Lokales

Bunt blühende Äcker als Blickfang für Wanderer auf der Alb

Ein Blickfang in der Landschaft, der auf die gestaltetende Arbeit der Landwirte aufmerksam macht so präsentierten sich die Farbfelder zwischen Ziegelhütte und Naturschutzzentrum Schopflocher Alb.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN "Die Landschaft auf der Schopflocher Alb ist noch eine abwechslungsreiche und intakte Kulturlandschaft mit Heckenzügen, Feldgehölzen, Äckern und Wiesen. Dazu kommt noch die Modellierung durch die sanften Hügel das ist bei schönem Wetter einfach traumhaft", kommt die Landschaftsplanerin Kerstin Höss regelrecht ins Schwärmen. Was lag daher näher, mit dieser Landschaft zu spielen, zumal zur gleichen Zeit im Naturschutzzentrum Schopflocher Alb die Ausstellung "Ackerwildkräuter Leben zwischen Saat und Ernte" zu sehen war. So fanden sich zwischen Weizenfeldern bunte Blumenbänder, die sich über Hügel zogen und Farbkleckse in die Landschaft hinterließen.

Verwendet wurden auffällig blühende Pflanzen des Futtermittelanbaus, der Gründüngung sowie alte und neue Kulturpflanzen. Farbfeld eins beispielsweise, ganz in der Nähe des Naturschutzzentrums gelegen, bestand aus Weißem Senf, der auf Höhenlinien aufmerksam macht. Buchweizen, Weißer Senf, Ringelblume, Klatschmohn und Körner-Amaranth sollte auf Feld zwei den Farbverlauf zwischen den einzelnen Pflanzen zeigen. Hier wurde jedoch der Unterschied zwischen Theorie und Praxis deutlich. Während die orangene Ringelblume wunderschön blühte, hielt sich der rote Klatschmohn vornehm zurück und blühte nicht flächig.

Weißer Senf, der dem Namen zum Trotz gelb blüht, ist eine Leibspeise der Erdflöhe. Er wurde auf einem Farbfeld über zwei Flurstücke hinweggesät. "An der Grenze hat der Floh tatsächlich halt gemacht", wunderte sich auch die Landschaftsplanerin. Ob es an der Vorbehandlung des Bodens lag oder andere Ursachen hatte, ist allerdings nicht bekannt. Für die Farbfelder selbst wurde jedoch auf jegliche Spritzmittel und Düngung verzichtet.

"Wenn es keine Landwirte mehr gibt, würde ein Wald entstehen. Mit dieser Aktion wollten wir darauf aufmerksam machen, wie schwer es die Bauern heute haben", beschreibt Kerstin Höss die Beweggründe für die ungewohnte Freiluftaktion. Das Höfesterben hat schon lange begonnen und bei vielen, die noch an der Scholle hängen, ist absehbar, dass die Kinder den Betrieb nicht übernehmen auch nicht im Nebenerwerb.

Das Projekt sollte deshalb auch das Image der Bauern verbessern, das bei vielen Bürgern nicht das rosigste ist. "Bei meinen Führungen habe ich Werbung für die Landwirte betrieben und den Besuchern bewusst gemacht, was die Landwirtschaft für die Landschaft und somit für die Gesellschaft leistet und welche Arbeit dahinter steckt", so die Landschaftsplanerin.

Bei den Farbfeldern handelt es sich um die Umsetzung der Diplomarbeit von Kerstin Höss. "Es war toll für mich, dass ich meine theoretischen Überlegungen in die Praxis umsetzen konnte", freut sie sich. Die Aktion hat sie als Experiment angesehen. "Bei manchen Sorten ging es erstaunlich gut, bei manchen aber gar nicht", gibt sie offen zu. Zum einen müsse man die Felder kennen, wissen, was auf ihnen gedeiht. "Man macht sich zunächst theoretisch Gedanken, was da oben auf der Alb wohl gut wächst. Die einzige Maßgabe war, dass die Pflanzen einjährig sind", beschreibt die Landschaftsplanerin das Vorgehen. Da der Winter relativ lang dauerte, war die Aussaat schon später als gewöhnlich und auch die feuchte Witterung im Frühjahr brachte weitere Verzögerungen bei der Vegetation. "Bei manchen Sorten ging jedoch alles erstaunlich gut, bei manchen jedoch gar nicht", resümiert Kerstin Höss.

Es gab fünf verschiedene Felder, wobei das größte über einen Hektar groß war. Ihre Äcker zur Verfügung gestellt haben fünf Landwirte, beziehungsweise Eigentümer. An der Umsetzung ebenfalls mit beteiligt waren das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb und Markus Röhl, Biologe beim Institut für angewandte Forschung der Fachhochschule Nürtingen. Die Zusammenarbeit mit sämtlichten Beteiligten fand Kerstin Höss interessant. "Ich habe nach der Einarbeitung vieles mit anderen Augen gesehen", so die Landschaftsplanerin.

"Es war aufregend zu beobachten, wie was wie schnell wächst und gedeiht. Plötzlich waren die Linienformen zu erkennen", erinnert sie sich. Der Farbverlauf zweier Sorten sei zwar von der Idee her schön, allerdings hätte sich recht schnell herausgestellt, dass dies in der Realität recht schwierig zu schaffen ist. Zunächst wollte Kerstin Höss ihre Farbfelder von Hand säen. "Für Ungeübte ist es jedoch äußerst schwierig, gleichmäßig die Samen auf den Acker zu verteilen", musste sie dann schnell einsehen. Somit wurden die Felder wie üblich maschinell eingesät, allerdings mit speziellem Gerät, das enge Radien zuließ.

Von ihren Farbfeldern ist Kerstin Höss positiv überrascht. "Wenn die Ringelblume satt daliegt, freut man sich, dass die Umsetzung gut geklappt hat", sagt sie. Auch wenn nicht alle Samen immer so aufgegangen sind, wie sie es sich gewünscht hat, ist sie zufrieden. "Die Verbindung von Kunst und Natur hat einen gewissen Nerv der Zeit getroffen. Ich war überrascht, dass die Aktion so großen Anklang fand was das Projekt krönt ist die Resonanz", freut sich Kerstin Höss.