Lokales

Carl Eugen, Franziska und das Schloss

An einem der letzten schönen Herbsttage unternahm der Schwäbische Heimatbund, Regionalgruppe Kirchheim, eine Halbtagsexkursion nach Hohenheim, um das Schloss zu besichtigen, aber auch einiges über die Geschichte Hohenheims zu erfahren, wobei aus Kirchheimer Sicht besonders die Hohenheimer Jahre Franziskas interessierten.

KIRCHHEIM Im Mittelalter befand sich an der Stelle des heutigen Schlosses eine Wasserburg, die dem Geschlecht der Bombaste von Hohenheim gehörte. Der wohl bedeutendste Spross dieses Geschlechts ist der 1493 in Einsiedeln in der Schweiz geborene Naturphilosoph und Arzt Theophratus Bombast von Hohenheim, der sich später Paracelsus nannte. Nachdem Hohenheim mehrmals seinen Besitzer wechselte, erwarb es 1676 der Augsburger Patrizier Emanuel von Garb, der dort neben einem frühbarocken Schlösschen auch den "Garbenhof" errichtete. Nachdem seine Enkel im folgenden Jahrhundert kinderlos starben, wurde der Garbenhof als erledigtes Lehen von Herzog Carl Eugen eingezogen. Im Juli 1771 bekam seine damalige Mätresse, die Sängerin Caterina Bonafini den Garbenhof von ihm geschenkt, aber nur "solange sie der Herzog sich zu halten für gut befinden."

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Schon ein halbes Jahr später hatte er diese Schenkung wieder rückgängig gemacht, denn am 10. Januar 1772, ihrem 24. Geburtstag, bekam nun seine neue Geliebte, Franziska Freifrau von Leutrum, geborene von Benerdin, den Garbenhof geschenkt.

Die Verbindung von Franziska mit Carl Eugen führte bei diesem zu einem großen Wandel in seinem Leben. Der Despot und Verschwender auf dem Herzogsthron, führte nun mit seinem geliebten "Franzele" ein spielerisches Landleben in einer selbst geschaffenen Hohenheimer Idylle. Carl Eugen und Franziska wohnten in der "Meierei", einem Nebengebäude. Der Bau eines Schlosses war in Hohenheim zunächst nicht geplant. Doch um sich bei Staatsbesuchen als Landesherr ins rechte Licht zu rücken, beschloss Carl Eugen nach einigen Jahren in Hohenheim, ein repräsentatives Schloss zu bauen. Carl Eugens Neffe und dritter Nachfolger, Friedrich II., der 1797 auf den Herzogsthron kam und 1806 durch Napoleon zum König von Württemberg wurde, hasste Hohenheim und dieses verfiel in einen Dornröschenschlaf.

Erst unter dessen Sohn und Nachfolger, König Wilhelm I. und seiner Gemahlin Katharina erlangte Hohenheim wieder an Bedeutung. Die Hungerjahre 1816/1817 führten zu der Überlegung, durch eine fundierte Ausbildung für Landwirte so eine Hungerkatastrophe zu verhüten oder abzuschwächen. Dies führte 1818 zur Gründung der "Landwirtschaftlichen Forschungs- und Lehranstalt", die mit 16 Zöglingen, einem Direktor und zwei Professoren den Unterrichtsbetrieb aufnahm. 1847 wurde die Anstalt zur Landwirtschaftlichen Akademie, 1904 zur Landwirtschaftlichen Hochschule und schließlich 1967 zur Universität erhoben.

Nach der ausgiebigen Besichtigung der Repräsentationsräume, kamen die Besucher über den so genannten Dienerschaftsgang in den rechten Schlossflügel, der für die Privaträume Carl Eugens und Franziskas geplant war.

Carl Eugen erlebte jedoch ihre Fertigstellung nicht mehr und Franziska wurde nach seinem Tod sofort aus Hohenheim verwiesen. Franziska hatte es geschafft, von der Geliebten des Herzogs nicht nur zu seiner rechtmäßig angetrauten Gattin zu werden, sondern auch von ihm in den Rang einer Herzogin erhoben zu werden.

Da es nach der Schlossbesichtigung schon dunkel war, verzichtete man auf den Besuch des Exotischen Gartens mit den Resten des ehemaligen "Dörfle". Der Tag klang aus mit einer Einkehr im historischen Gasthaus Zur Garbe, jener ersten Schenkung Carl Eugens an Franziska, die für den Herzog eine Lebenswende einleitete und den Anfang der für das Land so fruchtbaren Hohenheimer Jahre bildete.

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