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CDU vor Neuanfang?

Von einem bedauerlichen "formalen Fehler" sprechen die einen, einen handfesten Generationenkonflikt sehen die anderen. Tatsache ist: Der CDU-Stadtverband Kirchheim-Dettingen wiederholt im Januar die Vorstandswahlen. Das Verfahren liegt auf Eis, ziemlich frostig ist auch die Stimmung.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Bis vor Kurzem war an der Spitze des CDU-Stadtverbandes noch alles im Lot: Michael Hennrich hatte die Position seit mehreren Jahren inne. Vor einem Jahr kündigte der CDU-Bundestagsabgeordnete seinen geordneten Rückzug an. "Amt und Mandat sollten getrennt sein", begründet der Politiker rückblickend seinen Entschluss. Der sei ihm umso leichter gefallen, habe es doch keinen Nachwuchsmangel gegeben: "Wir haben viele gute Leute im Stadtverband."

Doch ein großes Angebot erschwert die Auswahl. Bis zum Wahltermin kristallisierten sich drei Bewerber heraus. Im dritten Wahlgang trug schließlich Thilo Rose aus den Reihen der Jungen Union den Sieg über Erich Sigel davon. Mit einem Vorsprung von gerade mal drei Stimmen. Pikant daran: Just drei verdiente Mitstreiter der jungen Union waren am gleichen Abend noch in die CDU eingetreten. Ein Schelm, wer nachrechnet, denn schließlich sind die Wahlen geheim.

Dagegen, die Neuzugänge mitwählen zu lassen, hatte zunächst trotz Nachfragen niemand etwas einzuwenden gehabt. Dieses Prozedere entspricht den üblichen Gepflogenheiten landauf, landab. Dennoch handelt es sich um einen formalen Fehler: "Normalerweise muss zunächst der Kreisvorstand über die Neueintritte befinden", kommentiert Thaddäus Kunzmann, Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Esslingen, die vertrackte Situation. "Wo kein Kläger, da kein Richter", zitiert der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann einen altbekannten Spruch. Angesichts des knappen Wahlausgangs fand sich in diesem Fall der Kläger binnen einer Woche: Die Wahl wurde angefochten, der CDU-Vorstand beschloss die Wiederholung.

Nicht nur der politische Gegner verfolgt nun mit Spannung, inwieweit sich bis zum angesetzten Termin am 18. Januar das Spitzenpersonal neu formiert. Thilo Rose, der auch dem Kreisvorstand sowie dem Ortschaftsrat Ötlingen angehört, warf zwischenzeitlich das Handtuch: Er trat vom Amt des Stadtverbandsvorsitzenden zurück. Eine erneute Kandidatur schließt er definitiv aus. Schade, findet manch einer. Denn der 30-Jährige hatte ja durchaus viele Stimmen, die zum guten Teil aus den Reihen der Jungen Union stammen dürften. Sollte die Anfechtung der Wahl gar als Lektion für den parteiinternen Nachwuchs verstanden werden?

Helmut Kapp, Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, weist diese Interpretation weit von sich: "Wir wollen die Junge Union auf gar keinen Fall vor den Kopf stoßen", betont er. Die Angst, dass sich die Jungen brüskiert abwenden könnten, scheint einige der alten Hasen zu bewegen. So wurde eigens eine Art Vermittlungsgespräch anberaumt zwischen der Jungen Union und zwei Vertretern der Kirchheimer CDU-Gemeinderatsfraktion, nämlich Helmut Kapp und Eva Baudouin. Kapp sieht durchaus auch Positives: die "Chance für den Neuanfang".

Dass gerade der langjährige Fraktionschef diesen Neuanfang thematisiert, kommt nicht von ungefähr. Schließlich stehen im Jahr 2009 Kommunalwahlen an. Helmut Kapp sagt nur soviel: "Es ist sicher, dass nicht mehr alle von uns antreten." Ansonsten gibt sich der Vorsitzende, dessen Fraktion in der laufenden Legislaturperiode auch schon andere Krisen zu meistern hatte, zuversichtlich. Am 18. Januar werde man eine Integrationsfigur präsentieren können, die das Gros der Stimmen auf sich vereint. Dass dies durchaus auch ein eher jüngeres Mitglied sein könnte, ist für Helmut Kapp ein naheliegender Gedanke.

Bislang zeigt sich die junge Generation durchaus noch motiviert, pocht allerdings unüberhörbar auf Veränderungen: "Die Politik hat ein Glaubwürdigkeitsproblem", verweist Thilo Rose auf die größte Wählergruppe, nämlich die der Nichtwähler. Dass er sich auch künftig in der CDU engagieren will, wenn auch nicht an vorderster Front und eher auf Kreisebene, verleiht zumindest seiner Forderung nach einer "ehrlichen Politik" Glaubwürdigkeit.