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"Casino Royale" lässt grüßen: zocken und bluffen um die ...

Turniere, Online-Spiele oder abendliches Kartenklopfen mit Freunden Poker hat einen regelrechten Boom ausgelöst und ist durch Live-Übertragungen von Turnieren salonfähig geworden. Auch Kirchheim wurde schon vom Poker-Trend erfasst.

LENA RIEMER

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KIRCHHEIM Spätestens seit der neueste James-Bond-Film "Casino Royale" im Kino zu sehen ist und Stefan Raabs "TV total Europoker.net Nacht" ein Millionenpublikum vor die Fernseher zieht, ist Pokern populärer denn je. Das Kartenspiel hat sich zu einem richtigen Trend entwickelt, der auch Kirchheim schon fest im Griff hat

"Ich spiele jeden Tag mindestens zwei Stunden Online-Poker und das seit zwei Jahren" , erklärt der 14-jährige Dennis aus Kirchheim. "An den Wochenenden veranstalte ich auch mit meinen Freunden Pokerabende. Wir treffen uns dann und spielen gegeneinander, aber ohne Einsatz von Geld, nur zum Spaß", ergänzt sein 17-jähriger Freund Halil. Beide haben das Kartenspiel, bei dem es wichtig ist, gut bluffen zu können und auch mit schwachen Karten noch ruhig zu bleiben, bei ihren Vätern gelernt. "Im Internet kann man das Spiel am leichtesten erlernen, außerdem muss man dort kein reelles Geld einsetzen und es ist eine gute Übung", erklärt Dennis und sein Freund pflichtet ihm bei.

Pokerabende in KirchheimAuch an den zahlreichen Pokerturnieren, die in letzter Zeit in Kirchheim und Umgebung stattgefunden haben, zeigt sich die momentane Beliebtheit des Spieles. Das nächste Turnier für alle Pokerfreunde findet am heutigen Dienstag, 27. März, ab 18 Uhr im "Joy-Inn" in Kirchheim statt. Unter dem Motto: "Deutschland sucht den Pokerstar" lädt auch die Kirchheimer Bar "Pssst" jeden Montag ab 18 Uhr zum Pokerturnier ein. "Pokern hat sich zum richtigen Boom entwickelt, das Spiel wird quer durch alle Schichten und Altersklassen gespielt. Bei unseren Turnieren gibt es Teilnehmer zwischen 18 und 60 Jahren. Vom Schüler bis zum Proffessor", beschreibt Mario Volitz von der Bar "Pssst" den Pokertrend.

Da in Deutschland nur in öffentlichen Spielbanken und im Internet legal um Geld gespielt werden darf, wird bei den Turnieren kein Geld gesetzt. Die Teilnehmer bezahlen einen gewissen Betrag als Startgeld und spielen dann um Gewinne wie Fernseher, DVD-Player oder manchmal sogar um größere Sachpreise wie beispielsweise ein Auto.

Auch die Kirchheimer Spielwarenläden haben sich längst auf den Trend eingestellt und bieten sogenannte "Pokerkoffer" an. Die Spielwarenhandlung Schad in Kirchheim hat vor allem um die Weihnachtszeit viele Spielesets verkauft und auch zurzeit sind wieder alle vergriffen. Warum die Nachfrage seit ungefähr zwei Jahren stetig ansteigt, kann sich eine Mitarbeiterin der Spielwarenhandlung allerdings nicht erklären. Sie empfiehlt allen Einsteigern, sich lieber einen kompletten Koffer mit Chips, Spielkarten und Anleitung zu kaufen, anstatt alle Teile einzeln zusammenzustellen. Außerdem komme man mit einem Koffer deutlich günstiger weg.

Interessierte Neueinsteiger können sich im Internet unter www.poker-institut.org einige hilfreiche Tipps zum erfolgreichen Spielen holen. Die Internetseite rät, dass Pokeranfänger zunächst, wenn überhaupt, geringe Beträge setzen sollen. Gute und erfahrene Spieler verstehen ihr Handwerk und wissen, wann es gilt auszusteigen oder zu erhöhen. Doch auch mit viel Erfahrung spielt Glück eine große Rolle, denn ohne die richtigen Karten kann auch der beste Spieler nicht gewinnen.

So beliebt Pokern auch ist, es birgt wie jedes andere Glücksspiel auch die Gefahr der Spielsucht, warnt Günther Zeldner von der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart, einer professionellen Suchtberatungsstelle. Vor allem Anfänger lassen sich von den scheinbar einfachen Spielregeln dazu verleiten, leichtsinnig zu hohe Geldbeträge einzusetzen was dann wiederum von erfahrenen Mitspielern oder auch von OnlinePoker-Anbietern ausgenutzt wird. "Nach meiner Erfahrung hat die Anzahl der Kartenspielsüchtigen in letzter Zeit leider deutlich zugenommen. Dabei stellen die Internetpokerräume, vor allem für Jugendliche, auch eine Gefahr da. Auf diesen Seiten ist es schwer zu kontrollieren, wie alt die Mitspieler wirklich sind. Viele Jugendliche spielen täglich mehrere Stunden Online-Poker. Das Glücksspiel wird für sie zur Gewohnheit, was oft den Einstieg in die Sucht bedeutet", erklärt Günther Zeldner weiter. Auch der allgemeinen These, dass der durchschnittliche Spieler beim Pokern keinen Gewinn, sondern eher Verlust macht, da der Spieler einen Anteil an die Spielbank oder das Online-Casino entrichten muss, stimmt er zu. Wenn das Spielvergnügen zur Sucht wird, aus der Betroffene nicht mehr alleine rauskommen, können sie sich jederzeit und vertraulich an die evangelische Beratungsstelle in Stuttgart unter der Telefonnummer 0 18 05/77 43 53 wenden und dort Hilfe erhalten.

Geschichte des PokernsWann und wo Pokern entstandem ist, ist bis heute umstritten. Der eigentliche Siegeszug des Spiels begann im 19. Jahrhundert, als der Goldrausch ganz Amerika erfasst hatte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Kartenspiel immer weiter, bis zu der Form, in der es heutzutage gespielt wird.

Als im Jahre 2003 der Amateurspieler Chris Moneymaker die World Series of Poker in Las Vegas gewann, war die Sensation perfekt. Laut Veranstalter haben sich die Teilnehmerzahlen für dieses Turnier in den letzten Jahren verzehnfacht.

Einige Profispieler sind sogar so erfolgreich im Pokern, dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und davon nicht einmal schlecht leben können. In einigen Teilen der USA ist Pokern so beliebt, dass es in einigen Bundesstaaten, wie zum Beispiel Kalifornien, auch ohne Glücksspiellizenz angeboten werden darf.

INFODas Pokerspiel besteht aus 52 Karten, von denen jeder Spieler fünf auf die Hand bekommt. Ohne Wissen um das Blatt des Gegners setzen die Spieler Chips auf die Gewinnchancen der eigenen Hand. Alle gesetzten Chips fallen dem Spieler zu, der die stärkste Hand besitzt oder dem einzig übrig gebliebenen Spieler, der den höchsten Einsatz vorlegt und dem kein anderer Mitspieler folgt. Ziel des Pokerns ist es, möglichst viele Chips der Gegner zu gewinnen. Beim Pokern gibt es mehrere verschiedene Spielvarianten, bei denen entweder die höchste Kartenanzahl auf der Hand zählt oder die niedrigste. Ebenfalls abhängig von der Spielvariante ist die maximale Mitspieleranzahl.