Lokales

Damit Schüler ihre Stärken kennenlernen

Kirchheimer Förder- und Hauptschüler stellen die Ergebnisse ihrer Arbeit im Rahmen der Kompetenzwerkstatt des KJR vor

Förder- und Hauptschülern zu helfen, ihre eigenen Stärken zu entdecken und freizusetzen, ist Ziel der Kompetenzwerkstatt, die der Kreisjugendring Esslingen (KJR) vor zwei Jahren initiiert hat. Die landkreisweite Initiative ist ein wichtiger Schritt zur beruflichen Orientierung Jugendlicher. Jetzt präsentierten rund 230 Schüler im Mehrgenerationenhaus „Linde“ die Ergebnisse ihrer fünfmonatigen Werkstatt-Arbeit.

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daniela haussmann

Kirchheim. Woche für Woche haben sich die 230 Siebtklässler aus dem Kreis mithilfe eines Sozialpädagogen intensiv mit ihren Bedürfnissen, Interessen, Stärken und Zielen beschäftigt. So wurden Kompetenzen wie Eigenverantwortung, Selbstständigkeit, Kreativität, Teamfähigkeit, Flexibilität, Kommunikations- und Ausdrucksvermögen sowie Stärken- und Selbstbewusstsein entwickelt.

Das ist aus Sicht von Kati Schwenck insbesondere an Förder- und Hauptschulen wichtig. „Wegen ihres jungen Alters fällt gerade ihnen die Entscheidung für einen Beruf besonders schwer“, so die Leiterin der Berufsberatung der Arbeitsagentur. Eine vertiefte Berufsorientierung, wie sie in der Kompetenzwerkstatt geschieht, hält sie daher für hilfreich. „Speziell in der Hauptschule ist es wichtig, früh mit der Berufsorientierung anzufangen“, sagt die Expertin: Vielen bleibe in Klasse acht gerade ein Jahr Zeit, einen Beruf fürs Leben auszuwählen. Dank der Kompetenzwerkstatt falle es den Schülern leichter, Bewerbungen zu schreiben und souverän aufzutreten.

Davon ist auch René überzeugt. Der 13-Jährige besucht die Grund- und Hauptschule (GHS) Jesingen. „Jetzt kenne ich meine Stärken und weiß, was ich kann“, erzählt der Schüler. „Ich kann zum Beispiel Streits gut schlichten und mache gerne Sport.“ Eigenschaften, die auch in seinen Wunschberufen Polizist und Feuerwehrmann gefragt sind. René findet auch, dass er durch die Werkstatt in der Schule motivierter ist. „Ich weiß jetzt, dass man, um Polizist zu werden, ein gutes Abschlusszeugnis und den Realschulabschluss braucht.“ Und auch Sahra – die ebenfalls die GHS Jesingen besucht – ist sich sicher, bei einem Vorstellungsgespräch jetzt besser überzeugen zu können, weil sie ihre Fähigkeiten und Interessen besser kennt und gelernt hat, über sie zu sprechen.

Was im Berufsleben wichtig ist, weiß jetzt auch Max. Der Hauptschüler, der in Frickenhausen im „Jugendhaus auf dem Berg“ die Kompetenzwerkstatt besucht hat, weiß jetzt, dass das Lernen auch nach der Schule kein Ende nimmt. „Am Arbeitsplatz verändert sich vieles“, sagt er. „Die Bereitschaft Neues zu lernen ist deshalb wichtig.“ Oguzhan, der ebenfalls die GHS Frickenhausen besucht, wollte bislang immer Sportler werden. Jetzt kann er sich vorstellen, in der achten Klasse ein Praktikum als technischer Zeichner oder Zahntechniker zu machen. Damit hat auch ihm die Werkstatt bei der Orientierung geholfen.

Zusammen mit ihren Schulkameraden aus der Kompetenzwerkstatt hatten Max und Oguzhan jeweils ein Projekt organisiert. Auf Ausstellungswänden präsentierten sie in Bildern mit Texten, was sie geleistet hatten. In Frickenhausen arbeitete eine Gruppe einen ganzen Tag im Tierheim. Eine zweite Gruppe ging in ein Kaufhaus und spendete das verdiente Geld einem guten Zwecke.

Die stellvertretende Geschäftsführerin des Kreisjugendrings Esslingen, Elisabeth Yupanqui Werner, will den Schülern die Angst nehmen: „Die Jugendlichen sollen sehen, dass Zukunft nichts ist, was frustrierend ist“, stellt sie fest. Viele Förder- und Hauptschüler gingen resigniert auf Stellensuche. Dem möchte die Kompetenzwerkstatt mit ihrem pädagogischen Konzept entgegenwirken und Jugendliche unterstützen, positiv in die Zukunft zu blicken.

Was im Kreis mit der Kompetenzwerkstatt auf die Beine gestellt wurde, hat sich nicht nur in anderen Bundesländern herumgesprochen. Im vergangenen Jahr nahmen auch Raymonde Bauer und Martine Lentz vom Service National de la Jeunesse in Luxemburg Kontakt mit dem Kreisjugendring auf, um Erfahrungen auszutauschen. Am Mittwoch wohnten sie der Abschlussfeier bei. Sie konnten sich davon überzeugen, wie René, Sahra, Max, Oguzhan und andere stolz ihr Zertifikat, das die Teilnahme bescheinigt, entgegennahmen.