Lokales

Bürger fordern: "Steter Tropfen soll den Stein höhlen"

Das Thema "Autobahnlärm" ist seit dem Ausbau der A 8 in den 80er-Jahren immer wieder ein Diskussionspunkt in der Gemeinde Holzmaden. So befasste sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung erneut mit der Problematik, diesmal auf Antrag von rund 60 Bürgern. Die Forderungen stießen beim Gremium nicht auf taube Ohren, sodass jetzt die Verwaltung gefordert ist, erneut auf die zuständigen Behörden zuzugehen.

RUDOLF STÄBLER

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HOLZMADEN Die Bürger stellen in ihrem Schreiben fest, dass die Lärmbelästigung deutlich zugenommen habe und künftig sicherlich nicht geringer werde. Deshalb würde, so die Antragsteller, unabhängig von gesetzlichen Lärmschutzwerten und unabhängig davon, ob die Schnellbahntrasse gebaut wird zusätzliche beziehungsweise optimierte Lärmschutzwälle sowie eine entsprechende Geschwindigkeitsbegrenzung auf der BAB 8, insbesondere zur Nachtzeit, die Wohnqualität aller Bürger von Holzmaden und nicht nur die der besonders lärmgeplagten Bewohner im Bereich Aichelberger-, Rain-, Brunnen- und Hirtenstraße entscheidend verbessern.

Das Beispiel des Denkendorfer Lärmschutzes hat nach Auffassung der Betroffenen gezeigt, dass sich zusätzliche Lärmschutzwälle auch kommunal realisieren lassen. Insbesondere sollte spätestens bei einem Bau der Schnellbahntrasse die große Chance genutzt werden, aus nächster Umgebung von der Deutschen Bahn AG ausreichend Erdmaterial ohne großen finanziellen Aufwand zu bekommen.

Die notwendigen Lärmschutzmaßnahmen wurden nach Aussage von Bürgermeister Riehle damals nach den rechnerisch ermittelten Werten im Planfeststellungsverfahren für den Autobahnausbau umgesetzt. Eine spätere Prüfung der Situation durch Messungen erfolgte nicht, da die Richtlinien für den Verkehrslärmschutz nur von berechneten Werten ausgehen. Das Landesamt für Straßenwesen sei damit den im Planfeststellungsverfahren vereinbarten Lärmschutzmaßnahmen nachgekommen. Nach Aussage des Bürgermeisters seien Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Bundesautobahnen zur Reduzierung des Verkehrslärms von den Verkehrsbehörden bereits 1989 abgelehnt worden, da nur geringe Lärmminderungen zu erreichen waren. Erneute Vorstöße der Gemeinde in diese Richtung insbesondere auch im Zusammenhang mit Unfällen durch überhöhte Geschwindigkeit bei Aquaplaning seien bislang fast ergebnislos geblieben. Lediglich durch eine nichtamtliche Hinweisbeschilderung in Übergröße würden Verkehrsteilnehmer auf die Gefahren zu schnellen Fahrens bei nasser Fahrbahn aufmerksam gemacht. Anfragen der Gemeinde zur Änderung des Fahrbahnbelages der A 8 von Betondecke in Asphaltdecke (Flüsterbelag) wurden letztmals im Jahr 1999 abschlägig beantwortet, unter anderem weil die für eine Lärmsanierung maßgeblichen Lärmpegel nicht erreicht werden.

In Zusammenhang mit der ICE-Schnellbahnstrecke hat die Gemeinde ebenfalls das Thema Lärmschutz vehement verfolgt. Bereits 1995 wurden im Raumordnungsverfahren entsprechende Lärmschutzmaßnahmen gefordert. Im Planfeststellungsverfahren wurden die notwendigen von der Deutschen Bahn AG zu erbringenden Lärmschutzmaßnahmen konkretisiert und festgeschrieben. Die Gemeinde hat insgesamt gegen den Planfeststellungsbeschluss zur Schnellbahnstrecke Klage erhoben. Die Klage wurde vom Verwaltungsgerichtshof mit Urteil vom 28. Januar 2002 abgelehnt.

In einer Gemeinderatsklausur im Oktober dieses Jahres wurde auch auf die zusätzlichen Lärmschutzwälle entlang der Autobahn im Bereich der Gemeinde Denkendorf hingewiesen. Daraufhin hat Riehle mit dem dortigen Tiefbauamt Kontakt aufgenommen. Hier war zu erfahren, dass für die 1,3 Kilometer langen und etwa 8 Meter hohen Lärmschutzwälle und teilweise -wände rund 500 000 Euro Kosten angefallen sind. Zu Beginn wurde auch noch ein Lärmschutzgutachten gefordert, um überhaupt festzustellen, welche Lärmminderung durch die Maßnahmen erreicht wird. Im nächsten Schritt war ein Statikgutachten vor dem Genehmigungsverfahren notwendig. Die Aufschüttungen begannen 2004 und würden im Herbst 2006 mit der Bepflanzung fertiggestellt. Insgesamt wurde die Maßnahme und der Verfahrens- und Bauablauf von Denkendorf aber positiv bewertet. Aber es sei durchaus ein Projekt mit entsprechendem Umfang, Aufwand und auch Kosten gewesen.

Immer wieder versuchenFür die Antragsteller erläuterte Ralph Papcke , dass es den Unterzeichnern klar sei, dass nicht alles von heute auf morgen realisierbar ist. Aber nur wenn aktiv und konsequent an einer Optimierung gearbeitet werde, könne sich insgesamt etwas bewegen. Es heiße schließlich nicht umsonst "steter Tropfen höhlt den Stein." In diesem Sinne bitte man nochmals um die aktive Unterstützung der Kommune, um doch noch eine Verbesserung des Lärmschutzes zu erreichen.

Bürgermeister Jürgen Riehle erinnerte daran, dass die Gemeinde Holzmaden schließlich zum Verdichtungsraum Stuttgart gehöre. "Dadurch haben wir Vorteile, natürlich auch Nachteile. Ohne ICE-Schnellbahntrasse, wo man auf entsprechendes Auffüllmaterial hofft, sah man im Gremium eigentlich keine Möglichkeit, Dämme aufzuschütten. Alle anderen beantragten Maßnahmen, so der Beschluss, sollen von der Verwaltung nochmals beantragt werden. Gemeinderat Thomas Benz will bis zu einer erneuten Beratung Pläne für eine entsprechende Aufschüttung erstellen.