Lokales

Computer als Assistent des Operateurs

Seit Januar dieses Jahres wird im Klinikum Kirchheim-Nürtingen in der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie in Kirchheim unter Leitung von Dr. med. Heiner Köhle beim Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks der Computer zu Hilfe genommen. Damit entscheidet nicht mehr allein das Augenmaß eines erfahrenen Operateurs über den exakten Sitz der Prothesen.

KIRCHHEIM Mit Hilfe von Infrarotsendern, einer Stereokamera und elektronischer Datenverarbeitung kann der Arzt auf ein Grad genau den Verlauf der Achsen des Beinskeletts ausmessen und entsprechend optimal die Gelenkkomponenten einpassen. Seit 1999 ist die Technik am Markt, die in den letzen Jahren immer wieder verfeinert wurde. Viele Chirurgen, die dem Verfahren anfänglich skeptisch gegenüberstanden, verwenden heute die Navigation in der Prothesenchirurgie. "Der Computer kann natürlich niemals das handwerkliche Vermögen und die Kunstfertigkeit des Chirurgen ersetzen. Dieser erreicht aber durch die Assistenz des Computers ein nie gekanntes Maß an Präzision. Und diese Präzision kommt zuallererst dem Patienten zugute", erklärte Dr. Heiner Köhle.

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Die größte Schwierigkeit beim Ersetzen eines zerstörten Kniegelenks besteht darin, eine korrekte Achsenstellung zu erreichen, damit es nach der Operation zu keiner einseitigen Belastung des Implantats kommt und damit zu einer vorzeitigen Abnutzung oder einer frühzeitigen Lockerung. Mit dem Computer kann die Bandspannung der Innen- und Außenbänder am Knie optimal eingestellt werden. Bisher hat sich der Chirurg an einer gedachten Linie zwischen dem Hüftkopfzentrum und der Mitte des oberen Sprunggelenkes orientiert. Diese oft unsichere geometrische Hilfskonstruktion wird nun durch eine Online-Datenübertragung abgelöst. Mittels strahlenfreien Infrarotsendern im Operationsfeld, an den Operationsinstrumenten und weiteren Messpunkten am Patienten werden die wesentlichen Gelenkachsen während des gesamten Eingriffs berechnet. Auf dem Bildschirm kann der Chirurg genau die Abweichung von einer optimalen Ausrichtung ablesen und seine über Lehren geführten Schnitte vornehmen. Orthopilot nennt sich das Gerät, das im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts konzipiert und von der Technischen Universität Grenoble in Zusammenarbeit mit einer schwäbischen Firma in Tuttlingen entwickelt wurde. "Trotz des größeren technischen Aufwands dauert die Operation in der Regel nicht länger. Die Patienten können nach der Operation das Knie rascher bewegen und sie dürfen der zweite noch größere Vorteil davon ausgehen, dass die Prothese aus Metall und Kunststoff wesentlich länger hält. Der volkswirtschaftliche Vorteil liegt ebenso auf der Hand, da eine vorzeitige Wechseloperation wesentlich aufwändiger und teurer ist", so Dr. Köhle.

Der Fortschritt in der Navigation hat nicht an der Knieendoprothese halt gemacht. Inzwischen liegt die Software für die Implantation von Hüftendoprothesen sowie für die Begradigung von X- und O-Beinen vor. Nach den in den letzen Monaten durchgeführten Operationen in Kirchheim sehen Dr. med. Köhle und Oberärztin Dr. Ulrike Klement in dieser Methode eine wesentliche Verbesserung der Operationstechnik, die in den kommenden Jahren ausgebaut wird.

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