Lokales

Das erhoffte Comeback verzockt

Über 900 Zuschauer sahen die schmerzhafte 65:70 (24:34)-Niederlage der VfL-Basketballer im Regionalliga-Derby gegen den MTV Stuttgart. Stuttgart war 32 Minuten lang die bessere Mannschaft, dann verschenkte der VfL die Wende.

KIRCHHEIM War das schon das Aus im Titelrennen? Mit 4:3 Siegen stehen die Kirchheimer Basketballer nach der Niederlage gegen den MTV Stuttgart im Niemandsland der Tabelle der Regionalliga. Dabei sollte an diesem Samstagabend in der Sporthalle Stadtmitte die Wende kommen. Über 900 Zuschauer wollten das Derby des Meisters gegen den Vizemeister sehen. Es hielt so viel vorneweg nicht das, was sich die meisten erhofft hatten.

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Beide Teams, sonst extrem stark in der Offensive, zeigten ungewohnte Schwächen im Angriff und ganz neue Qualitäten in der Abwehr. Dazu war über weite Strecken der Korb wie vernagelt. Die beiden besten Teams der Liga von der Dreipunktlinie schossen zusammen 32 Fahrkarten von jenseits der 6,25 Meter, oft aus freien Positionen. Der einzige, der an diesem Abend offensichtlich reichlich Zielwasser getrunken hatte, war Stuttgarts Star Al Elliot. "Er hat uns vernichtet", erkannte deshalb auch VfL-Coach Theo Leftakis. 29 Punkte gelangen dem Ex-Zweitligaspieler, darunter fünf Dreier mit einer Quote von 50 Prozent.

Zur Kirchheimer Ladehemmung kam gelegentlich disziplinlose Offensive. Leftakis übertreibt zwar, wenn er darin die Hauptursache der Niederlage sieht ( "Das war kein Basketball. Alle waren viel zu eigensinnig. Jeder versuchte, alleine zu gewinnen") aber ein gewachsenes Team ist dieser VfL noch nicht. Der "Neue" konnte daran natürlich auch nichts ändern: Bill Goehrke wurde von Leftakis nur für sieben Minuten aufs Feld gelassen, die geplante Variante mit ihm und David Bouwmeester fand so nie statt.

Es war diesmal allerdings auch nicht die Schwäche unter dem Korb, die Kirchheim Schwierigkeiten bereitete. 40 Rebounds hat der VfL in dieser Saison noch nicht geholt, die Stuttgarter Langen um Jordan Sabourin (12 Punkte) spielten kaum eine Rolle. Nach sehr gutem Start (8:2, 3.) kam Sand ins Getriebe. Stuttgart verteidigte überraschend engagiert und clever, und als es zur Pause 24:34 stand, rieben sich die Fans verwundert und enttäuscht die Augen: Wo war sie, die Offensivkraft dieser Hochgeschwindigkeits-Teams? Der VfL hatte nur 23 Prozent seiner Würfe getroffen: unterirdisch.

Im dritten Viertel ging dann vorne etwas mehr und hinten gar nichts. Stuttgart machte viel zu viele leichte Körbe, zog auf 53:35 (27.) davon. Doch drei Dreier von Jorgusen und Hayden sorgten für Hoffnung, auch wenn Teammanager Volker Oesterle vor den letzten zehn Minuten (46:58) zu Recht sagte: "Jetzt kann nur noch ein Wunder helfen." Das Wunder kam. Fast. Nach dem 49:61 (32.) gelang ein 11:0-Lauf zum 60:61, 3:50 Minuten vor Schluss. Der MTV wirkte wie paralysiert. Doch Hayden schenkte Atsür mit seinem erst zweiten Ballverlust einen Korbleger (60:63). Dann wurden nacheinander die Kirchheimer Scharfschützen Lukic und Kranz perfekt freigespielt und vergaben. Der nächste Rohrkrepierer folgte: Hayden angelte sich Elliots Fehlwurf und warf den Ball in den Rücken von Kranz ins Aus. Nachdem Sabourin und Lukic zwei Körbe austauschten (62:65), klaute Kranz den Ball, schickte Jorgusen, der passte auf Hayden, der durch Atsür nur noch per Foul gestoppt werden konnte und anschließend beide Freiwürfe vergab. Nach zwei glücklichen Punkten von Osmani traf Jorgusen einen Verzweiflungs-Dreier (65:67), doch auf der Gegenseite band Atsür seinerseits mit einem Drei-Punkte-Wurf den Sack zu.

Mit ein bisschen mehr Konzentration hätte es das Comeback des Jahres geben können verzockt. Jetzt muss in zwei Wochen unbedingt gegen die KGJ Schwenningen gewonnen und damit eine Serie wie in der vergangenen Saison gestartet werden. Vorher aber muss aus den Kirchheimer Spielern ein Team werden.

mad

VfL:

Bouwmeester (6), Bruck, Goehrke (3), Hayden (12/1), Jorgusen (22/3), Kikic, Kranz (6/2), Lenger (4), Lukic (9/1), Reiter, Tsouknidis (3/1), Weiß.MTV:

Jurkovic, Zelic (2), Köhler, Martinovic (2), Bibb (8), Atsür (15/3), Elliott (29/5), Osmani (2), Sabourin (12).Dreier:

8 (VfL), 8 (MTV).Fouls:

14 (VfL), 18 (MTV).Viertel:

14:17, 10:17, 22:24, 19:12.Schiedsrichter:

Röckle (Leonberg) und Saleh-Khorram (Karlsruhe) leiteten stark: Sie fielen nicht auf.Zuschauer:

900