Lokales

Bruckmühle: Zwei Jahre Galgenfrist

Bis Mitte 2012 muss ein Investor ein tragfähiges Konzept vorlegen, sonst droht der Abriss

Die Kirchheimer Bruckmühle hat eine Chance, vor dem Abbruch gerettet zu werden: Nach jüngstem Gemeinderatsbeschluss bleiben den ehrenamtlich engagierten Bürgern, die sich für den Erhalt des Gebäudes einsetzen, noch rund zwei Jahre Zeit, um einen Investor zu finden und ein Konzept vorzulegen.

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Andreas Volz

Kirchheim. Über viele Jahre hinweg hatte die Bruckmühle in der Gerberstraße als abbruchreif gegolten. Stadtverwaltung und Gemeinderat waren sich einig, das Gebäude zu entfernen und stattdessen einen neuen Grün- und Erlebnisbereich am Ufer der Lauter zu schaffen. Es gab bereits Konzepte, wie das Lauterbett zu verlegen sei, es gab Verträge mit dem Investor für das Post-Areal sowie mit dem Nachbarn auf der anderen Seite der Gerberstraße. Schließlich hätte auch die Straße ein Stück weit in Richtung Lauter verlegt werden sollen.

Im vergangenen Jahr allerdings regte sich Widerstand unter Kirchheims Historikern: Sie verwiesen gemeinsam auf die geschichtliche Bedeutung gerade dieses Mühlenstandorts. Bereits für das Spätmittelalter ist eine Mühle an der Kirchheimer Lauterbrücke nachzuweisen. Aber auch für das 19. Jahrhundert spielt der Standort an der Lauter eine wichtige Rolle. Immerhin wäre die Industrialisierung ohne die Nutzung der Wasserkraft nicht möglich gewesen.

Der Gemeinderat hatte deshalb im vergangenen September beschlossen, die Möglichkeiten zum Erhalt der Bruckmühle untersuchen zu lassen. Nachdem die Untersuchungen inzwischen abgeschlossen sind, hat sich bestätigt, was bereits vor einem Dreivierteljahr zu vermuten war: Alle Schwierigkeiten lassen sich überwinden. Das einzige Problem besteht darin, einen Investor zu finden, der bereit ist, das Gebäude aufzukaufen, zu sanieren und hinterher zu nutzen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sprachen viele Ratsmitglieder bereits von einem Investor, als ob es ihn schon gäbe. Immer wieder war auch von einem künftigen Gastronomiebetrieb im Bruckmühl-Gebäude die Rede. Letztlich sicher scheint das zwar noch nicht zu sein, aber möglicherweise ist ja bereits die „Vorstufe“ zum Investor gefunden: ein ernsthafter Interessent.

Zu den technischen Details hatte Bürgermeister Günter Riemer im Gemeinderat erläutert, dass die Bruckmühle zwar ein Hindernis für die geplante Renaturierung darstelle, aber eben kein unüberwindliches. „Auf jeden Fall aber“, meinte er, „wäre für Erwerb und Betrieb des Gebäudes ein Hochwasserschutz dringend erforderlich.“ Dann allerdings könne das Haus auch bei Hochwasser stehen bleiben. Für den Kauf des Gebäudes müsse ein Investor mit 350 000 Euro rechnen. Ansonsten aber würden weder der städtebauliche Vertrag mit dem Investor vom gegenüberliegenden Lauterufer noch die Ausgleichsmaßnahmen für die Ötlinger Halde, die eigentlich am Standort der Bruckmühle vorgesehen waren, einen Erhalt des Gebäudes ausschließen.

In der Diskussion fasste Stadtrat Peter Bodo Schöllkopf (SPD) kurz zusammen, dass auf den Investor also Kosten für den Kauf, für die Sanierung und für den Hochwasserschutz zukämen. Darüber hinaus zeigte er sich sehr zuversichtlich: „Wir sehen uns sicher hier wieder mit einer tollen Planung.“ Karl-Heinz Schöllkopf (Grüne) verwies auf die „andere räumliche Situation, wenn die Bruckmühle abgerissen wird“. Dann gelte es nämlich auch, den „Gassencharakter“ der Gerberstraße zu bewahren. Außerdem müsse die Stadtplanung auch ein Gebäude auf der anderen Seite der Max-Eyth-Straße mit einbeziehen: das einstige Stadtkino.

Eva Frohnmeyer-Carey kündigte an, dass sich die Frauenliste der Stimme enthalten werde, was sie folgendermaßen begründete: „Für uns bleibt die Renaturierung ohne den Erhalt der Bruckmühle die bessere Lösung.“ Bernhard Most, der Vorsitzende der Fraktion FDP/KiBü, sprach von einer „Aufwertung für die Gerberstraße“, die die sanierte Bruckmühle darstellen könnte. Es gebe dann zwar keinen Grünzug mehr an der Lauter, aber immerhin noch einen Grünplatz, auf dem die Bruckmühle stehe. Bernhard Most war überzeugt davon, dass es sich um einen „erlebnisreichen Platz“ handeln werde.

Hagen Zweifel, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, konnte sich ebenfalls denken, „dass hier etwas Attraktives entsteht“. Bei der Investorensuche riet er zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch: „Warten wir ab, was auf uns zukommt.“ Der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Kapp fand es „erfreulich, dass jetzt beide Möglichkeiten gegeben sind: der Erhalt oder der Abbruch der Bruckmühle“. Er sei zwar überzeugt davon, dass man einen Investor findet. „Aber wenn kein Investor kommt, können wir immer noch auf Plan A zurückgreifen und das Gebäude abreißen.“

Vor der Abstimmung erinnerte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker daran, dass es der Erhalt der Bruckmühle mit sich bringe, die Renaturierung der Lauter völlig neu planen zu müssen. Dennoch stimme sie dieses Mal dem Beschlussvorschlag zu, der besagte: „Für die Dauer von 18 Monaten, gerechnet ab Sanierungsbeschluss des Gemeinderats und Förderzusage des Landes zur Renaturierung dieses Lauterabschnittes, erhalten Private die Möglichkeit, eine wirtschaftlich tragfähige und städtebaulich sinnvolle Nutzung für die Bruckmühle verbindlich in Gang zu setzen. Nach Ablauf dieser Frist kann die Stadt die bisherige Planung eines großzügigen Freiraums anstelle der Bruckmühle verwirklichen.“ Bei zwei Enthaltungen wurde dieser Vorschlag ohne Gegenstimme angenommen.

Konkret bedeutet das, dass die Bruckmühle auf jeden Fall noch zwei Jahre Galgenfrist hat, weil der „Sanierungsbeschluss“ erst Ende dieses Jahres gefasst werden dürfte. Spätestens bis Mitte 2012 muss also ein Investor gefunden sein, der ein tragfähiges Konzept vorzuweisen hat.