Lokales

Cloey hat immer Hunger und manchmal auch einen Schwips

LENNINGEN "Cloey, komm her", ruft Anna. Doch die junge "Dame" mit dem wohlklingenden Namen tut so, als würde sie nichts hören. Ein paar Mal lässt sie sich noch bitten, dann setzt sich Cloey in Bewegung

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BIANCA LÜTZ

und marschiert schnurstracks auf ihre 18-jährige Herrin zu. "Fein", lobt Anna und tätschelt dem kniehohen, grauen Minischwein den Rücken. Dann geht es rein ins Haus und Cloey tappert für ihren Körperbau erstaunlich behände die Treppe hinauf ins Wohnzimmer der Familie. "Schweine brauchen Familienanschluss", erklärt Annas Mutter Susanne Jaißle und lässt sich am Esstisch nieder, während Cloey leise schmatzend und mit gesenktem Rüssel durch den Raum läuft, die Balkontür aufstößt und im Garten verschwindet.

Seit viereinhalb Jahren lebt das kleine Hängebauchschwein nun schon bei Anna und ihrer Familie in Unterlenningen. Dass sie mit der Wahl ihres Haustiers eher Exoten sind, wissen die Jaißles und bekommen es auch immer wieder zu spüren: Susanne Jaißle, die Lehrerin am Schulzentrum in Oberlenningen ist, muss sich gelegentlich Witze ihrer Schüler über ihr Haustier anhören und auch Spaziergänger bekommen regelmäßig große Augen, wenn Anna ihr Haustier ausführt. "Manche finden es schon lustig", sagt die 17-Jährige. Trotz allem, die Jaißles stehen zu ihrem Schwein. "Cloey gehört einfach dazu", sagt Susanne Jaißle.

Als Tochter Anna vor einigen Jahren den Wunsch nach einem Haustier äußerte, stand für ihre Eltern fest: Ein Hund kommt nicht ins Haus. "Ich wollte keinen Hund, der dauernd bellt", begründet Hartmut Jaißle, der als Nahverkehrsberater unter anderem auch Fahrpläne und Liniennetze für die Stadt Kirchheim und den Landkreis Esslingen ausgearbeitet hat. Klar war auch, dass regelmäßiges Gassi gehen zum Problem werden würde. Mit der Idee, ein Schwein aufzunehmen, konnte sich dagegen die ganze Familie anfreunden.

"Schweine brauchen Rudelanschluss", weiß Hartmut Jaißle. Darum darf Cloey die Abende und Nächte auch im Haus bei ihrer Familie verbringen. Die Tage dagegen verbringt das Minischwein an der frischen Luft in einem umzäunten Auslauf neben dem Haus. Dort ist sie eine regelrechte Attraktion für Passanten. Einige Kinder kommen regelmäßig nach der Schule vorbei und stecken dem Schwein noch das übrig gebliebene Pausenbrot zu ein Leckerbissen für Cloey, die ohnehin nicht besonders wählerisch ist, was das Futter angeht.

"Bei Schweinen dreht sich alles ums Essen und Cloey hat immer Hunger", sagt Anna. Männchen, Sitzen oder bei Fuß gehen all das tut die Schweinedame nur gegen eine Belohnung. "Sie mag fast alles", sagt Susanne Jaißle. Abfälle und Pferdefutter gehören daher ebenso zum Speiseplan des Schweins wie Müsli und Gras. Der umfangreiche Speiseplan des Hängebauchschweins sorgt allerdings immer wieder auch für Wirbel: Bietet sich die Gelegenheit, schont Cloey das Gemüsebeet ihrer Familie nicht und "erntet" munter Salat, Karotten oder Erdbeeren. Einmal hat Cloey sich unterm Kirschbaum herumgetrieben und vergorenes Fallobst erwischt. "Daraufhin hatte sie einen ziemlichen Rausch", erinnert sich Helmut Jaißle, wie sich die Familie zunächst um das schwankende Schwein gesorgt hatte. Auch der Versuch, mit Cloey eine Hundeschule zu besuchen, ist an der Verfressenheit des Tiers gescheitert: "Das Gras und heruntergefallene Pflaumen waren für Cloey viel interessanter als der Unterricht", erinnert sich Hartmut Jaißle, dass das Schwein sich einfach nicht konzentrieren konnte.

Um an einen Leckerbissen zu gelangen, legt sich Cloey hin und wieder ganz schön ins Zeug: "Sie kann mit ihren geschickten Lippen auch Schubladen und Reißverschlüsse aufmachen", erzählt Susanne Jaißle. Cloeys Appetit, gepaart mit ihrem Dickschädel, führt ab und zu auch mal zu kleineren Reibereien: Bekommt Cloey nichts zu essen, rempelt sie ihre Besitzer an und zwickt sie in den Fuß ein Grund dafür, dass Annas jüngere Schwester dem Schwein mit einer gesunden Portion Respekt begegnet.

Trotz der rüden Betteleien ist Anna nach wie vor begeistert von ihrem Schwein: "Ich freue mich immer auf sie, wenn ich aus der Schule komme", sagt sie. Abends legt sich Cloey dann gerne auf die Füße ihrer jungen Besitzerein und lässt sich genüsslich ihre graue, mit Borsten bewachsene Haut kraulen. Wer angesichts eines Minischweins als Haustier die Nase rümpft, wird bei einem Selbstversuch eines Besseren belehrt. "Schweine stinken nicht", versichert auch Hartmut Jaißle. Ein weiterer Vorteil aus seiner Sicht: "Sie machen weniger Arbeit als ein Hund und sind kostengünstiger zu halten." So genügt Cloey in der Regel ihr Auslauf im Garten, einen Tierarzt hat das Schwein, das bis zu 15 Jahre werden kann, in seinen viereinhalb Lebensjahren noch nicht gebraucht. Stubenrein ist Cloey auch, ihr Geschäft verrichtet sie in einer "Klo-Ecke" im Garten oder im Auslauf. Besonders geeignet sind Minipigs außerdem für Menschen mit Tierhaarallergie: "Gegen Schweine ist eigentlich niemand allergisch", glaubt Susanne Jaißle.

INFOZwischen Menschen und ihren Haustieren besteht oftmals eine ganz besondere Beziehung. In der Serie "Mensch & Tier" stellt der Teckbote Leute aus der Region zusammen mit ihren tierischen Lieblingen vor und beleuchtet deren Verhältnis zueinander.