Lokales

Bürger als Profis erneut gefragt

Kinder sind Zukunft. Das hat zwar schon Günther Oettinger wahlkampf-populistisch festgestellt, jedoch mit wenig Schwung umgesetzt. In Lenningen will man es besser machen. Doch die Diskussion nach der Vorstellung der Ergebnisse der Zukunftswerkstatt "Gemeinsam für Familien in Lenningen" war dann doch etwas zäh.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Es brauchte schon mehrere Aufforderungen von Bürgermeister Michael Schlecht, bis sich wenigstens ein paar Gemeinderäte aus der Deckung wagten und ihre Meinung kundtaten ausgenommen Georg Zwingmann, einer der Moderatoren der Zukunftswerkstatt, die Ende September stattfand. Er machte sich vehement für die Umsetzung des Projekts stark.

Die Zusammenfassung der Ergebnisse der Zukunftswerkstatt stellten Christine Ehrhardt von der Familien-Forschung Baden-Württemberg und Andreas Reuter vom Kommunalverband Jugend und Soziales in Baden-Württemberg in komprimierter Form vor. Die ausführliche Dokumentation der geleisteten Arbeit gab es als Sitzungsvorlage. "Es war eine ziemliche Fülle an Infos", sagte Christine Ehrhardt und bezeichnete die Veranstaltung als Ideenschmiede, die aufzeigt, was vor Ort alles auf die Beine gestellt werden kann. "Das ist eine Rückmeldung für den Gemeinderat, aber auch eine Quelle", erklärte sie weiter und hob das bürgerschaftliche Engagement in Lenningen hervor. Insgesamt 50 Lenninger erarbeiteten einen Tag lang Ideen und Vorschläge, die nun zu einem schlüssigen Handlungskonzept führen und zur Umsetzung kommen sollen.

Vier Schwerpunkte haben sich herauskristallisiert: Zum einen die ortsübergreifende Begegnung samt der Stärkung des Zusammenlebens der Generationen, zum anderen die Kinderbetreuung und Bildung für einen guten Start in einen gelingenden Lebensweg. Als drittes war den Teilnehmern die Verbesserung von Lebensqualität und der Verkehrssicherheit für Jung und Alt wichtig und last but not least lag ihnen auch die Schaffung von attraktiven Freizeitangeboten für Jugendliche am Herzen. "Das ist zwar zunächst abstrakt und allgemein formuliert, kann aber schnell konkret werden", sagte Christine Ehrhardt und nannte gemeinsam mit Andreas Reuter einige Beispiele. So etwa eine Kontaktbörse für Jung und Alt, die als "Taschengeldbörse" in Stutensee einen Namen hat. Oder die Entwicklung eines Patenschaftskonzepts bezüglich des Übergangs von Schule und Beruf, bekannt auch unter dem Stichwort "Graue Coaches".

Aus Sicht der Fachleute ist die Einrichtung einer Fachberatungsstelle für Kinderbetreuung sinnvoll. "Wenn man es gut machen will, brauchen die Kindergärtnerinnen bei dem Paket, das die Landesregierung beschlossen hat, massive Unterstützung", so die klare Aussage von Andreas Reuter. Ferner dürften Jugendliche nicht vergessen werden. "Sie haben spezielle Bedürfnisse", wissen die Fachleute. Bei der Planung neuer Freizeitangebote müssten sie mit am Tisch sitzen.

"Wir sollten das Know-how der Menschen im Ort nützen", sagte Michael Schlecht. Er plädierte für kleine Schritte, die umgesetzt werden. "Wie ein roter Faden ziehen sich die Freiflächen und die Kindergartenfachberatung durch", sagte er weiter. Hier müssten einige gute Lösungen entwickelt werden, sonst sei es unbezahlbar für die Gemeinde. Der Schultes hat kein Problem damit, von erfolgreichen Projekten "abzugucken". Wenn ein Wunsch jedoch nicht erfüllbar sei, müsste man auch den Mut haben, dies zu sagen.

"Es ist wichtig, dass wir in den Dialog mit den Bürgern treten, wenn wir uns mit diesen Dingen beschäftigen wollen", erklärte Georg Zwingmann. Dazu gehört für ihn, die Kompetenzen der Bürger ernst zu nehmen und deren Potenzial zu nutzen. "Wir haben den klaren Auftrag zur Qualitätsverbesserung", so der Gemeinderat. Kluge Investitionen seien gefragt, nicht in jedem Ortsteil könnte alles angeboten werden. Es müsste ein Bildungsnetzwerk von der frühen Kindheit bis ins Jugendalter geschaffen werden. "Als Kommune müssen wir nicht alles selbst machen, auf die Rahmenbedingungen kommt es an", so seine Ansicht. Dazu zählt für ihn beispielsweise die Freiflächenplanung in Zusammenarbeit mit der Initiative "Frizle".

Dem überwiegenden Teil der Gemeinde fiel es wegen der Fülle von Ideen schwer, Prioritäten zu erkennen. Bei drei Enthaltungen konnte sich das Gros jedoch auf die weitere Marschroute einigen. Gemeinsam mit den Bürgern soll nun bei einem weiteren Workshop eine detaillierte Konzeption erarbeitet werden, die zu konkreten Projekten führen soll. "Dann können wir sagen, ob wir in diese Richtung gemeinsam gehen oder sagen, dass es nicht geht weil wir nicht können oder wollen", so Michael Schlecht.