Lokales

Chef der Haushaltslöcher

Eigentlich ist Kreiskämmerer Siegfried Albrecht seit Freitag in Ruhestand. Aber den Kreishaushaltsplan 2006 will er noch eigenhändig im Regierungspräsidium abliefern und sich die Genehmigungsfähigkeit bestätigen lassen. Wenn man 40 Jahre kommunale Finanzen gehütet hat, verflüchtigt sich das Verantwortungsbewusstsein nicht von einem Tag auf den anderen.

ROLAND KURZ

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KREIS ESSLINGEN Als "Chef der Haushalts- und Schlaglöcher" titulierte Landrat Eininger seinen Kassenwart. Als solcher habe er nicht nur für die soldie Basis des Kreishaushalts gesorgt, sondern sorgfältig für die Zukunft prognostiziert und mit viel Geduld den Kreistagsfraktionen den Etat erklärt. Mit einem Acht-Stunden-Tag sei der Job nicht zu bewältigen gewesen. Controlling, Budgetierung, neues EDV-System und im letzten Jahr die Eingliederung neuer Behörden habe bis zum Schluss für neue Aufgaben gesorgt.

1942 in Bautsch, in der heutigen Tschechischen Republik, geboren, landete Albrecht zunächst im Kreis Göppingen. In Schlierbach begann er seine Verwaltungslaufbahn. 1965 kam er auf das Hochdorfer Rathaus. Als einziger Rathausbediensteter neben Bürgermeister Heinrich Traub habe er das Schaffen gelernt. Sein hochbetagter Ex-Chef (85) war bei der Abschiedsfeier im Landratsamt dabei. 1979, als er in die Kreiskämmerei kam, wunderte sich Albrecht: "Da gab's gar nix zum schaffen". Mit der Zeit habe er jedoch die Arbeit um sich herum angesammelt.

Seit 1986 ist er dafür verantwortlich, dass der Rubel im Landratsamt ordnungsgemäß rollt. Dass der Schuldenberg von 131 auf 158 Millionen Euro wuchs, findet Albrecht zwar nicht gut, aber immerhin sei das Geld "nicht verpulvert worden", sondern damit seien Werte geschaffen worden. Politsch findet er es jedoch nicht in Ordnung, dass der Kreistag die Verschuldung des Landkreises in Kauf nimmt, um die Kommunen zu schonen. Durch die Tilgungsbelastung im Kreisetat würden auch Gemeinden bestraft, die selbst sparsam wirtschaften.

Als eine der größten Herausforderungen bezeichnet Albrecht die Hilfe im sächsischen Partnerkreis Borna. Eine kommunale Verwaltung gab es kaum. Das Geld kam von Ostberlin, der Kreis verteilte an die Gemeinden: "Das war Knochenarbeit."