Lokales

"Dafür hab ich gern meine erste Ferienwoche geopfert"

HOCHDORF 20 Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren aus Bayern und Baden-Württemberg nahmen im August am Technik-Abenteuer-Camp, kurz TAC, der Siemens AG in

Anzeige

LENA KAZMAIER

Stuttgart teil. Interessante Technik, abenteuerlicher Sport und Teamarbeit standen auf dem abwechslungsreichen Programm. Die nun 19-jährige Anna Kudlacek aus Hochdorf hat an diesem Projekt teilgenommen.

Anna kommt nun in die 13. Klasse des Plochinger Gymnasiums und hat über ihre Tutorin in der Schule über dieses Angebot von Siemens erfahren. "Es hat mich gleich interessiert. Außerdem will ich nach dem Abitur Maschinenbau an der Universität studieren", erzählt die 19-Jährige. 80 Mädchen hatten sich für das Camp in Stuttgart beworben, Anna hatte Glück und wurde per Los gezogen.

In der Siemens-Niederlassung in Stuttgart-Weilimdorf wurden die 20 an Technik interessierten Mädchen vom TAC-Team begrüßt. Gleich am Nachmittag fand der erste Programmpunkt statt: Der Bau und die Inbetriebnahme einer Lichtschranke. Etwas, das die meisten der Mädchen noch nie zuvor gemacht hatten. Aber mit Hilfe der Workshopleiter gelang es jeder Teilnehmerin, die Einzelteile in einer bestimmten Reihenfolge auf eine Platine zu löten. "Es hat total viel Spaß gemacht und es war etwas ganz anderes. Sowas mache ich privat eigentlich nicht. Wir haben uns so gefreut, als es funktioniert hat", gesteht Anna nicht ohne Stolz. Gegen Nachmittag wurden die "Camperinnen" zu ihrer Unterkunft, der Karl-Kloß-Jugendbildungsstätte, nach Feuerbach gefahren. Durch das gemeinsame Abendprogramm lernten sich die Mädchen schnell besser kennen. "Die Stimmung in der Gruppe war super. Kein Streit oder ,Zicken-Terror'. Am Ende der Woche waren wir alle miteinander befreundet und haben unsere E-Mail-Adressen untereinander ausgetauscht", erzählt Anna Kudlacek.

Am darauffolgenden Tag ging's in den Aktivpark Bergheide, in der Nähe des Stuttgarter Pragsattels. Ein Erlebnispädagoge und seine Crew bereitete die Gruppe durch Geschicklichkeits- und Gleichgewichtsübungen, die auch das Teamgefühl stärken, auf den Niedrig- und Hochseilparcours vor. Das Balancieren auf einem Seil weit oben in der Luft und das Besteigen und Abseilen von einem etwa sechs Meter hohen Turm stellten für viele der Teilnehmerinnen eine ganz besondere Grenzerfahrung dar. "Ich habe schreckliche Höhenangst und kam wirklich an meine Grenzen, körperlich wie psychisch", gesteht Anna. " Aber wenn man es dann geschafft hat, fühlt man sich super! Der Gruppenzusammenhalt war toll. Wir haben uns gegenseitig motiviert." Natürlich wurde niemand zu etwas gezwungen und

keiner wurde "schräg" angeschaut, wenn er sich nicht traute. Die Mädchen waren beim Klettern natürlich ausreichend gesichert.

Nach diesem Nervenkitzel folgten am nächsten Tag weniger anstrengende, aber genauso interessante Programmpunkte: Die Schülerinnen wurden am Morgen über die verschiedenen technischen Ausbildungsberufe bei Siemens informiert. Außerdem erzählten weibliche Führungskräfte, Mitarbeiterinnen und Auszubildende technischer Berufe ihren Werdegang und es wurde ausführlich über die Vor- und Nachteile eines Studiums an der Berufsakademie, Fachhochschule oder Universität diskutiert. Denn gerade dies ist eine Frage, die die Teilnehmerinnen des Technik-Abenteuer-Camps besonders interessiert, müssen sie sich doch in den nächsten Jahren entscheiden, was für einen beruflichen Weg sie nach der Schule einschlagen wollen. "Das Gespräch mit den Frauen hat mich motiviert, meinen Studienwunsch weiterhin zu verfolgen", berichtet Anna.

Am gleichen Tag begannen die Mädchen noch damit, eine "Internet-Impressions-Seite", die über das TAC berichten soll, zu gestalten. Von der Workshopleiterin wurden die Teilnehmerinnen "kurz in die Geheimnisse der Webgestaltung eingewiesen". Jeweils zu zweit verfassten sie über das im Camp Erlebte Artikel, die nun auf der Internetseite zu sehen sind.

Eines der Highlights war für Anna die Führung am Stuttgarter Flughafen. "Die Gepäckabfertigung war beeindruckend. Hochtechnisch und sehr schnell werden die Taschen und Koffer auf riesigen Fließbändern transportiert", berichtet Anna und man merkt, dass es sie wirklich fasziniert hat. Gerade als sie auf dem Weg zur Feuerwache waren und aus dem Bus ausstiegen, landete ein Flugzeug neben ihnen. "Die wohl einzige Möglichkeit vom Rollfeld aus ein Flugzeug starten und landen zu sehen", verriet der Führer.

Am Donnerstag verbrachten die Mädchen einen Tag auf der Schwäbischen Alb. An einem Felsen vor der Burg Reußenstein konnten sich die Camperinnen in atemberaubende Tiefen abseilen lassen. "Das war eine wahnsinnige Überwindung. Erst wollten es viele von uns nicht machen. Aber letztendlich haben sich doch alle getraut", erinnert sich Anna. Und bereut haben sie es nicht, denn das Selbstbewusstsein und die Teamfähigkeit werden so gestärkt. "Anfangs hat uns noch der Leiter und eine Camp-Teilnehmerin gesichert, am Schluss konnten wir das alleine." Die Mädchen waren überrascht, wie leicht es war, das Gewicht der Partnerin oder sich selbst zu halten, was, wie ihnen erklärt wurde, durch die Reibung in den Knoten möglich ist. Auf einem Seil die Schlucht zur Ruine Reußenstein, 30 Meter über dem Boden, zu überwinden, war Anna dann "doch zu hoch". Auch über die Landschaftsgeschichte und die Ökologie wurden sie von den Teamleitern aufgeklärt.

Die Motivation der Mädchen, an diesem Camp teilzunehmen, war unterschiedlich: Viele sind in der Schule in den Naturwissenschaften gut. Durch ihre Teilnahme am TAC wollten sie herausfinden, was sie später im Beruf mit einer technischen Ausbildung beziehungsweise einem technisch-orientierten Studium anfangen können. Manche Teilnehmerinnen konnten sich vor dem Camp nicht vorstellen, später einmal in einem technischen Beruf zu arbeiten. Teilweise haben sie ihre Meinungen geändert.

"Auch wenn's vielleicht manche meiner Mitschülerinnen anfangs nicht verstehen konnten dafür habe ich wirklich gerne meine erste Ferienwoche geopfert. Ich kann es jedem, der die Möglichkeit dazu bekommt, nur empfehlen", sagt die 19-Jährige abschließend zu ihren Erfahrungen, die sie im TAC gemacht hat. Und mit einem Zertifikat, das ihre Teilnahme bestätigt, kann sie vielleicht auch noch bei ihrem zukünftigen Chef punkten.

INFOWer mehr über das Camp erfahren möchte, hat dazu die Möglichkeit im Internet unter der Adresse www.siemens.de/TAC