Lokales

Bürgermeisterin wirkt „ansteckend“

Ehrung für langjährige Ratsmitglieder in Owen

Fast die Hälfte der Owener Gemeinderatsmitglieder ist für langjährige kommunalpolitische Tätigkeit geehrt worden: Bürgermeisterin Verena Grötzinger würdigte sechs Stadträte für mindestens zehnjähriges ehrenamtliches Wirken zum Wohle Owens.

Anzeige

Andreas Volz

Owen. Die Arbeit für das Gemeinwohl verlange jedem Gemeinderatsmitglied ein hohes Maß an Idealismus ab. Außerdem sei ein „Glaube an die Sache“ erforderlich, meinte Bürgermeisterin Grötzinger. Sie stellte auch die Frage, die sich wahrscheinlich viele Stadt- und Gemeinderäte stellen: „Warum tut man sich das an, Verantwortung in der Kommunalpolitik zu übernehmen – und das auch noch in der Freizeit?“

Mit dem oben erwähnten Idealismus und dem Glauben an die Sache ist diese Frage wohl am besten beantwortet. Verena Grötzinger fand aber auch eine negative Antwort auf ihre Frage, also einen Grund, den kaum jemand hat, um sich in einen Gemeinderat wählen zu lassen: „Man tut sich das nicht an in Erwartung einer Wertschätzung.“

Schließlich sei nicht für jede Entscheidung des Gremiums mit Dank und Anerkennung in der Bürgerschaft zu rechnen: „Man muss manchmal sogar Entscheidungen treffen, die man eigentlich gar nicht treffen möchte. Wenn etwa die Einnahmen überprüft werden und von den Bürgern mehr gefordert wird, dann muss man hinterher auch noch zu solchen Entscheidungen stehen.“

Gerade deshalb sei es sinnvoll, Gemeinderatsmitglieder für langjährige Zugehörigkeit zum Gremium zu ehren. Der baden-württembergische Gemeindetag biete seit kurzem auch die Möglichkeit, bereits nach zehn Jahren eine entsprechende Urkunde samt Ehrennadel zu verleihen. In Owen waren es nun insgesamt sechs Gremiumsmitglieder, die schon seit mindestens zehn Jahren regelmäßig am Ratstisch Platz nehmen: Bernhard Carrle, Christoph Ensinger, Marieluise Ritter, Sibylle Schmid-Raichle, Karin Warth und Manfred Zahn.

Sie alle können auf eine Zeit zwischen zehn und 19 Jahren als Ratsmitglieder zurückblicken. Verena Grötzinger rechnete das in Sitzungen und Stunden um und kam auf 190 bis 270 Sitzungen, was 600 bis nahezu 1 000 Stunden entspreche – Ortsrundgänge, zusätzliche Termine und Veranstaltungen nicht mit eingerechnet. Für diese lange Zeit im Ehrenamt dankte die Bürgermeisterin den sechs zu Ehrenden nicht nur in ihrem eigenen Namen, sondern auch im Namen ihres Amtsvorgängers Siegfried Roser sowie im Namen aller Bürger der Stadt Owen.

Verena Grötzinger lobte den Owener Gemeinderat – inklusive der übrigen acht Mitglieder, die jetzt nicht speziell geehrt wurden – für die „gute Streitkultur“. Im Gremium sei es möglich, „harte Kämpfe auszufechten und sich hinterher aber trotzdem persönlich nichts nachzutragen“. Nach den vielen lobenden Worten wirkte Owens Bürgermeisterin aber auch noch „ansteckend“, indem sie allen sechs langjährigen Gremiumsmitgliedern persönlich die Ehrennadel ans Revers heftete.