Lokales

Darius S. wehrt sich

Jetzt hat sich der mutmaßliche Haupttäter im Weilheimer Schrebergarten-Mordprozess zu dem Vorwurf des "gemeinschaftlichen Mordes" geäußert. Der 28-jährige Pole Darius S. gibt zu, am 29. Oktober letzten Jahres den 62-jährigen Mann auf dessen Gartengrundstück erstochen zu haben, bezeichnet aber seine beiden Mitangeklagten plötzlich als Mittäter.

BERND S. WINCKLER

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WEILHEIM Bisher hatte der 28-Jährige vor der 4. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts zu dem Mordvorwurf geschwiegen. Seine mitbeschuldigte 18-jährige Freundin und der mitangeklagte Landsmann Mariusz K. bezeichneten in ihren Aussagen Darius S. als den einzigen Mann, der den Rentner tötete. Die 18-Jährige hatte bisher ausgesagt, sie sei nicht einmal auf dem Gartengrundstück gewesen, sondern habe sich außerhalb aufgehalten, als am Nachmittag des 29. Oktober letzten Jahres die Bluttat geschah. Ihr Verteidiger Thomas Mende wollte gestern bereits den Antrag stellen, die junge Polin aus der Haft zu entlassen, da sie keinerlei Mitschuld am Tod des Rentners trage. Daraus ist jetzt vorläufig nichts geworden, nachdem der Hauptangeklagte seine beiden Mitbeschuldigten als Mittäter bezeichnete.

Nach seiner jetzigen Darstellung habe er allerdings selbst dem Rentner einen ersten Messerstich in den Hals versetzt. Das Opfer habe gerade den Rasen auf seinem Grundstück gemäht. Zuvor habe er mit den beiden anderen Angeklagten den Beschluss gefasst, den 62-Jährigen zu töten, um an dessen Auto zu kommen. Der Opel-Zafira stand fahrbereit am Eingang des Gartens. Das Opfer selbst soll dann auf Anrede gesagt haben, er sei müde und man könne ihn ruhig umbringen er würde alles tun, was man verlange. Der Stich in den Hals sei die gemeinsame Idee gewesen, weil ein Halsstich ein Opfer schnell bewusstlos mache. Gemeinsam habe man dann den Getöteten in einen Busch gezerrt und dort liegen gelassen. Danach fuhr man mit dem Auto des Opfers nach München, schlug sich dort durch Betteln und Diebstähle durch, ehe man per Bahn als Schwarzfahrer in Dänemark ankam.

Der Hauptangeklagte betonte in seiner gestrigen Aussage, dass sein Landsmann und die 18-Jährige an der Tötung beteiligt waren. Diese jedoch bestreiten dies energisch vor Gericht. Die 18-Jährige sagte zu ihrem Verteidiger, der Mann würde nur noch lügen. Sie sei gar nicht auf dem Gartengrundstück gewesen, habe nur kurz gesehen, wie zwei Männer dort eine Art Auseinandersetzung hatten, mehr nicht.

Der 28-jährige Pole wollte gestern auch noch die näheren Umstände des Mordes in Kopenhagen schildern. Doch sein Verteidiger lehnte dies ab, er wolle erst noch einmal mit seinem Mandanten darüber reden. In Kopenhagen soll der Pole einen dunkelhäutigen Jugendlichen umgebracht haben. Erst daraufhin wurden alle drei festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Der Prozess gegen den 28-Jährigen wegen heimtückischen Mordes soll am 2. Januar nächsten Jahres beginnen. In früheren Aussagen vor der Polizei hatte der 28-Jährige angegeben, nicht er sei der Täter von Weilheim, sondern sein 35-jähriger Landsmann habe den Mann getötet. Die Richter werden nun entscheiden müssen, welche Aussage richtig ist. Die 4. Strafkammer hat noch Verhandlungstermine bis Anfang Dezember eingeplant. Der Prozess wird am Freitag dieser Woche und dann am 17. November mit Zeugen- und Sachverständigen-Vernehmungen fortgesetzt.