Lokales

Bullen mischen Nabern auf

Junglandwirt setzt auf zweites Standbein – Großer Andrang bei Info-Veranstaltung

Ein geplanter Bullenmastbetrieb erhitzt in Nabern die Gemüter. Dabei handelt es sich eigentlich um ein rein privates Vorhaben eines jungen Landwirts. Doch viele Bürger befürchten massive Beeinträchtigungen durch Verkehr, Lärm und Geruch. Auf einer Info-Veranstaltung wurden nun beide Seiten der Medaille deutlich.

irene strifler

Kirchheim. Dass der Sitzungssaal des Naberner Rathauses dem Andrang gerecht werden würde, glaubte wohl niemand ernsthaft. Schließlich wird das Thema Bullenmastbetrieb in Nabern seit Wochen hitzig diskutiert. So musste mit der Info-Veranstaltung flugs in die benachbarte Zehntscheuer ausgewichen werden. Rund 150 Zuhörer diskutierten dort sehr emotional und kontrovers mit dem Planer und dem Bauherrn des Vorhabens. Ausgesprochen polemische Frage-Antwort-Spiele machten schnell deutlich, dass es sich nicht ausschließlich um die Sache, sondern auch um persönliche Dissonanzen handelte.

Ortsvorsteher Clemens Moll skizzierte zunächst das Spannungsfeld zwischen Erholungs- und Ruhebedürfnis der Bevölkerung einerseits und der notwendigen Unterstützung der Landwirtschaft andererseits. Konkret geht es um ein Verfahren für eine landwirtschaftliche Aussiedlung zwischen Nabern und der Autobahn unweit der Alten Kirchheimer Straße. Die Erteilung der Zustimmung zu diesem Vorhaben obliegt dem Landratsamt, das dann das Einvernehmen mit dem Bauordnungsamt Kirchheim herzustellen hat. Der Ortschaftsrat Nabern wiederum hat laut Moll das Recht auf eine Stellungnahme.

„Mit dieser Info-Veranstaltung wollen wir so manchen Gerüchten den Wind aus den Segeln nehmen“, leitete Planer Helmut Kapp, auch stellvertretender Ortsvorsteher, seine Ausführungen ein und ließ keinen Zweifel daran, dass das Vorhaben in Bälde genehmigt werde. Dem Vorwurf, die Sache sei bewusst nicht an die große Glocke gehängt worden, begegnete er mit dem Verweis auf das formal korrekte Verfahren und vor allem auf die September-Sitzung des Ortschaftsrates. Dort habe das Thema auf der öffentlichen Tagesordnung gestanden.

Es geht um einen Stall für 200 Tiere, etwa 500 Meter vom Naberner Ortsrand entfernt. Daneben ist eine Maschinenhalle vorgesehen. Gemäß den Vorschriften des Landwirtschaftsamtes müssen Erweiterungs-Möglichkeiten planerisch dargestellt werden. Diese seien aber derzeit ebensowenig geplant wie das gestrichelt eingezeichnete Wohnhaus.

Das Vorhaben wurde mit dem Landwirtschaftsamt abgestimmt. Dr. Drees sprach auf Nachfrage des Teckboten von einem „Konzept mit Zukunft“. Die Dimension entspreche einem mittelständischen Betrieb. Im Stall will Jungbauer Steffen Barner 200 Bullen mästen. Diese werden als „Fresser“ mit einem Gewicht von etwa 200 Kilogramm gekauft und nach einem Jahr mit etwa 700 Kilogramm wieder verkauft.

