Lokales

Dank Bürger-Engagement nun doch Ganztagesschule

Das Interesse der Lenninger Bürgerinnen und Bürger an der zweiten Gemeinderatsentscheidung über die Einführung einer Ganztagesschule im Bildungszentrum Lenningen war unübersehbar: Selbst im Foyer und Treppenhaus des Feuerwehrgerätehauses verfolgten Eltern, Schüler und Lehrer die Debatte.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Am Ende der jüngsten Sitzung des Lenninger Gemeinderates gab es Sekt ausgeschenkt von engagierten und glücklichen Bürgerinnen und Bürgern der teilortreichen Gemeinde. Innerhalb von nur zwölf Tagen hatten sie 2362 Unterschriften davon 399 von Schülern zu Gunsten der Ganztagesschule gesammelt. Gleich zu Beginn der Sitzung überreichte Elternbeirätin Eleonore Samson-Jurczik Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht die Unterschriftenlisten. Diesem schnellen und mit viel Herzblut betriebenen Engagement vor allem von Seiten der Eltern aus zollte schließlich die Mehrheit des Gremiums Respekt und revidierte ihre am 13. September getroffene Entscheidung. Bei nur einer Gegenstimme drei Gemeinderäte, die vor 14 Tagen gegen die Einrichtung votiert hatten, fehlten stimmte der Gemeinderat der Einführung der Ganztagesschule nun im zweiten Anlauf zu.

Eine kontrovers geführte Debatte gab es nicht am Dienstagabend, dafür aber über eine Stunde lang nochmals ausführliche Informationen über das Projekt. "Das ist gut angelegtes Geld", warb Bürgermeister Schlecht zum wiederholten Mal. Bei über 10 Millionen Euro Rücklagen könne dieses zukunftsweisende Projekt geschultert werden, zumal es einen Zuschuss von knapp 1,2 Millionen Euro gibt. Somit muss Lenningen knapp 950 000 Euro in die Ganztagesschule investieren.

Karl-Albrecht Einselen vom zuständigen Architektenbüro stellte nochmals die Planung des Gebäudes vor. Zu Wort kam ein weiteres Mal auch Klaus Erlenmaier, Rektor der Realschule. Er präsentierte das pädagogische Konzept der Ganztagesschule am Lenninger Schulzentrum, zu dem auch Haupt- und Förderschule gehören. Diesen Entwurf hatten die zuständigen Schulämter positiv bewertet, weshalb Lenningen auch in den Genuss der IZBB-Fördergelder gekommen ist. "Nach der Entscheidung in der vergangenen Gemeinderatssitzung bin ich mir vorgekommen wie ein Marathonläufer, der das Stadion schon fest anvisiert und vor dem dann das Gitter heruntergelassen wird", beschrieb Klaus Erlenmaier seine Enttäuschung. Umso erfreuter war er, dass das Projekt nochmals eine Chance bekommen hat, denn zwischenzeitlich hätten viele konstruktive Gespräche mit den Gemeinderäten stattgefunden.

Anhand einiger exemplarischer Stundenpläne zeigte er die Situation an der Schule auf. "Das ist jetzt schon eine schleichende Einführung der Ganztagesschule", beschrieb Klaus Erlenmaier. Trotz voller Stundenzahl am Vormittag müssen die Schüler auch an zwei Nachmittagen die Schulbank drücken, ohne dass dabei Arbeitsgemeinschaften berücksichtigt sind. "Eine Ganztagesschule bietet viele Möglichkeiten", warb der Rektor erneut für das für Lenningen zugeschnittene Modell. Einzelgespräche mit Schülern seien dann viel eher möglich, vor allem aber könne die Einrichtung eine Anleitung zu sinnvoller Freizeitgestaltung bieten, "damit die Kinder nicht ganz an den PC verloren gehen, an dem sie jetzt schon bis zu sieben Stunden täglich sitzen".

Als die Mehrheitsentscheidung zu Gunsten der Ganztagesschule gefallen war, gab es Beifall und Jubelrufe von Seiten der Zuhörer. Die Reihen lichteten sich jedoch nicht wesentlich, denn als nächster Punkt stand die Erweiterung des Grundschulgebäudes in Oberlenningen auf der Tagesordnung. Auch in diesem Fall stellte Architekt Einselen die Planung vor. An das alte Gebäude kommt, verbunden durch einen abgesetzten Zwischenbau, ein modern gestaltetes Schulhaus. Da alle Gemeinderäte dem jahrzehntealten Provisorium so schnell als möglich ein Ende setzen wollen, stimmte das Gremium einstimmig der modifizierten Planung zur erneuten Förderantragstellung zu. Für den Erweiterungsbau entstehen nach vorläufigen Schätzungen Kosten in Höhe von knapp 1,2 Millionen Euro. Kommt Lenningen in den Genuss des Schulbauförderprogramms, erhält die Gemeinde rund 280 000 Euro Zuschuss.