Lokales

Brücken und Kronen

"Dass ich einmal so lange leben werde, hätte ich eigentlich nicht gedacht", meint Willi Bühler, der am kommenden Montag 90 Jahre alt wird.

VOLKMAR SCHREIER

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SCHLIERBACH Vielen Schlierbachern, vor allem den älteren, ist Willi Bühler ein Begriff, praktizierte er doch von 1948 bis 1982 als einziger Zahnarzt im Ort. Tatsächlich gäbe es wohl in Schlierbach noch so einige Leute, die mit Brücken oder Kronen aus seiner Praxis ausgestattet seien, weiß der rüstige Jubilar augenzwinkernd zu berichten.

Geboren wurde er 1916 in Göppingen. Nach dem Schulabschluss begann er eine Lehre als Zahntechniker in Schnaitheim. Nach der Lehre folgten dann der Wehrdienst und der Zweite Weltkrieg, zuerst bei der Infanterie, dann in der Etappe beim Sanitätsdienst im erlernten Beruf. So lernte er auch seine spätere Ehefrau Anni kennen, mit der er seit fast 58 Jahren glücklich verheiratet ist: "Sie war eine Patientin von mir."

Nach dem Krieg blieb Willi Bühler der Zahnmedizin treu, doch nur Zahntechniker wollte er nicht bleiben. "Früher hat man, um Zahnarzt zu werden, nicht unbedingt an einer Universität studiert", erklärt Willi Bühler. Neben dem klassischen Zahnarzt gab es auch den Beruf des Dentisten. Es folgte also die Dentistenausbildung in Karlsruhe und danach die obligatorische einjährige Assistenzzeit in Geislingen.

1948 ließ sich Willi Bühler dann als Zahnarzt in Schlierbach nieder. "Die ersten Jahre waren hart", erinnert er sich. Arbeitszeiten von morgens um Acht bis abends um Zehn waren eher die Regel als die Ausnahme. "Ich habe eigentlich immer lange gearbeitet", erzählt Willi Bühler. Dass er heute nicht mehr so gut zu Fuß sei, habe sicherlich auch damit zu tun, denn "früher haben die Zahnärzte im Gegensatz zu heute immer im Stehen behandelt". Und das merke er heute schon. Aber er erinnert sich gerne zurück: "Auch wenn es schwierig war, war es trotzdem eine schöne Zeit."

Trotz der vielen Arbeit hat er aber immer Zeit gefunden, seine beiden Hobbys zu pflegen. Gekegelt hat er für sein Leben gern und war auch Mitglied im Kegelclub. Seine andere große Leidenschaft sind Schäferhunde. Sechs Hunde hat er im Laufe der Jahre gehabt. Gerne hätte er wieder einen, aber: "Das geht leider nicht mehr, weil ich nicht mehr mit dem Hund laufen kann." Zum Glück kann er aber noch hin und wieder einen Spaziergang machen. Und um geistig rege zu bleiben, löst er viele Kreuzworträtsel.

Auch sonst ist Willi Bühler auf der Höhe des aktuellen Tagesgeschehens. Große Sorgen macht ihm übrigens die Form der deutschen Fußballnationalmannschaft. Das Testspiel gegen Japan hat ihn um die letzten Illusionen gebracht: "Mit dieser Leistung schneiden sie unter ferner liefen ab." Hoffnung auf eine deutsche Finalteilnahme habe er leider nicht.