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Das Ende der jahrzehntelangen Behelfsbaracken naht

Am Ende gab es sogar einen Applaus für die Planung. Der Lenninger Gemeinderat stellte die Weichen für gleich zwei Schulanbauten. Zum einen segnete das Gremium die Planung für eine Ganztagesschule im Bildungszentrum ab und zum anderen die Erweiterung der Grundschule in Oberlenningen samt Hort.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Das Kirchheimer Architekturbüro KLE hat die Planung für beide Projekte übernommen: den Anbau für die Ganztagesschule im Bildungszentrum und die Erweiterung der Grundschule in Oberlenningen. Karl-Albrecht Einselen stellte während der jüngsten Sitzung des Lenninger Gemeinderates beide Planungen vor.

Parallel zur Buchsstraße soll an Haus A ein zweigeschossiger Baukörper angedockt werden, sodass das Gebäude grob die Form eines U erhält. Das neue Gebäude nimmt das Gefälle des Geländes mit auf, behält jedoch auch die Geschosshöhen der Hauptschule bei. Im oberen Stock kann die Anbindung an das bestehende Gebäude mit dem geringsten Aufwand realisiert werden. Dort sollen beispielsweise ein Aufenthalts-, Fitness-, Lese- und Spieleraum, aber auch die WCs untergebracht werden. Im Hanggeschoss sind vorgesehen die Küche, ein Internetcafe mit sechs Plätzen und die Mensa, die bei schönem Wetter nach außen verlagert werden kann und durch das darüber liegende Geschoss überdacht ist. "Die Wandscheibe können wir auch als Kletterwand gestalten", regte der Architekt an. Sie befindet sich auf der Innenseite des U in Richtung des alten Gebäudes. "Der Pausenhof wird sich kaum verändern", so Karl-Abrecht Einselen.

Die Programmfläche, also die Fläche, die bezuschusst wird und zu der zum Beispiel die Spielräume oder die Mensa gehören, beträgt knapp 350 Quadratmeter, die Restfläche wie Flure oder WC rund 270 Quadratmeter. Letztere liegt mit 48 Prozent der Gesamtfläche recht hoch. Die Kosten für diesen Anbau werden auf rund 1,65 Millionen Euro geschätzt.

Gemeinderat Roland Sailer zeigte sich nicht glücklich über das geplante Flachdach. "Von außen sieht es so aus. Innerhalb versuchen wir jedoch, eine fünf- bis zehnprozentige Neigung hinzubekommen, um so das Wasser auf einer Seite abfließen lassen zu können", erklärte dazu der Architekt.

"Auf den ersten Blick wirkt die Planung sehr durchdacht. Es ist eine gelungene Konzeption, die in das Bestehende nicht eingreift", lobte Georg Zwingmann, der über die Kosten positiv überrascht war. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an das Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium. Dem Anbau war fast der komplette Pausenhof zum Opfer gefallen.

Die Planung für die Ganztagesschule mittragen kann auch Jürgen Rau, ebenso Karl Boßler. Allerdings hat Letzterer so seine Schwierigkeiten mit den Kosten. "Was passiert, wenn die Zuschüsse drastisch verringert werden?", gab er zu Bedenken.

"Entscheidend ist, dass wir den Antrag jetzt stellen. Was die Stunde geschlagen hat wissen wir dann, wenn wir den Bescheid haben, ob wir in das Zuschussprogramm reingekommen sind", sagte Lenningens Bürgermeister Schlecht, der sich als großer Befürworter einer Ganztagesschule zu erkennen gab. Er erinnerte daran, dass es sich bei der Vorlage um keine Detailplanung handelt. Auf deren Basis kann jedoch der Antrag gestellt werden. Als realistischen Beginn nannte der Schultes das neue Schuljahr im Sommer 2007.

