lehrer umfangreichere Betreuungszeiten angeboten als notwendig.

In dem Brief wirbt Bauer um Verständnis dafür, dass die Beibehaltung einer solch freiwilligen städtischen Leistung nicht mehr vertreten werden könne, wenn gleichzeitig Steuern erhöht würden, um Pflichtaufgaben zu erfüllen. Mit dieser Haltung entspricht die Stadt den Vorgaben des Kultusministeriums, das "in der Regel" einen Unterrichtsbeginn spätestens um 8.30 Uhr und möglichst gleichlange Unterrichtsblöcke an den Vormittagen vorsieht. Der Unterricht der Klassen drei und vier sollte danach sogar schon zur ersten Stunde starten.