Lokales

Damit Start ins Kinderleben gelingt

Der tragische Tod des kleinen Kevin hat nicht nur Familienministerin von der Leyen alarmiert. Auch die Länder und Landkreise, wie etwa der Kreis Esslingen, wollen benachteiligten jungen Familien bei der Kindererziehung helfend unter die Arme greifen.

RICHARD UMSTADT

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ESSLINGEN "Uns ist es wichtig, bei Problemen frühzeitig ansetzen zu können", sagte Landrat Heinz Eininger in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses. "Die Gesellschaft muss reagieren". Dabei kommt einem Netzwerk, das im Landkreis Esslingen aufgebaut werden soll, eine besondere Rolle zu. Dafür zuständig sind vier Teams, bestehend aus Fachkräften des ausgelaufenen Mutter-Kind-Programms, der Psychologischen Beratungsstelle und der Familienhilfe sowie des Gesundheitsamtes. Familien-Bildungsstätten, das Freie Kinderhaus in Nürtingen, Kinderärzte, Säuglingsstationen und andere Gruppen arbeiten ebenfalls mit. Besonders im Auge behalten will das Netzwerk sogenannte "Risikofamilien".

Am "Mutter-Kind-Programm", das vom Land nicht mehr weitergeführt wird, nahmen mehr als 400 Frauen im Landkreis Esslingen teil. Wie der Leiter des Sozialen Dienstes, Edmund Feth sagte, sind viele Frauen darunter, die weiterhin einer Unterstützung bedürfen. Deshalb beginnt nach dem Ende des "Mukipros" das "Projufa", die "proaktive Beratung für junge Familien". Dafür erhält der Landkreis Esslingen vom Kommunalverband für Jugend und Soziales 40 000 Euro für die Jahre 2007 und 2008.

Nach Kevins Tod rief das Bundesfamilienministerium das Modellprojekt "Frühe Hilfen/Frühwarnsysteme" ins Leben. In Baden-Württemberg soll das Frühwarnsystem an zwei Standorten getestet werden. Der Landkreis Esslingen hat sich für dieses Modellprojekt, das im Land den Titel "Guter Start ins Kinderleben" trägt, beworben. Wie Sozialdienstleiter Edmund Feth sagte, war eine solche "frühe Beratung und Hilfe" ohnehin im Landkreis geplant, nachdem klar war, dass das "Mukipro" ausläuft. "Wir hatten bereits damals diese Zielgruppe als wesentlich erkannt". Damit meinte er nicht nur Alleinerziehende in schwierigen materiellen und psychischen Situationen, sondern Eltern, die aufgrund von Arbeitslosigkeit, Armut, Trennung und Überforderung nicht mit der Kindererziehung klarkommen und von sich aus Beratung und Hilfe anfordern. Das Modellprojekt "Guter Start ins Kinderleben" bezieht sich vor allem auf junge Mütter und junge Familien, bei denen beziehungsweise in denen psychische Erkrankungen eine Rolle spielen.