Lokales

„Da geht einem das Herz auf“

Pfarrerin Frida Rothe begrüßt – Gruol-Orgel wird 200 Jahre alt

Gleich zwei Gründe zum Feiern gab es in der Schopflocher Johanneskirche: Nicht nur, dass die Gemeinde mit Frida Rothe wieder eine Pfarrerin hat – auch das Jubiläum 200 Jahre Gruol-Orgel galt es zu würdigen.

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NICOLE MOHN

Lenningen. Seit Pfarrer Braun im vergangenen Jahr die Stelle gewechselt hat, war die Johannesgemeinde in Schopfloch ohne festen Pfarrer. Auch die Kirchengemeinde in Gutenberg war ohne Pfarrer, als Helmut Sobko in den Ruhstand verabschiedet worden war. Die glückliche Fügung brachte als Vertretung in der Vakatur Pfarrerin Frida Rothe auf die Alb. Die Esslingerin kam, sah – und blieb. „Bei dem Blick über das Tal und Schopfloch geht einem das Herz auf“, bekannte sie in ihrer Predigt. Nachdem nun die Formalitäten geregelt sind und auch beide Besetzungsgremien zugestimmt haben, übernimmt Frida Rothe nun die Betreuung beider Kirchengemeinden. Möglich macht dies eine sogenannte bewegliche Pfarrstelle.

Der Vertrag ist auf sechs Jahre befristet – mit Option auf Verlängerung, wie die Kirchheimer Dekanin Renate Kath betonte. „Das gibt Ihnen Zeit, zu überlegen, wie es weitergeht, Sie können miteinander Erfahrungen sammeln“, erklärte sie. Und die Regelung hat einen weiteren Vorteil: Zugleich bleiben die beiden Kirchengemeinden selbstständig.

Auch beim Kirchengemeinderat ist man glücklich darüber, dass nun mit Frida Rothe eine Pfarrerin im Ort sesshaft ist. „Keiner wird also nur so nebenbei mitbetreut“, zeigte sich die Vorsitzende Gundula Winkle erleichtert. Eingearbeitet hat sich die neue Pfarrerin ebenfalls schon, schließlich ist sie bereits seit vergangenem Herbst in beiden Gemeinden tätig.

Zum offiziellen Dienstantritt gab es nicht nur einen großen Präsentkorb, sondern von Ortsvorsteher Gunter Berger mit der Schopflocher Ortschronik auch gleich noch eine „Gebrauchsanweisung“ für den Ort und seine Eigenheiten.

Doch nicht nur die neue Pfarrerin galt es an diesem Tage zu begrüßen: In diesem Jahr jährt sich die Fertigstellung der Orgel: 200 Jahre ist es her, dass die Schopflocher das Instrument beim wohl bedeutendsten Orgelbauer Württembergs, Johann Viktor Gruol aus Bissingen, kauften. Das Blattgold besetzte Schmuckstück im Rokoko-Barock-Stil soll ursprünglich eigentlich für die Wiesensteiger Kirche gedacht gewesen sein. „Das würde auch erklären, warum sie für ihren Standort eigentlich zu groß ist“, erklärte Gundula Winkle.

Dies und vieles Wissenswerte mehr zur Orgel und ihrer Geschichte erzählt eine Ausstellung, die noch bis zum Monatsende jeweils sonn- und feiertags bis 18 Uhr in der Schopflocher Kirche zu sehen ist. Innerhalb von nur einer Woche haben Wolfgang Znaimer und Ernst Leuze viele interessante Fakten über das Gruolsche Instrument zusammengetragen und für die Schau aufbereitet. Hier können die Besucher zum Beispiel einiges über die umfassende Sanierung erfahren, die der ­Gruol-Spezialist William Jurgenson 2004 übernommen hatte, aber auch über die große Spendenbereitschaft der Gemeindemitglieder: „Rund ein Drittel der Sanierungskosten sind über ehrenamtliches Engagement zusammengetragen worden“, berichtete Gundula Winkle anlässlich der Ausstellungseröffnung.

Genießen durften die Gottesdienstbesucher das Meisterstück aus Gruolscher Werkstatt bereits während des Begrüßungsgottesdienstes für Pfarrerin Rothe. Am Manual hatte Bezirkskantor Ralf Sach Platz genommen. Mit Werken von Bach, Mendelssohn und Händel ließ er die Orgel zum Kantate-Sonntag passend in strahlenden Tönen erklingen und gab dem Instrument dabei Gelegenheit, seine außergewöhnliche Güte unter Beweis zu stellen. Zur Feier des Tages ließ Sach sogar den goldenen Zimbelstern erklingen, eine Besonderheit an der ­Gruol-Orgel von Schopfloch.