Lokales

Bruckener Paradies geht dem Ende zu

Schließung der Grundschule – Sinkende Schülerzahlen machten Schritt notwendig

Ab dem kommenden Schuljahr herrscht Ruhe rund um die Grundschule in Brucken. Mangels Schülerzahlen entschloss sich der Gemeinderat, das Gebäude aufzugeben.

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Iris Häfner

Lenningen. Für alle Beteiligten war es kein leichter Schritt – schweren Herzens war es eine Kopfentscheidung, wegen der sinkenden Schülerzahlen das Grundschulgebäude in Brucken ab kommendem Schuljahr zu schließen. Künftig werden alle Klassen in der Lindenschule in Unterlenningen unterrichtet.

Gesamtlehrerkonferenz, Elternbeirat und Schulkonferenz befassten sich seit geraumer Zeit mit diesem Thema, auch der Gemeinderat in seiner Klausursitzung. Somit kam die Situation für sämtliche Betroffene nicht überraschend. Die Schülerzahlen sprechen jedoch eine eindeutige Sprache und machten eine Entscheidung erforderlich.

„Seit dem Schuljahr 1996/97 haben wir rund 100 Schüler weniger“, zeigte Schulleiterin Eva-Maria Hess die Dimensionen während der jüngsten Sitzung des Gemeinderats auf. Mit großem Bedauern stellte die Lindenschule den Antrag auf Schließung der Dependance in Brucken, in der derzeit zwei zweite Klassen unterrichtet werden. „Für die Kinder ist die Schule dort ein Paradies. In Brucken können sie sich frei bewegen und haben im Winter die Schlittenbahn vor dem Haus“, beschrieb sie die Situation. Organisatorische und pädagogische Gründe sprechen jedoch für einen Standort in Unterlenningen. Lediglich 28 feste Anmeldungen insgesamt gibt es für die erste Klasse.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es bei einem Klassenteiler von 32 Kindern bei einer Klasse bleibt, ist damit recht groß, und selbst wenn es wegen zusätzlicher Schüler zu zwei Klassen kommen sollte, reicht der Platz in der Lindenschule aus. Dafür geopfert werden müsste allerdings entweder der Computer- oder der Musikraum. „Das ist kein erfreuliches Thema“, ist sich auch Bürgermeister Michael Schlecht im Klaren. Egal wie viele Erstklässler letztendlich angemeldet werden, steht für ihn die Planungssicherheit für Eltern, Lehrer und nicht zuletzt der Kinder im Vordergrund.

Bislang gibt es jeweils zwei Klassen pro Klassenstufe, in den nächsten Jahren wird sich dies auf eine reduzieren. Die Dritt- und Viertklässler können aufgrund der fehlenden Fachräume nicht in Brucken unterrichtet werden. Jeweils zwei Klassen an zwei Standorten zu unterrichten, erscheint aus pädagogischer und organisatorischer Sicht jedoch nicht sinnvoll. „Eine Kernzeitbetreuung war in Brucken immer wackelig, dies ist an einem Standort nun eher möglich“, zeigte Eva-Maria Hess einen positiven Aspekt der Zusammenlegung auf. Ein weiterer Vorteil ist die engere Verknüpfung der Klassen eins und zwei, die laut Lehrplan eine Einheit sind. Außerdem war und ist beispielsweise auch der Sportunterricht schwierig zu gestalten, erst recht, wenn davor und danach ein Fußmarsch bei Regen oder Schnee nach Unterlenningen anstand.

Georg Zwingmann verspricht sich daher längerfristig einen pädagogischen Gewinn von der Zusammenlegung, bei allem Bedauern über die Schließung der Bruckener Grundschule. „Ich glaube, keiner hat sich die Entscheidung leicht gemacht“, erklärte Roland Sailer und lobte wie Georg Zwingmann die gute Vorberatung und Vorbereitung der Problematik. Bei einer Enthaltung stimmte der Gemeinderat der Schließung der Grundschule in Brucken zu.

Michael Schlecht hofft nun auf eine starke Grundschule in Unterlenningen, die auch starke Grundschüler hervorbringt. „Die Flächengemeinde Lenningen stößt jetzt an ihre Grenzen“, gab er zu bedenken. Bei aller Zentralisierung mahnte er jedoch an, an den Kindergärten in den einzelnen Ortsteilen festzuhalten