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"Church Night" mit Luther und Kirchenkabarett

Um das Reformationsfest wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken, fanden im Kirchenbezirk Kirchheim/Teck an drei Orten Veranstaltungsabende mit dem Titel "Church Night" statt.

PETER SCHUSTER

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KIRCHHEIM In der Thomaskirche in Kirchheim konnten sich Besucher anhand einer Ausstellung mit dem Titel "Hier stehe ich und kann nicht anders" über die Hintergründe der Reformation informieren. Günther Erb hielt einen Vortrag über das Thema "Reformation an Haupt und Gliedern", wobei er auf die 95 Thesen Luthers und das Augsburger Bekenntnis einging. Ab 20 Uhr wurde der Film "Luther" gezeigt.

Die Weilheimer Peterskirche beteiligte sich ebenfalls mit einem Programm an der vom Evangelischen Jugendwerk in Württemberg landesweit initiierten Aktion.

In Notzingen zog die Church Night zahlreiche Besucher in die Jakobuskirche. Die, die gekommen waren, wurden nicht enttäuscht. Die Church Night begann mit einem Gottesdienst. In dem Gottesdienst wurde anhand von Filmsequenzen des Films "Luther", in denen die zentralen Wendepunkte in der Entwicklung von Martin Luther gezeigt wurden, die biblisch-reformatorischen Inhalte von Pfarrer Reimar Krauß aus- und dargelegt. Zwischendurch sang das Sing-Team verschiedene Lieder.

Nach einer kurzen Pause erzählte Ursula Eberbach etwas über die Entstehung der Notzinger Kirche. Notzingen gehörte über viele Jahrhunderte zur Pfarrei in Kirchheim. Die Notzinger feierten ihre Gottesdienste entweder in der Jakobuskapelle, die der historische Vorläufer der heutigen Jakobuskirche war, oder im Totenkirchlein am Waldfriedhof. Zwischen den Jahren 1700 und 1800, berichtete Ursula Eberbach, stieg die Zahl der Einwohner in Notzingen von etwa 400 auf rund 800 Gemeindeglieder an.

Am Ende hatten es die Notzinger dann vor allem einer Kirchheimerin zu verdanken, dass sie zu einer neuen Kirche kamen. 1821 wurde durch einen Erlass von König Wilhelm I. Notzingen als Kirchengemeinde eigenständig. Herzogin Henriette von Württemberg, die die Predigten und die seelsorgerlichen Gespräche mit dem damaligen Notzinger Pfarrer Gottlob Baumann sehr schätzte, setzte sich für den Bau einer neuen Kirche ein. Die Jakobuskirche wurde schließlich 1832 fertiggestellt. Fast 1500 Gulden steuerte Henriette von Württemberg zur Finanzierung der Kirche bei.

Einen weiteren Höhepunkt bildete das Kirchenkabarett von Pfarrer Dietmar Scheytt-Stövhase aus Börtlingen, mit dem Titel "Einer ertrage des anderen Lästern". Einige ironische, nicht immer ganz ernst gemeinte Bemerkungen zum Alltag eines Geistlichen, brachten die Zuhörer mehr als einmal zum Lachen.

Gleich zu Anfang konstatierte der Geistliche, dass doch eigentlich die Church Night viel spannender sei als Halloween. Das Kirchenkabarett, verriet er den Zuhörern, hätte er als "Therapieersatz gegen seine Midlife- Crisis" entwickelt.

Mancherlei Ratschläge, wie er Menschen zum Gottesdienstbesuch ermutigt, brachte er mit. Er selbst erhalte regelmäßig Werbeanrufe von der Lotterie, um dort Lose zu zeichnen. Diese Werbepraxis empfahl der Geistliche zu übernehmen und auch die Gemeindemitglieder zu Hause anzurufen und zu fragen: "Weshalb kommen Sie nicht zum Gottesdienst?" Hört er dann am Telefon die unterschiedlichsten Ausreden, von denen viele nicht stimmen, macht er ihnen ein Sonderangebot: "Kommen sie fünfmal zum Gottesdienst und opfern sie nur dreimal", beschrieb er seine Werbestrategie, mit der er Leute zum Gottesdienstbesuch motiviere.

Als Pfarrer geht er bisweilen mit unkonventionellen Methoden in die Offensive: "Ich stelle mich mit dem Talar auf die Straße, und halte die Autos an", berichtete der Geistliche. "Lassen die Leute die Scheibe herunter, erzähle ich ihnen einen Teil der Predigt, was dazu führt, dass tatsächlich viele kommen, um sich sonntags den zweiten Teil anzuhören."

Nachdem anschließend noch der Kinofilm "Luther" von Eric Till in voller Länge gezeigt wurde, rundete die Konficamp-Band mit ihrer Darbietung die Church Night ab.