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Das Badesalz kann warten

Neujahrsempfang der SPD: Das komplexe Thema Bildung hat Kultusminister Stoch noch nicht ermüdet

Kultusminister Andreas Stoch sprach im Alten Evangelischen Gemeindehaus vor einem interessierten Publikum.Foto: Deniz Calagan
Kultusminister Andreas Stoch sprach im Alten Evangelischen Gemeindehaus vor einem interessierten Publikum.Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Die obligatorische Flasche Wein als Gastgeschenk ist für den selbst ernannten „Abstinenzler“ Andreas Stoch denkbar ungeeignet.

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Heike Allmendinger

Deshalb hat sich die Kirchheimer SPD, die den Kultusminister Baden-Württembergs zu ihrem Neujahrsempfang ins Alte Evangelische Gemeindehaus eingeladen hat, für Pralinen zum Genießen und Badesalz im Falle der Erschöpfung entschieden.

Erschöpft sieht der Minister an diesem Sonntag allerdings nicht aus. Weder die zahlreichen Einladungen zu Neujahrsempfängen der Sozialdemokraten im ganzen Land noch das komplexe Thema Bildung hat ihn ermüdet. Eine Stunde lang spricht er, scheinbar ohne Punkt und Komma, über den demografischen Wandel und die damit einhergehenden zurückgehenden Schülerzahlen, den Fachkräftemangel, die vorschulische Bildung im Betreuungsbereich, die berufliche und akademische Ausbildung, die Inklusion, die geringe Jugendarbeitslosigkeit in Baden-Württemberg, den Mindestlohn, das Abschaffen der Studiengebühren und, und, und. Natürlich kommen auch der Wechsel vom drei- auf das zweigliedrige Schulsystem und das Thema Ganztagesschule zur Sprache. Stoch betont aber auch, dass der SPD „mehr Spaß und weniger Verzagtheit ganz gut tun würde“.

Spaß scheint der Minister noch immer an seiner Tätigkeit zu haben – und das, obwohl er im vergangenen Jahr wegen des Vorhabens der grün-roten Landesregierung, sexuelle Vielfalt fächerübergreifend im Unterricht zu verankern, sogar Morddrohungen erhielt. Und auch, obwohl die SPD sich im Landtag mit einer nervenden CDU auseinandersetzen müsse, die mit einer „unverantwortlichen Politik“ im Bildungsbereich keinerlei Konzepte für die Zukunft habe. Immerhin gab es erst kürzlich beim Besuch einer Gemeinschaftsschule in Wendlingen ein erfreuliches Signal von Seiten des CDU-Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann: „Schule und Bildung sollten wir nicht durch die Parteibrille sehen“, sagte Zimmermann dort. Applaus brandet auf im Saal, Gemurmel setzt ein.

Doch Stoch ist schnell wieder bei der SPD und den Aufgaben, die auf die Landesregierung warten. Dass diese mit dem schulpolitischen Zwei-Säulen-Modell einen „breiten gesellschaftlichen Konsens“ gefunden habe, freut den Minister. Doch es handle sich um ein „Mammutprojekt, das nicht in zwei, drei oder vier Jahren vonstatten geht“. Stoch will nicht behaupten, dass in der Vergangenheit keine Fehler gemacht worden seien. Doch es sei der richtige Weg, denn die Hauptschule, die im Jahr 2001 noch 40 000 Fünftklässler und zehn Jahre später 17 000 Schüler weniger vorweisen konnte, sei ein Auslaufmodell. Bei vielen habe sich das Gefühl verfestigt, dass die Hauptschule keine gute Perspektive mehr biete. Auch deshalb brauche es eine Veränderung, die im übrigen nicht an Ortsschildern Halt machen dürfe. Wenn die Schulstandorte im ländlichen Raum erhalten werden sollen, dann müssten „die Kommunen gemeinsam nach tragfähigen Strukturen suchen“.

Jeder junge Mensch solle eine Chance für eine bestmögliche Bildungsbiografie erhalten, betonte Stoch. Wichtig sei aber auch Wertevermittlung. Die Schüler sollten – auch im Hinblick auf die Anschläge in Paris – lernen, dass Gewalt, Mord, Aggression und Ausgrenzung keinen Platz in unserer Gesellschaft haben dürfen. Wie schon Kirchheims SPD-Ortsvereinsvorsitzender Martin Mendler zuvor, geht Stoch auf den wachsenden Zustrom an Flüchtlingen ein. Diese sollten in Deutschland bestmöglich integriert werden, unterstrich er. Denn religiöser Fanatismus entstehe oft dann, „wenn Menschen keine Perspektiven für ihr Leben sehen“.