Lokales

„Da kann man gleich ausmisten“

In der Polizeidirektion Esslingen sind die Umzugskisten gepackt – Ein bisschen Wehmut ist dabei

Geht man dieser Tage durch die Flure der Esslinger Polizeidirektion, so wird die Aufbruchstimmung deutlich: Gepackte Umzugskartons stehen bereit, manche Büros sind bereits verlassen oder werden nach und nach ausgeräumt. Seit 1. Ja­nuar sind die Polizeidirektionen Esslingen, Reutlingen und Tübingen in einem Reutlinger Präsidium zusammengefasst. Esslinger Beamte erzählen, wie ihre ­berufliche Zukunft aussieht.

Nicht nur Aktenordner, auch all seine Sportpokale hat Polizeihauptkommissar Klaus Mann zusammengepackt. Er wechselt zur Bereitsc
Nicht nur Aktenordner, auch all seine Sportpokale hat Polizeihauptkommissar Klaus Mann zusammengepackt. Er wechselt zur Bereitschaftspolizeidirektion Göppingen. Foto: Katja Eisenhardt

Esslingen. „Die Möbel bleiben weitgehend hier, denn in die Räume ziehen die Kollegen der neuen Kriminalpolizeidirektion ein. Gepackt werden müssen nur die persönlichen Dinge, Unterlagen oder auch die Uniformen. Da kann man gleich mal ausmisten“, sagt Pressesprecher und Erster Polizeihauptkommissar Matthias Bellmer. Er selbst wechselte zum 1. Januar zum Polizeirevier Flughafen Stuttgart und war damit einer der Letzten, der ging. Erst vor zweieinhalb Jahren ist er von der Einsatzabteilung der Bereitschaftspolizeidirektion in Göppingen nach Esslingen gekommen. „Eigentlich wollte ich mich stellenmäßig erst 2016 wieder neu orientieren, wenn der Leiter der Polizeidirektion Esslingen in Pension geht.“ Jetzt käme der Wechsel eben früher als geplant. Er sei aber auch gespannt und freue sich auf die neue Aufgabe am Flughafen. Die Pressearbeit werde künftig zentral aus Reutlingen erledigt.

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Der Umzug habe für alle eine soziale und eine emotionale Komponente, erklärt Matthias Bellmer. Keiner sei gegen seinen Willen versetzt worden, auch sei bei den neuen Anfahrtswegen darauf geachtet worden, dass sie noch erträglich seien. „Man hat aber einfach lange mit den Kollegen im Team zusammengearbeitet, es sind Freundschaften entstanden. Das wird jetzt auseinandergerissen“, fügt er hinzu und zeigt ein kürzlich aufgenommenes Foto seines fünfköpfigen Teams: „Das ist jetzt ein Stück Erinnerung.“

Polizeihauptkommissar Klaus Mann war in Esslingen für den Bereich Aus- und Fortbildung sowie den Sport zuständig. In seinem Büro sind Aktenordner in die Kisten gewandert, eine andere Box ist voll mit Sportpokalen. Er zählt seit Januar zur Führungsgruppe der Bereitschaftspolizeidirektion in Göppingen. „Mein Aufgabengebiet ändert sich komplett, ich werde dort für das Fuhrparkmanagement zuständig sein.“ Für den Göppinger ist der Anfahrtsweg nun kurz, die Stadt und ein Teil der Kollegen seien bereits bekannt, das vereinfache den Wechsel. „Klar kommt etwas Wehmut auf, aber ich freue mich auch auf die neuen Aufgaben.“

Ein paar Büros weiter saß Kriminalhauptkommissar Paul Mejzlik. In Esslingen war er Mitglied des Führungs- und Einsatzstabs und für den Bereich Prävention zuständig, so wie künftig auch in Reutlingen. Auf einer Landkarte in seinem Büro hatte er sich mit Magneten schon mal die neue Fahrtstrecke markiert. Die verdopple sich jetzt, „ich werde aber nach wie vor an zwei Tagen in Esslingen arbeiten, denn für die Projekte im Bereich Prävention ist es wichtig, vor Ort zu sein.“ Während jeder Landkreis bislang eigene Schwerpunkte in der Präventionsarbeit setzte, solle das in Reutlingen gebündelt werden. Zudem werde es eine Vernetzung der Kriminal- und Verkehrsprävention geben: „Das macht Sinn.“

Auch im Büro des Chefs standen die Umzugskartons bereit. „Das ist momentan wirklich eine spannende Phase, der reguläre Dienst muss ja auch während des Umzugs stattfinden“, sagt Hans-Dieter Wagner. In seinem Büro werde sich das Mobiliar ändern. „Hier sitzen künftig mehrere Kollegen der neuen Kriminalpolizeidirektion“, erklärt der künftige Polizeipräsident.

Wolfgang Schwarz, Polizeiführer vom Dienst (PvD), wechselte nach der Schließung des Führungs- und Lagezentrums ebenfalls nach Reutlingen. Dort ist er mit den Kollegen für die Koordinierung der Notrufe aus drei Landkreisen zuständig: „Das bedeutet deutlich mehr Arbeit.“ Pro Schicht arbeiten dann elf Kollegen zusammen.

Vier von fünf Esslinger PvDs gehen nach Reutlingen, ein Kollege wechselt zur Kriminalpolizeidirektion. „Mir wäre es lieber gewesen, das Präsidium wäre hier entstanden, eine Zusammenlegung mit Göppingen hätte auch gereicht“, findet Wolfgang Schwarz. Er kenne sich in der Stadt und dem Kreis aus, was bei der Koordinierung von Notrufen wichtig sei. „Entsprechend ist schon etwas Wehmut mit dem Wechsel verbunden, andererseits reizt mich die neue Aufgabe aber auch.“