Was die Bürger besonders bewegt, sind mögliche Konsequenzen im Hinblick auf den Verkehr. Barner führte aus, dass der Transport von 1000 Tonnen Futter pro Jahr etwa einem Tag mit regem Durchgangsverkehr entspreche. Die etwa 2300 Kubikmeter Gülle jährlich würden auf seine Felder in der Nähe ausgebracht, sodass keine Fahrten durch den Ort nötig würden. Die Tatsache, dass das Gros der von Barner bewirtschafteten Felder nahe dem geplanten Stall liegen, ist das Hauptargument für diesen Standort: „Das Verkehrsaufkommen wird nicht höher, denn bisherige Fahrten entfallen“, argumentierte der Landwirt. Pro Monat sollen 13 „Fresser“ eingestellt und wöchentlich etwa fünf Bullen abgeholt werden, jeweils im Viehhänger oder Klein-Lkw und meist zwischen 2 und 4 Uhr morgens.

Seitens der Bürger wurden massive Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Schüler auf dem Radweg laut. Auch jetzt schon gibt es hier Konflikte zwischen Landwirtschaft und Radverkehr. Clemens Moll verwies darauf, dass es sich um einen Radweg handle, der gleichzeitig ein landwirtschaftlicher Nutzweg sei und kündigte Verkehrsüberwachungen an.

Anderer Fragesteller thematisierten die Geruchsemissionen. Kapp, selbst viele Jahrzehnte als Nebenerwerbslandwirt tätig und unter dem Namen „Mondscheinbauer“ bekannt, betonte, dass Rinderhaltung keine Geruchsbelästigung mit sich brächte. Allerdings stelle das Güllefahren in der Landwirtschaft durchaus eine gewisse Belästigung dar, und zwar einige Tage im Jahr.

Die größten Bedenken der Zuhörer richteten sich auf die Zukunft. Nach einer möglichen Umwandlung in einen Schweinezuchtbetrieb wurde ebenso skeptisch gefragt wie nach einer Erweiterung des Bullenmastbetriebes. Auch die Möglichkeit, die Gülle komplett auf den eigenen Flächen zu entsorgen, wurde stark in Zweifel gezogen. Statt dessen sei mit An- und Abfahrten von 150 Güllefässern mit einer Breite von drei Metern zu rechnen, so die Furcht.

Angesichts der Bedenken und Einwände kam der bis dahin zurückhaltende Jungbauer nicht umhin, vehement für seinen Berufsstand zu werben: „Wir sind auf die Modernisierung der Technik angewiesen, da müssen wir mitgehen, sonst haben wir bald keine Kulturlandschaft mehr in Nabern.“ Dass sich nächtlicher Lärm in Erntezeiten nicht ausschließen lasse, räumte er ein. Dennoch versprach er, sich möglichst an verträgliche Zeiten zu halten. Was die Bullenmast betreffe, sei er bemüht, diese so zu betreiben, dass Nabern davon nichts mitbekomme. In Sachen möglicher Expansion spielte er den Ball zurück und prangerte eine gesellschaftliche Entwicklung an: Ob ein Betrieb stark expandieren und somit Masse produzieren müsse, hänge schließlich auch vom Kaufverhalten der Bürger vor Ort ab.

Doch nicht nur besorgte Anwohner, sondern auch Verfechter der Landwirtschaft verfolgten die Diskussion: „Wir sind in der glücklichen Situation in Nabern, dass wir eine junge Familie haben, die mit der Landwirtschaft weitermachen will“, lautete ein Argument, das mit Beifall bedacht wurde. Wenn Fremde die Fläche bewirtschafteten, dann verschlechterten sich die Rahmenbedingungen und die Verkehrssituation nämlich auf jeden Fall.

Dass Steffen Barner selbst keine großen Expansionsgelüste hegt, konnte er unter Verweis auf die Investitionskosten glaubhaft klarmachen: „An dem Stall zahle ich 20 Jahre lang ab!“ Die Info-Veranstaltung hat auf jeden Fall eines erreicht: Das eingangs vom Ortsvorsteher formulierte Spannungsfeld zwischen überlebenswichtigen Forderungen der Landwirtschaft und den berechtigten Bedürfnissen der Anwohner wurde eindrucksvoll deutlich.

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