Lokales

Bürgervertreter setzen S-Bahn nach Kirchheim aufs Gleis

Grünes Licht für die Verlängerung der S1 von Plochingen nach Kirchheim. Unisono stimmten die Esslinger Kreistagsmitglieder dem Entwurf der Refinanzierungsvereinbarung in ihrer gestrigen Sitzung zu. Tags zuvor hatte der Kirchheimer Gemeinderat den S-Bahn-Finanzierungsvertrag einhellig gebilligt.

A. KIRSAMMER / I. STRIFLER

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ESSLINGEN/KIRCHHEIM MitBeifall quittierten die Kreistagsmitglieder gestern den einstimmigen Beschluss, mit dem die Weichen für die S-Bahn nach Kirchheim auf "Grün" gestellt wurden. Um die roten Triebwagen auch zwischen Plochingen und Kirchheim auf die Schiene zu setzen, hatte sich der Kreistag vielleicht ganz im Zeichen des ÖPNV zu seinen Beratungen in die Filderhalle an der Leinfeldener Bahnhofstraße zurückgezogen. "Ich freue mich darüber, dass nun der jahrelange Verhandlungsmarathon ein Ende hat", sagte Landrat Heinz Eininger zum Auftakt. Er erinnerte daran, dass sich der Landkreis Esslingen bereits seit 1978 um eine Weiterführung der S-Bahn nach Kirchheim bemüht. "So weit wie heute sind wir nie gekommen", gab er zu bedenken und machte die Bürgervertreter auf die historische Chance aufmerksam: "Entweder es gelingt jetzt oder es gelingt nie mehr." Eininger führte die erreichte hohe Planungssicherheit für das rund 32,5 Millionen Euro teure Projekt ins Feld, an dem sich das Land mit etwa 16,4 Millionen Euro beteiligt. Auch dass das Risiko einer Kostensteigerung nicht beim Landkreis und den Kommunen liegt, wertete der Landrat als großen Pluspunkt. Der Landkreis und die 15 Kommunen der Raumschaft Kirchheim steuern insgesamt knapp 7,8 Millionen Euro bei.

Die 3,9 Millionen Euro, die der Kreis zu tragen hat, teilen sich auf in einen Investitionsanteil von 2,1 Millionen Euro und in einen Betriebskostenanteil von 1,8 Millionen Euro. Als "einmalig" bezeichnete der Landrat den Zusammenhalt von Städten, Gemeinden und Kreis. "Erst das macht die Realisierung des Vorhabens möglich." Für beachtlich hält er insbesondere, dass selbst die "Hinterlieger" also Gemeinden, die nicht umittelbar von der S-Bahn profitieren, trotz finanziell schwieriger Zeiten dabeigeblieben sind.

Auch wenn sie erst einmal abgekoppelt ist Eininger sieht auch für die Teckbahn von Kirchheim nach Oberlenningen eine Zukunft, unter anderem als Zubringer für die S-Bahn. Zum einen habe sie eine Betriebserlaubnis bis 2011, zum anderen investiere die Deutsche Bahn in den nächsten Jahren voraussichtlich sechs Millionen Euro in die Strecke im Lenninger Tal. "Die Modernisierung der kleinen Teckbahn muss im Interesse der Raumschaft Kirchheim unser Ziel bleiben", betonte auch der CDU-Fraktionschef Gerhard Schneider.

Hermann Bauer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler und Weilheimer Bürgermeister, sah es als Erfolg, dass die Vereinbarung die Option für die Reaktivierung des Schienenverkehrs zwischen Kirchheim und der Limburgstadt enthält. Auch die Vertreter der übrigen Fraktionen werteten es positiv, nun grünes Licht geben zu können, damit die S-Bahn zum Fahrplanwechsel 2009/2010 tatsächlich im Kirchheimer Hauptbahnhof einrollen kann. Rep-Fraktionschef Ulrich Deuschle hielt es für nötig, auf die Verdienste der Region hinzuweisen. So finanziere sie den erst für 2008 in Aussicht gestellten Landesanteil vor und bezahle 50 Prozent des zusätzlichen S-Bahn-Fahrzeuges.

Das Betriebskonzept für die S-Bahn ab Kirchheim sieht unter anderem von Montag bis Sonntag einen durchgehenden 30-Minuten-Takt von 5 Uhr morgens bis gegen 1 Uhr nachts vor. Etwa zur vollen und zur halben Stunde sollen sich die S-Bahnen aus Kirchheim und aus Stuttgart in Wendlingen begegnen. Angestrebt wird, den örtlichen Busverkehr in Kirchheim auf die Taktzeiten der S-Bahn abzustimmen. Noch im Herbst soll das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Die Bauzeit ist für 2008/2009 vorgesehen. Mit der Aufnahme des S-Bahn-Betriebs im Dezember 2009 nach Kirchheim ist auch die Umsetzung eines Zug/Bus-Konzeptes für die Kleine Teckbahn geplant.

"S-Bahn S 1 von Stuttgart über Plochingen nach Kirchheim unter Teck" Ein Satz, den auch Gregor Küstermann ab Dezember 2009 aus dem Stuttgarter Bahnhofslautsprecher dröhnen hören möchte. Mit diesem Wunsch ist der Kirchheimer CDU-Stadtrat nicht allein: Rundum und somit einstimmig sprachen sich in der Gemeinderatssitzung in der Teckstadt am Mittwochabend Vertreter aller Fraktionen und Gruppierungen für die Zustimmung zur Finanzierungsvereinbarung aus. Für die Stadt Kirchheim ergibt sich ein Betrag in Höhe von 1,64 Millionen Euro. Diese Mittel sind in der Finanzplanung der Stadt für die Jahre 2007 und 2008 längst verankert.

"Jetzt habe ich mein Versprechen gegenüber der Regionalversammlung eingelöst", scherzte nach erfolgter Abstimmung Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Sie war soeben frisch von der Regionalversammlung zurückgekehrt, bei der das Finanzierungskonzept ebenfalls einstimmig abgesegnet wurde (der Teckbote berichtete gestern) und sprach erfreut von einer "einmaligen Projektgemeinschaft", die das seit 1978 angedachte und immer wieder vom Scheitern bedrohte Vorhaben nun doch realisiere. Besonderer Dank gelte den Kommunen, "weil sie immer mitgezogen haben und nicht abgesprungen sind".

Einig war sich das Gremium im übrigen auch, dass der Ausbau der "kleinen Teckbahn" von Kirchheim nach Oberlenningen nicht zu lange warten dürfe. Optimisten im Kirchheimer Gemeinderat fassten neben der Reaktivierung der Bahnstrecke nach Weilheim bereits den Ringschluss über Boll nach Göppingen ins Auge.

Von den 15 Kommunen, die der "Raumschaft" mit einem gemeinsamen Finanzierungsanteil von 3,9 Millionen Euro angehören, haben nunmehr 14 die Zustimmungsvereinbarung abgesegnet. Dieser formale Akt steht lediglich in Holzmaden noch aus. Am Montag blicken die S-Bahn-Fans daher gespannt auf die Urweltgemeinde.