Lokales

Damit Sprachlosigkeit nicht in Ausgliederung mündet



BARBARA IBSCH

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KIRCHHEIM Vor fast drei Jahrzehnten wurde damit begonnen und die Hilfestellung hat noch immer nichts von ihrer Dringlichkeit verloren. Sprachhelferinnen leisten wertvolle Integrationsarbeit in mittlerweile 21 Kirchheimer Kindergärten. Sie tun dies ehrenamtlich und generationsübergreifend, passen also oh-



O:3006F401.EP_ne Zweifel in das Bild der "Starken Helfer", mit denen der Ehrenamtspreis überschrieben ist. Er wurde in diesem Jahr unter dem Motto "Jung und Alt" von der Stiftung Kreissparkasse und dem Verlag des Teckboten ausgelobt. Zehn Projekte befinden sich derzeit in der Endausscheidung, bei der es um ein Preisgeld von insgesamt 4 000 Euro geht: Mit 3 100 Euro ist der erste Preis dotiert und jeweils 100 Euro Anerkennungsprämie gibt es für die neun weiteren Projekte, die es bis in die letzte Runde geschafft haben.



Der Teckbote hat damit begonnen, in loser Folge die Anwärter auf den Ehrenamtspreis 2004 vorzustellen. Heute ist die Sprachhilfe in den Kirchheimer Kindergärten an der Reihe.



Sie sind wirklich "Starke Helfer", die über zwanzig Frauen im Alter zwischen dreißig und vierzig Jahren, die zweimal in der Woche geschult und ehrenamtlich Sprachgruppen in vielen Kindergärten der Stadt betreuen. Ihr besonderes Augenmerk gilt Kindern, die sich auf Grund von Verständigungsschwierigkeiten schwer dabei tun, an der Kindergartengemeinschaft teilzunehmen. "Migrationshintergrund" heißt die Kurzformel dafür im amtlichen Sprachgebrauch.



Sprachlosigkeit bedeutet Ausgliederung. Kinder mit mangelhaften oder überhaupt nicht vorhandenen Deutschkenntnissen werden sehr schnell ausgeschlossen, wenn es um das Knüpfen von Kontakten und die Pflege von Beziehungen geht. Wer sich am Kindergartenalltag nicht beteiligen kann, gerät rasch ins Hintertreffen, bleibt außen vor, wird ausgeschlossen. An der Kindergartengemeinschaft teilnehmen kann nur, wer dieselbe Sprache spricht.



Damit Sprachlosigkeit nicht in Ausgliederung mündet, versuchen die Frauen der Sprachhilfe den Kindern auf spielerische Weise beim Deutschlernen zu helfen. Dabei geht es nicht nur um die deutsche Sprache, sondern auch um eine vorbildhafte Beziehung zwischen den Generationen, die prägend für die Kinder ist. Die Drei- bis Sechsjährigen erleben Hilfestellung dabei, sich besser ausdrücken zu können und damit verständlich zu machen. Sie spüren aber auch die Zuneigung, die ihnen entgegen gebracht wird. Sie dürfen sich angenommen fühlen vor ihrem individuellen Erlebnishintergrund.



Wenn Migrantenkindern dabei geholfen wird, sich in der deutschen Sprache richtig ausdrücken zu können, dann ist das mit Gold nicht aufzuwiegende Integrationsarbeit. Den Mädchen und Jungen bieten sich damit zweifellos bessere Startchancen, ist doch die Sprachhilfe der Generalschlüssel dafür, am gemeinsamen Leben teilhaben zu können. Das hat nach nahezu drei Jahrzehnten noch immer Bestand, weil auch Kinder der dritten Ausländergeneration mit Defiziten in der Verständigung zu kämpfen haben. Ausländer-, Asylanten- und Aussiedlerkinder brauchen noch immer Hilfestellung, um nicht in die Isolation zu geraten.



Stets waren es engagierte Frauen, die sich für die Kinder eingesetzt haben, und daran hat sich auch heute nichts geändert. Die Ehrenamtlichen um Roswitha Humburg empfinden ihren Einsatz als ein gegenseitiges Geben und Nehmen, freuen sich über die Begeisterung, mit der das spielerische, am Kindergartenalltag orientierte Sprachprogramm von den Kleinen angenommen wird, die stolz die gelernte deutsche Sprache in ihre Muttersprache übersetzen.



"Sprache macht Menschen" lautet der Ansatz des Denkendorfer Modells, auf dem unter anderen Hilfestellungen auch die sprachliche Förderung im Kindergarten beruht. Daran hat sich bis in heutige Zeit nichts geändert und dafür sorgen auch weiterhin starke Helferinnen. Damit sich unterschiedliche Kulturkreise auch verstehen können.

Das Miteinander im Kindergarten hängt auch davon ab, wie weit Sprachbarrieren abgebaut sind.

Foto: Jean-Luc Jacques