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"Dafür habe ich lange gekämpft"

Als Erfolg in einer konservativ geprägten Kirche wertete die Synodale Cornelia Brox die Kandidatur der Tübinger Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer zur Bischöfin der württembergischen evangelischen Kirche. Mit ihr hatte zum ersten Mal eine Frau kandidiert.

KIRCHHEIM / NÜRTINGEN Damit sei auch endgültig das Scheinargument der Frauengegner in der Kirche vom Tisch, es gäbe keine geeigneten Frauen für das Bischofsamt, macht Corneliua Brox deutlich. "Ich habe Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet. Es hat sich gelohnt, das Kämpfen hat Erfolg gehabt."

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In ihrem Bericht von der Synode freute sie sich darüber, dass es gelungen sei, aus dem sonst fast betonierten Block aus Evangelium und Kirche und Lebendiger Gemeinde drei Stimmen im ersten und einzigen Wahlgang herauszubrechen. Dass Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer in den vier Prälaturstädten Stuttgart, Ulm, Heilbronn und Reutlingen gepredigt habe und sich damit im Gegensatz zu dem jetzt gewählten Bischof July öffentlich zeige, habe große und freundliche Beachtung gefunden.

"Es ist ganz klar, dass durch die erste Frauenkandidatur diese Bischofswahl ein größeres Medieninteresse gefunden hat. Das hat auch unserer Kirche gut getan", betonte Cornelia Brox. Die Kandidatin habe sich profiliert vorgestellt und Perspektiven für eine Kirche mit Zukunft aufgezeigt. Sie habe aber wohl die konservative Mehrheit der Synode als gescheite Theologin mit Leitungsanspruch überfordert.

"Nachgedunkelt"Der Synodale Hartmut Fleischmann aus Gerstetten, der zusammen mit Cornelia Brox berichtete, meinte, nachdem Frank July, der früher Mitglied der Offenen Kirche gewesen sei, von sich öffentlich gesagt habe, er sei inzwischen "nachgedunkelt": "Mir ist er etwas zu sehr nachgedunkelt. Er wird zeigen müssen, wo und wie er für die Anliegen der Offenen Kirche offen ist."

Seinem Ärger über das Wahlverhalten des konservativen Blocks in der Synode ließ der Altsynodale Helmut Köble aus Lenningen freien Lauf. Es sei wohl so, dass die Offene Kirche "für die Drecksarbeit" in der Synode, was den Vorsitz im Finanzausschuss und im Sonderausschuss für Strukturreformen angeht, zuständig sei und für die Zukunftsfähigkeit der Kirche sorge. Die Bischofsbesetzung hätten wohl die anderen gepachtet.

Neben der Bischofswahl hatte sich die Synode mit einem Papier befasst, das als Zielvorstellung von Bischof Dr. Maier ein theologischer Grundkonsens hätte werden sollen, eine Handreichung, die für das Gespräch mit suchenden Menschen helfen sollte. Die Mehrheit der Synode mochte über dieses Papier nicht abstimmen, sondern gab es nach einer Debatte an den Bischof. Er solle damit verfahren, wie er es für gut halte. Für die Synodalen der Offenen Kirche sei das zehnseitige Papier unbrauchbar gewesen.

"Wer mit suchenden und zweifelnden Menschen ein Gespräch über den Glauben führen will, wäre mit diesem Papier schlecht gerüstet", sagte Hartmut Fleischmann. Mit langen Bibelzitaten und unverrückbaren Wahrheiten in einer binnenkirchlich geprägten Sprache sei Suchenden nicht geholfen.

pm