Lokales

Das Basketball-Derby kurz vor dem Super-Gau

KIRCHHEIM Das war knapp. Noch um 11.30 Uhr am Tag des Regionalliga-Derbys zwischen dem VfL Kirchheim und dem MTV Stuttgart schien es so, als ob das Spiel abgesagt werden müsste. Ein Trennvorhang in der Sporthalle Stadtmitte war defekt, hing nur 2,20 Meter über dem Boden und bewegte sich nicht. Das Malheur war schon am Freitagabend passiert, als die VfL-Handballer den Vorhang hochlassen wollten: Auf einmal ging gar nichts mehr. Hausmeister Manfred Walburg alarmierte die Stadt und die Basketball-Abteilung, und am Samstagvormittag begann die Aktion "Rettet das Derby."

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Zwei Stunden später war Elektriker Walter, direkt unter dem Hallendach auf dem Gerüst, mit seinem Latein zunächst am Ende: blockierte Bremsen und Motoren, hohes Risiko bei einer improvisierten Reparatur, kein Kontakt zur Hersteller-Firma. VfL-Geschäftsführer Uli Tangl, seit dem frühen Morgen vor Ort, bekam schon reichlich weiche Knie: Wie sollte man das den knapp 1 000 Fans, die zum Spiel erwartet wurden, erklären? Die Organisatoren standen kurz vor dem Super-Gau. Doch der schwäbische Handwerker gibt so schnell nicht auf. Eine Stunde später rückte die Kirchheimer Feuerwehr mit vier Fahrzeugen, Blaulicht und fast 20 Mann an. Die Idee: Den schweren Vorhang von unten her stützen, damit die Bremse entlasten, sie ausbauen und die Arretierung lösen.

Während die U 16 des VfL ihr Oberligaspiel gegen die BSG Ludwigsburg noch in einem Hallendrittel absolvierte, ging es unmittelbar daneben voran. Und als um Viertel nach fünf die VfL-Zweite zu ihrem Bezirksligaspiel antrat, konnte sie schon wieder über das komplette Spielfeld verfügen. Der Vorhang hing, festgezurrt mit mehreren Seilen, wieder da, wo er hingehört: Unter der Decke. Die Spieler des Regionalliga-Derbys bekamen von all dem nichts mit lediglich das Gerüst stand noch in der Hallenecke.

Nur die Wurfquote war dann in der ersten Hälfte so, als ob die Kirchheimer Spieler den ganzen Tag mitgezittert hätten. Und auch nach der Pause wurde es nicht so viel besser, dass es zum Sieg gereicht hätte. Kein schöner Einstand für den Kirchheimer Blitz-Neuzugang Bill Goehrke aus Chicago, der noch ein wenig unter dem Jet-Lag litt, von VfL-Coach Theo Leftakis aber auch nur einmal für sieben Minuten aufs Feld geschickt wurde. "Kein Problem", war Bills Kommentar dazu, etwas gesprächiger war er auf die Frage nach den Fans: "Das ganze Drumherum hier ist absolut fantastisch, das gab's bei uns im Augustana College so nicht."

Nach nur einem Spiel wollte er nicht allzu viel über seine basketball-spezifischen Eindrücke sagen, ein klein wenig aber über die Kirchheimer Chancen: "Das Team darf sich jetzt nicht verrückt machen. Wir müssen an das nächste Spiel denken." Das ist in zwei Wochen gegen den Liga-Favoriten KGJ Schwenningen. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr startete der VfL ebenfalls mit 4:3 Siegen und gewann dann elfmal nacheinander. Etwas Ähnliches sollte auch diesmal gelingen, will man die Aufstiegsrunde nicht frühzeitig abhaken. Aber vielleicht ist dieses Team ja auch ein Zwei-Jahres-Projekt.

mad