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Bürgerinitiative soll gegründet werden

Mit Unmut reagierten rund 50 Schlierbacher Gegner von Mobilfunkmasten im Ort auf die Tatsache, dass zu ihrer Protestversammlung im Rathaus weder der Bürgermeister noch Mitglieder des Gemeinderats erschienen waren. Organisator Klaus Schäffer rief zur Bildung einer entsprechenden Bürgerinitiative auf.

JOACHIM KRUG

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SCHLIERBACH Rund 50 Schlierbacher versammelten sich auf Einladung Klaus Schäffers, früher langjähriges SPD-Gemeinderatsmitglied, im Bürgerraum des Rathauses, um sich von Sachverständigen über die Gefahren von Mobilfunkmasten im Ort informieren zu lassen. Gleich zu Beginn der Veranstaltung wurde bedauert, dass weder Bürgermeister Paul Schmid noch ein Mitglied des Gemeinderats zu dieser Versammlung erschienen war. Auch Schäffers Mitteilung, dass er für den Raum im Rathaus privat 40 Euro und für die Anzeige im Gemeindemitteilungsblatt ebenfalls aus der Privatschatulle löhnen musste, verursachte erkennbar Frust bei den Zuhörern.

Sowohl von Schäffer als auch von den beiden Referenten wurde aber bedauert, dass der etwas voreilig geschlossene Vertrag über die Bereitstellung eines Hausdachs für einen Mobilfunkmasten zu Drohungen und Mobbing gegen die betroffene Hauseignerin von Seiten von Mobilfunkgegnern geführt habe. Das habe auch damit zu tun, dass von Seiten der Gemeinde keine Vorabinformationen erfolgt seien, so Schäffer, der auch eigene Versäumnisse während seiner Gemeinderatstätigkeit einräumte. Um weitere Mobilfunkmasten zu verhindern, sei es noch nicht zu spät.

Der diplomierte Ingenieur für Messtechnik, Dietrich Ruoff, verwies darauf, dass der künstliche Strahlenmix zunehme, zum Beispiel durch Elektrosmog. "besonders gepulste Hochfrequenzen bringen Stress in das biologische System von Mensch und Tier." Diese Strahlungen wirkten auf die Nerven. Besonders die Sektorenstrahlung von Mobilfunkantennen brächten durch ihre Verstärkung so genannte "Nebenkeulen", die besonders gefährlich seien. Durch Gebäude und Bäume entstünden darüber hinaus Reflexionen und Streuungen. Je größer der Abstand zu einer Mobilfunkantenne, desto unschädlicher seien die Strahlen.

Die Gefahren entstünden zum einen durch den Handy-Betrieb, zum anderen aber auch durch den Organisationskanal des Senders, der ständig in Funktion sei. Noch völlig unerforscht seien die Auswirkungen der UMTS-Stationen, die besonders wirk-sam seien, wenn sie in kleinen Abständen aufgestellt werden. Eine Gefahr von Handys sei, dass "sie die Pille des Mannes sind", besonders wenn sie falsch getragen werden.

Jürgen Groschupp, zweiter Vorsitzender eines landesweit agierenden Bürgerforums Mobilfunk, ließ besonders an ortsnahen Mobilfunkstationen kein gutes Haar. Je größer die Entfernung, desto mehr nehme deren Wirkung ab. Er rief die Schlierbacher Bürger auf, mit der Kommune gegen Mobilfunkanlagen besonders im Ort zusammen zu arbeiten. Ernsthafte Wissenschaftler lehnten massiert aufgestellte Mobilfunkstationen ab. Besonders bemängelte Groschupp, dass Deutschland die höchsten Grenzwerte der Welt habe. Es sei nachgewiesen, dass das Krebsrisiko bei Dauerbestrahlung zunehme. "Der Mensch beherrscht Mobilfunk noch nicht", war Groschupps resignierende Feststellung.