Lokales

Chance, das Leben zu bewältigen

Seit 20 Jahren gibt es im Kirchheimer Wächterheim die Ambulante Jugendbetreuung (AJB). Anlässlich dieses "Geburtstages" hatte das Wächterheim ehemalige Betreute, Sozialarbeiter der Jugendämter und Kollegen zu einer Feier eingeladen.

KIRCHHEIM Ehemalige berichteten, wie sie aus einer Krise in ihrem Elternhaus zur ambulanten Betreuung des Wächterheimes gekommen waren. Das Betreute Jugendwohnen (BJW) sei für sie die Chance gewesen, das Leben in eigener Verantwortung zu bewältigen. Angefangen hatte das Betreute Jugendwohnen im Wächterheim 1985 mit drei Jugendlichen. Neben der stationären Wohngruppe war das BJW eine Form der Begleitung, die die Eigenständigkeit der jungen Menschen förderte. Deshalb wurde sie sehr gerne angenommen. Bis zum Jahr 1997 stieg die Zahl der Betreuten auf 24 an.

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Ins BJW werden junge Menschen aufgenommen, die im Elternhaus in ihrer Entwicklung gefährdet werden, mindestens 16 Jahre alt sind und bereits selbstständig leben können. Sozialpädagogen begleiten und beraten sie. Dabei geht es um die Organisation von Wohnung und Haushalt, Umgang mit Geld, Kontakte zu Behörden, Schule, Ausbildung, Eltern und Umfeld. Ebenso sollen sie ihre persönliche Lebensgeschichte bewältigen und eigenverantwortliche Lebensführung entwickeln.

Uta Hohenberger vom Team Ambulante Jugendbetreuung verdeutlichte den besonderen Betreuungsrahmen des BJW. Bei den jungen Menschen gehe es darum, das eigene Leben selbst verantworten zu lernen. Mit hoher Präsenz würden ihnen dabei die Betreuer zur Seite stehen. Nach gelungenem Zusammenspiel seien die jungen Menschen am Ende der Betreuung in der Lage, das Steuer selbst in die Hand zu nehmen.

Um dem Bedarf der jungen Menschen gerecht zu werden, wurde im Lauf der Jahre die Betreuungsintensität immer mehr ausdifferenziert. 1996 entstand im Wächterheim die Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung (ISE). Damit hatten Jugendliche ab 14 Jahren die Möglichkeit, in besonders schwierigen persönlichen Situationen individuelle, ambulante Betreuung zu erhalten. Das Angebot wurde 1999 durch eine spezielle Form "ISE für Kids" ausgeweitet: Von da an konnten Kinder in den Familien betreut werden, während Eltern fachliche Begleitung und Beratung erhalten.

In den vergangenen 20 Jahren begleiteten Mitarbeiter des Wächterheims in den verschiedenen Betreuungsformen insgesamt 238 junge Menschen auf dem Weg ins Leben. Werner Fiss vom Sozialen Dienst in Nürtingen betonte die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit, in der das Wächterheim, Hand in Hand mit dem Sozialen Dienst, Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien entwickelte. Die Jubiläumsfeier wurde für alle Beteiligten zum Fest der Begegnung: Im regen Austausch konnten die Gäste ihre Kontakte vertiefen.

pm