Lokales

Burgen und Bienen im Fördertopf

Landwirtschaftsministerium unterstützt Projekte im Biosphärengebiet

Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb rückt langsam aber sicher auch im Landkreis Esslingen ins Bewusstsein. Die ersten Projekte machen nun mit bewilligten Förderanträgen auf sich aufmerksam.

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Iris Häfner

Kreis Esslingen. Die graue Theorie nimmt langsam Farbe an. Von vielen zunächst kritisch beäugt, verankert sich die Biosphäre jetzt erstmals im Landkreis Esslingen mit konkreten Projekten. Federführend dabei ist das baden-württembergische Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum (MLR), das Fördergelder in Höhe von 200 000 Euro für dieses Jahr bereit gestellt hat. Unterstützt werden damit modellhafte und nachhaltige Projekte, die unmittelbar mit der Schwäbischen Alb in Verbindung stehen. „Das Naturkapital soll dabei nicht entkoppelt von Wirtschaft und Gesellschaft betrachtet werden, sondern vielmehr als entscheidende Grundlage für eine tragfähige wirtschaftliche Entwicklung“, heißt es dazu von offizieller Seite.

Insgesamt 25 Anträge wurden dem Beirat vorgelegt. „Deren Vielfalt belegt, dass das Naturkapital durchaus zum Innovationsmotor für Wirtschaft und Gesellschaft werden kann“, meinte dazu der Tübinger Regierungspräsident Hermann Strampfer, dessen Behörde maßgeblich an der Umsetzung des Biosphärengebiets beteiligt ist.

Einer der erfolgreichen Antragsteller ist das Archiv des Landkreises Esslingen, das die Burgstellen im Biosphärengebiet archäologisch-topografisch vermessen lassen will. Nicht nur die Burgstellen an sich, sondern auch die umgebenden Landschaftsveränderungen durch die Bewirtschaftung der umliegenden Areale sollen erfasst werden. „Dies ist ein neuer Ansatz, der auch Auskunft über die Auswirkungen der Burgen auf die Entstehung der Kulturlandschaft geben wird“, heißt es in der Kurzbeschreibung des Projekts. Als Ergebnis rechnet das Kreisarchiv mit anschaulichen, digitalen Geländemodellen, die auch für dreidimensionale Rekonstruktionen der Burgen und der dazu gehörenden Kulturlandschaft dienen können. Bis 2010 sollen sieben Burgen vermessen werden. Noch in diesem Jahr stehen Sperberseck und Sulzburg in Lenningen auf dem Programm. Insgesamt fallen Kosten in Höhe von rund 13 000 Euro an, die Finanzierung teilen sich Landkreis und Ministerium jeweils zur Hälfte.

In den Genuss der Fördermittel kommt auch das Naturschutzzentrum. Zum einen mit der Wanderausstellung „Kalk und Karst im Biosphärengebiet Schwäbische Alb“. Die 15 Infotafeln berücksichtigen Karst­erscheinungen und Geotope aus allen Teilen der Alb. Schwerpunkte sind geplant zu Karstformen in der Landschaft und deren Bedeutung für die Menschen früher und heute oder auch Rohstoff- und Nachfolgenutzungen von Steinbrüchen für den Naturschutz. Damit soll die Bevölkerung für den „Schatz Karst“ im Biosphärengebiet sensibilisiert werden. Als direkte Folgen erhofft sich das Naturschutzzentrum Geotop- und Naturschutz sowie einen nachhaltigen Tourismus, denn die Ausstellung wird nach der Premiere in Schopfloch dem gesamten Gebiet kostenlos zur Verfügung stehen. Ausstellungsorte können beispielsweise Rathäuser, Infozentren und touristische Einrichtungen sein. Die Hälfte der Kosten von knapp 7000 Euro kommt aus dem ministeriellen Fördertopf.

In Zusammenarbeit mit dem Freilichtmuseum Beuren und dem Umweltbildungszentrum Listhof in Reutlingen will das Naturschutzzentrum Schopfloch außerdem die Informationsbeschilderung „Schutz von Wildbienen“ auf den Weg bringen. Diese Tafeln bieten zusätzliche Informationen über diese wichtigen Helfer in der Natur an. In allen drei Einrichtungen sind die umweltpädagogischen Angebote „Bau von Nisthilfen“ beliebte Aktionen. Ein weiterer Aspekt besteht darin, dass es als Kooperationsprojekt der drei Institutionen angesehen wird. Alle drei sind Teil des „Netzwerks Informationszentren“ im Biosphärengebiet und ein intensiver Austausch stärkt deren Zusammenarbeit. Die Kosten dafür sind recht bescheiden. Von den 2550 Euro werden 1275 Euro vom Ministerium übernommen.

Etwas größer ist der Betrag für die Einführung von Audioguides im Freilichtmuseum in Beuren: Auch hier beteiligt sich das MLR zur Hälfte mit über 9000 Euro. Insbesondere für Individualbesucher sollen so akustische Informationen – Geräusche, Musik und Sprache – das Angebot ergänzen. Thematisiert wird dabei das Biosphärengebiet, aber auch der Einfluss der früheren Landnutzungsformen auf die Kulturlandschaft. Dazu zählen beispielsweise Streuobstwiesen oder Wacholderheiden.