Die Mehrheit des Gemeinderates konnte er zunächst nicht hinter sich bringen. Karl Boßler stellte den Antrag, den Beschlussvorschlag dahingehend zu ergänzen, dass bei einer drastischen Verringerung des Zuschusses das Vorhaben neu überdacht werden muss. Bei drei Gegenstimmen darunter auch die von Michael Schlecht wurde diesem Antrag mehrheitlich zugestimmt. Einstimmig wurde dann jedoch der Beschluss mit der Ergänzung abgesegnet und die Verwaltung beauftragt, die Aufnahme in das Investitionsprogramm "Zukunft, Bildung und Betreuung" in die Wege zu leiten.

Grundschulerweiterung"Es wird Zeit, dass dieser unsägliche Zustand endlich geändert wird", stimmte Michael Schlecht auf die nächste Planungsvorstellung ein. Die gleiche Geschosshöhe kann wegen der Topografie nicht gehalten werden. "Wir wollten so wenig wie möglich in das alte und sehr schöne Gebäude eingreifen. Deshalb haben wir bewusst ein Flachdach gewählt, damit das neue Gebäude als eigenständiger Baukörper wirkt. Mit dem Pultdach kann es nicht gegen das alte Schulhaus konkurrieren", erläuterte Karl-Albrecht Einselen. Der Neubau soll auch den Grundschulhort beinhalten. Dieser ist im Erdgeschoss geplant, damit die Kinder schnell in den Garten gelangen können, so der Wunsch der zukünftigen Betreuerinnen. Es gibt einen Mehrzweckraum, eine Küche, ein Leiterzimmer und WCs. Das alte, separate Toilettenhäuschen verschwindet dann ebenso wie die Baracken für die zwei Klassenzimmer. Im Obergeschoss entstehen unter anderem zwei neue Klassenräume samt einem Lehrer- und Verwaltungsbereich. Über ein paar Stufen soll man in den Altbau gelangen. "Wir wollen Distanz zum bestehenden Gebäude halten und haben eine Fünf-Meter-Spanne eingeplant. Dadurch ergibt sich eine deutliche Zäsur zwischen den beiden Gebäuden", erklärte der Architekt. Der Anbau bleibt zudem auch deutlich niedriger.

Auf den Neubau entfallen 300 Quadratmeter Programmfläche plus 115 Quadratmeter für den Hort, die Restfläche addiert sich auf 223 Quadratmeter. Die Kosten für den Anbau belaufen sich auf knapp 1,66 Millionen Euro, wobei knapp 500 000 Euro auf den Hort entfallen. "Diese Investition nehmen wir im Finanzplan schon lange mit", erinnerte Michael Schlecht. Er ist zuversichtlich, in das Zuschussprogramm aufgenommen zu werden, da das Oberschulamt in Stuttgart daran interessiert sei, dass in Oberlenningen "die Sache abgeschlossen wird".

"Das ist die beste Lösung, die je auf dem Tisch lag", urteilte Gemeinderat Roland Sailer. "In der Behelfslösung haben wir vier Klassenzimmer, in der neuen Planung sind es nur drei. Reicht uns das?", wollte Karl Sigel wissen. Dies sei so mit dem Oberschulamt abgesprochen und da es wenig wahrscheinlich sei, dass in der Grundschule immer zweizügig gefahren wird, seien keine acht Zimmer mehr nötig, konnte der Schultes berichten.

"Wir dürfen auch in Zeiten knapper Kassen nicht stehen bleiben, sondern müssen die Probleme anpacken, damit sie nicht länger auf uns lasten", redete der Schultes den Gemeinderäten ins Gewissen. Dass der Zustand an der Grundschule alles andere als zeitgemäß ist, darüber waren sich alle einig. "Ich selbst bin schon in den Behelfsbaracken zur Schule gegangen", erklärte Karl Sigel, Jahrgang 1948. Früher ließ sich dieses Problem in Oberlenningen jedoch nicht anpacken, da die Gemeinde erst vor kurzem die benötigten Grundstücke kaufen konnte.

"Die Rektoren haben sich positiv über die Planung geäußert", berichtete Michael Schlecht. Als der Gemeinderat einstimmig die Planung abgesegnet und die Verwaltung beauftragt hatte, die Förderanträge beim Oberschulamt Stuttgart zu stellen, gab es gar einen Applaus für die Planung.