Lokales

Brummis mit Obus an Bord ausgestattet

Nach zwei blamablen Fehlschlägen soll's beim dritten Mal funktionieren: Zum 1. Januar 2005 startet die Lkw-Maut in Deutschland. Die Spediteure in der Region Kirchheim sind gut darauf vorbereitet. Manche befürchten allerdings eine gewisse Wettbewerbsverzerrung durch "Schwarzfahrten" ausländischer Transporteure.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM "Wir haben die Zeit genutzt und sind vorbereitet", so oder so ähnlich lautete die Mitteilung aller zum Lkw-Mautstart befragten Spediteure in und um Kirchheim.

Die Mosolf GmbH&Co.KG, Internationale Spedition, ließ ihre über 500 Lkw in Deutschland, die der Subunternehmer mitgerechnet, mit On-Board-Units (Obus) ausstatten. "Und die funktionieren", sagt Geschäftsführer Georg Mäckle.

Auch das Dettinger Logistikunternehmen Diez rüstete seine 65 Brummis mit den Obus aus. "Ohne Obus macht das für uns keinen Sinn", sagt Juniorchef Andreas Diez. Müssten sich die Lkw-Fahrer der Firma an den Autobahnterminals einloggen, wäre der Zeitverlust zu groß. "Wir springen im Januar ins kalte Wasser", weist Diez auf eventuelle Probleme bei den Abrechnungen hin. Die Firma wird deshalb einen Mitarbeiter abstellen, dessen einzige Tätigkeit darin bestehen wird, die Rechnungen zu kontrollieren. "Der administrative Aufwand ist immens", sagt Andreas Diez und ist mit dieser Einschätzung nicht allein. Was ihm ebenfalls sauer aufstößt ist der Umstand, dass der Spediteur bei der Bestellung eines neuen Brummis mit dem Stern auf der Kühlerhaube nicht ab Werk gleich den Obus mitgeliefert bekommt. Nach seiner Aussage vergehen vier Wochen zwischen Kauf und Einbau eine Zeit, in der sich die Fahrer umständlich manuell einbuchen müssen.

Diez bedauert wie seine Kollegen, dass sich die europäischen Nachbarn und Deutschland nicht zu einem einheitlichen Mautsystem durchringen konnten.

45 Lastwagen stehen auf dem Hof der Firma Hans Fischer GmbH Weilheim. "Fünf davon müssen wir noch mit Obus bestücken", sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Fischer. Er berichtet über gelegentliche Probleme mit den neuen Erfassungsgeräten. "Entweder haben wir keinen Empfang oder auf dem Display steht Lesefehler".

In Rainer Fischers 20 Lkw funktionieren mit Ausnahme von einem alle Obus. "Jetzt führt kein Weg mehr an der Lkw-Maut vorbei", bedauert der Geschäftsführer der Weilheimer Nah- und Fernverkehr GmbH, "es bleibt uns nichts anderes übrig, als daran teilzunehmen".

Wie Rainer Fischer bleibt auch Thomas Kiedaisch von der Kirchheimer Spedition Schach nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Die On-Board-Units wurden in alle 35 Lkw eingebaut und funktionieren, wie er sagt.

"Unsere Spediteure sind gut gerüstet. Probleme wird's mit dem Ausland geben". Auf diesen kurzen Nenner bringt Andrea Marongin, Pressesprecher des baden-württembergischen Speditions- und Logistikverbandes, sein Fazit. Vor allem die französischen Transporteure reiht Marongin in die Truppe der "Mautverweigerer" ein. Von 25 000 Fahrzeugen seien gerade mal 3 000 im Nachbarland mit Obus bestückt worden, so Marongin. Dagegen seien etwa die Hälfte der polnischen, niederländischen und belgischen Brummis mit den Erfassungsgeräten ausgestattet. Wie allerdings die griechischen Fernfahrer auf deutschen Autobahnen über die Runden kommen wollen, bleibt für den Verbandssprecher ein Rätsel. In zehn Fahrzeugen seien Obus eingebaut worden, und dies, obwohl die Automaten in den Terminals nicht in griechischer Sprache codiert sind.

Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) habe eine "knallharte Kontrolle" gleich zum Start der Lkw-Maut zugesagt. Rund 300 BAG-Fahrzeuge werden ab Januar auf den bundesdeutschen Autobahnen unterwegs sein und sich vor allem den ausländischen Brummis widmen. Freilich können sie nur mobile Kontrollen durchführen und nicht zum Firmensitz der ausländischen Spedition fahren, um deren Bücher zu überprüfen, wie dies innerhalb Deutschlands der Fall sein wird. Schon allein deshalb befürchten viele deutsche Spediteure, die brav ihre Obus einbauen ließen, einen Wettbewerbsnachteil. "Es wird sich zeigen, wie intensiv das Bundesamt für Güterverkehr kontrolliert", will Georg Mäckle die Entwicklung genau verfolgen.

Die Lkw-Maut, für die die Spediteure 12,4 Cent pro Kilometer berappen, wird seitens der Logistikunternehmen an die Kunden weitergegeben. "Allerdings wird die Berechnung der Leerfahrten nicht akzeptiert", sagt Thomas Kiedaisch. Ähnliche Erfahrungen mussten auch seine Kollegen machen. Deshalb wollen sie versuchen, wie Hans-Jürgen Fischer ankündigt, die Leer-Kilometer so gering wie möglich zu halten.