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Chancengleichheit im Gesetz verankern

Der Ausschuss für Frauen- und Gleichstellungsangelegenheiten des Deutschen Städtetags verlangt von den privaten Unternehmen im Land, die Chancengleichheit von Frauen und Männern im Beruf zu verbessern.

ANDREAS KAIER

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FILDERSTADT Am Rande der 27. Sitzung des Fachausschusses in der Filderstädter Filharmonie kritisierte die Ausschussvorsitzende Ulrike Hauffe die frühere Bundesregierung, kein Gleichstellungsgesetz zu Stande gebracht zu haben. Stattdessen haben laut Hauffe die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft und die Bundesregierung im Jahr 2001 lediglich eine freiwillige Vereinbarung unterzeichnet. "Im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat es gewirkt", räumte die Vorsitzende des Fachausschusses ein.

Allerdings bedeute Chancengleichheit in der Privatwirtschaft mehr als eine verbesserte Vereinbarkeit. "Nur 4,1 Prozent der Betriebe in Deutschland haben eine betriebliche oder tarifliche Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit", sagte Hauffe. Laut Filderstadts Frauenreferentin Edeltraud Herrmann fordert der Ausschuss den Deutschen Städtetag auf, sich für ein Gleichstellungsgesetz stark zu machen. Dem Ausschuss gehören sowohl Kommunal- und Wahlbeamtinnen als auch Sozialdezernentinnen und Gleichstellungsbeauftragte an. Zugleich sollen die Kommunen laut Hauffe dafür sorgen, dass ihre ausgelagerten Tochterunternehmen entsprechende Vorschriften bekommen. Sie denkt beispielsweise an eine verstärkte Qualifizierung der berufstätigen Frauen und an eine Quotenregelung für Führungspositionen. Eine Kostenlawine sieht Hauffe auf die Kommunen zukommen, falls es bei den sozialen Sicherungssystemen keinen Systemwechsel gibt. Sie kritisiert das "klassische Muster", das auf einer traditionellen Paarbeziehung basiere. "Noch immer wird von einem männlichen Alleinernährer ausgegangen und von einer Frau, die sich um die Familie kümmert", kritisierte Hauffe. Doch habe sich diese Klammer inzwischen aufgelöst.

Zwar gebe es immer weniger Ehen, aber nicht weniger Partnerschaften. Da Frauen im Durchschnitt sechs Jahre länger lebten als Männer, viele nur Teilzeitstellen oder geringfügige Beschäftigungen hätten, werde derzeit die Armut einer großen Gruppe organisiert. "Wir brauchen ein eigenständiges Sicherungssystem für Frauen", forderte Hauffe in Filderstadt. Der Fachausschuss wolle deshalb an der Weiterentwicklung der sozialen Sicherungssysteme mitarbeiten. Als ersten sinnvollen Schritt bezeichnete sie die Einführung des Elterngelds und begrüßte die Lohnersatzleistung. Die Reduzierung der Leistung von drei Jahren auf ein Jahr erleichtere den Frauen den Wiedereinstieg. Die Frauen hätten in der Vergangenheit ohnehin nicht die gesamte Zeit in Anspruch genommen.