Lokales

Bussen erwandert

Einmal den Bussen als Autofahrer nicht nur zu sehen, sondern auch echt zu erwandern, war dieser Tage das Ziel einer Wandergruppe des Albvereins Unterlenningen.

LENNINGEN Immerhin ist der Bussen als wahrscheinlicher Ausliegerberg im ehemaligen Tertiärmeer und der nachfolgenden noch wilden jungen Donau immerhin 767 m hoch und wimmelt nur so von Juragestein. Auf seinem Gipfel befindet sich eine uralte Festungsruine nicht mehr bekannter Bauzeit, und heute eine nette 1960 erweiterte Wallfahrtskirche "zur schmerzenden Mutter Gottes Maria". In diesem Jahr wird das 1200-jährige Jubiläum gefeiert.

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So ein einsamer Berg in der ansonsten flachen oberschwäbischen Ebene hat sicher seine lange Geschichte, die vermutlich bis über die Keltenzeit hinausgeht. In nachfolgender christlicher Zeit reichen die ersten Angaben bis zum Jahr 805 zurück, als die erste, sicherlich noch bescheidene Holzkirche dem Kloster Sankt Gallen geschenkt wurde. Tiefe Wälle um die Berkuppel herum lassen ohnehin an unruhige Zeiten erinnern.

Nach den landschaftsprägenden Gletschern der Eiszeit kamen geschichtlich dann die Habsburger und im Dreißigjährigen Krieg wurden Festung und Urkirche durch die Schweden zerstört. Später kam Burg samt Kirche wieder in das Eigentum von Turn und Taxis, bis dann im Jahr 1960 der Landkreis Biberach im Einvernehmen mit der Diözese Rottenburg und dem Land Baden-Württemberg mit der Renovierung und Erweiterung begann. Ein gelungener Umbau mit Einbeziehung des spätgotischen Chors und den Farbfenstern auf beiden Seiten der Halle. Heute dient die Wallfahrtskirche zugleich als Gemeindekirche der relativ kleinen Gemeinde Offingen.

Oben vom alten Festungsturm, der aus wuchtigen "Tauchsteinen" erbaut den Jahrhunderten trotzt, hat man einen prächtigen Rundblick, der weit über das eiszeitlich geprägte Land von der Zugspitze bis zu den Schweizer Alpen reicht. Breit gelagert sind die Seenhinterlassenschaften der ehemaligen Riss-Eiszeit und die vielen Moore ganz Oberschwabens. Kulturell und religiös daneben der oberschwäbische Barock mit Steinhausen, Zwiefalten, Obermarchtel und Schussenried.

Ein erlebens- und sehenswertes Landschaftsbild ganz anders als die hiesigen oft engen Albtäler. Und eine Fahrtroute, die gelungen von Helga und Walter Barner ausgesucht wurde, wozu natürlich auch eine abschließende Kaffeerunde gehört. Eine Wanderfahrt, die im Gedächtnis bleiben wird, die neue Horizonte erschlossen hat und jedem Teilnehmer wieder ein kleines erweitertes Bild seiner schwäbischen Heimat gab.

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