Lokales

"Brüskierung der Mitarbeiter"

Bei einem Infoabend in Kirchheim brachte Cornelia Brox, Synodale der Offenen Kirche aus dem Bezirk Kirchheim-Nürtingen, ihren Unmut zum Ausdruck: Als "unausgegoren" kritisierte sie das Spar- und Kürzungspaket, das Oberkirchenrat und Finanzausschuss der Synode jüngst zur Beschlussfassung vorgelegten.

KIRCHHEIM "Da wurde mit wenig fundierten Zahlen gespielt und jongliert, um eine Entscheidung übers Knie zu brechen", gab Cornelia Brox aus Lenningen am Dienstagabend im Albert-Knapp-Saal in Kirchheim ihren Eindruck wieder. Der Synode habe ein Sparpaket vorgelegen, das Gebäudeverkäufe, Einsparungen bei den Gehältern aller Beschäftigten und strukturelle Verschlankungen der kirchlichen Verwaltungsebenen vorsieht. "Dabei stand immer die Drohung im Raum, wenn versucht würde, dieses Junktim aufzulösen, müssten weitere Stellen gestrichen werden und deshalb handle unverantwortlich, wer dem Paket nicht zustimme", schilderte Cornelia Brox das Klima der Synodendebatte.

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Der Synodale Hartmut Fleischmann aus Gerstetten bekräftigte diese Kritik und berichtete, dass zentrale und sehr umfangreiche Entscheidungsunterlagen den Synodalen erst wenige Tage vor der Tagung zugegangen seien. Die Offene Kirche habe angesichts dieser Situation beantragt, die sehr komplexen Entscheidungen auf die Sommersynode 2006 zu vertagen, da es auf ein halbes Jahr nicht ankomme, die Kirche aber Schaden nehme, wenn jetzt im Hauruckverfahren übereilte Entscheidungen getroffen würden. Dieser Antrag sei jedoch von der konservativen Synodenmehrheit niedergestimmt worden.

Insgesamt ist es Fleischmann zufolge um ein Gesamtpaket von 40 Millionen Euro gegangen, das bis 2009 umgesetzt werden solle, wobei die in der Öffentlichkeit spektakulär herausgestellten Gebäudeverkäufe mit gerade mal 2,9 Mio Euro einen verschwindend kleinen Teil ausmachten. Die Einsparungen bei den Personalkosten betrügen bei Pfarrern und Beamten 25,2 Mio Euro und bei den Angestellten 11,1 Mio Euro. "Mich haben diese Zahlen immer misstrauisch gemacht, weil sie wenig erhärtet sind", sagte Cornelia Brox.

Den Grund für den Entscheidungsdruck, den Oberkirchenrat und Finanzausschuss aufgebaut hätten, sieht Brox in den jüngsten Verhandlungen mit der kirchlichenMitarbeitervertretung, in die der Oberkirchenrat mit einem Synodenbeschluss gestärkt hineingehen wollte. "Hier wurde die Synode für die Arbeitgeberseite instrumentalisiert", betonte die Synodale der Offenen Kirche. Es werde vor allem bei den Angestellten mit bis zu acht Prozent ein massiver Gehaltsverzicht gefordert, mit dem Entlassungen trotzdem nicht verhindert werden könnten. Cornelia Brox nannte das Verhalten des Oberkirchenrats als "Brüskierung der Mitarbeiterschaft".

Als "schwer nachvollziehbar" bezeichnete Hartmut Fleischmann in diesem Zusammenhang die Entscheidung der konservativen Synodenmehrheit, den Neubau des Tagungszentrums "Schönblick" der altpietistischen Gemeinschaft bei Schwäbisch Gmünd mit einer halben Million Euro zu bezuschussen. Das Tagungszentrum war jüngst durch einen Auftritt des antisemitismusverdächtigen und umstrittenen Ex-Bundestagsabgeordneten Hohmann in die Schlagzeilen geraten.

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