Lokales

Das erste Haus steht dank Spenden aus Schwaben schon

800 Kilometer Küste hat der Tsunami am 26. Dezember in Sri Lanka verwüstet. Zäh läuft die Hilfe des Staates an. Ganz anders die "Katastrophenhilfe für Sri Lanka" des Fördervereins des Lions-Clubs Nürtingen-Kirchheim und der Gewerblichen Schule Metzingen: Zum zweiten Mal reisten Grete und Roland Kilgus bereits nach Sri Lanka zur Einweihung eines mit Spendengeldern errichteten Hauses.

NICOLE MOHN

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KIRCHHEIM/NÜRTINGEN In Kooperation mit dem Umweltministerium Baden-Württemberg ist der Bau einer kleinen Siedlung geplant. Der ehemalige Rektor der Gewerblichen Schule und seine Frau nennen den Stand der Hilfsaktion: Über 120 000 Euro wurden bereits gesammelt.

Nach der ersten Soforthilfe ging es bei der zweiten Reise ins Katastrophengebiet vornehmlich darum, langfristige Hilfe für die Menschen in Sri Lanka auf den Weg zu bringen. Vor allem der Wiederaufbau oder Neubau von Häusern für Flutopfer unter den Angehörigen der sri-lankischen Partnerschule der Metzinger Gewerbeschule, des Ceylon-German Technical Training Institute (CGTTI), steht dabei bei Kilgus ganz oben auf der Agenda. Nach nur zwei Monaten halfen die Mittel aus Schwaben einem Auszubildenden der Schule in Moratuwa nahe der Hauptstadt Colombo dabei, das Haus seiner Familie zu erneuern. Weiteren sieben Familien will das Neckartenzlinger Ehepaar zu einem neuen Zuhause verhelfen, außerdem von der Flut zerstörten Betrieben wie einer Seilerei oder einem Schweißer bei der Anschaffung neuer Maschinen unter die Arme greifen.

Ohne das Engagement von privaten Hilfsprojekten bewege sich kaum was, sagt der Studienrat a. D: "Überall sind noch Zeltdörfer oder bestenfalls Holzbaracken zu sehen." Von der zugesagten Hilfe staatlicherseits komme derzeit so gut wie nichts bei den Menschen an. Komplizierte Verwaltungsstrukturen, aber auch politische Machtspielchen vermutet der Neckartenzlinger hinter den Problemen. Viele der Betroffenen sind deshalb nicht gut auf die Regierung zu sprechen.

Sie haben ihre Häuser in dem nun gesperrten, 100 Meter breiten Streifen an der Küste verloren und müssen Grundstücke für den Neubeginn finden. "Wenn überhaupt etwas angeboten wird, ist es oft weit im Landesinneren: Ein Fischer wird Land so weit von seinem Arbeitsbereich entfernt nicht annehmen", kennt der ehemalige Rektor, der lange Zeit beruflich auf der Insel tätig war, die Problematik. "Dabei wäre das Geld da viel Geld", wirft seine Frau ein. Waren vor dem Seebeben nur 28 nicht-staatliche Hilfsorganisationen im Land, tummeln sich inzwischen über 1000 in Sri Lanka.

Auch das Ehepaar Kilgus hat seine Erfahrungen mit öffentlichen Stellen machen müssen. Zahlreiche Gespräche haben sie in den 14 Tagen ihres Aufenthaltes geführt, um das im Februar angestoßene Bauprojekt weiter voranzubringen. Ursprünglich war vorgesehen, in ein Siedlungsprojekt in der Gegend von Hikkaduwa einzusteigen. Von der Nürtinger-Metzinger Katastrophenhilfe sollten Mittel für den Hausbau kommen, das Umweltministerium Baden-Württemberg hatte man für die Dorfentwicklung, Planung und Erschließung gewonnen. "Nun hat man uns eröffnet, dass das nicht mehr möglich ist", berichtet Kilgus. Immerhin scheint Ersatz gefunden zu sein: 90 Kilometer südlich der Hauptstadt Colombo wird dem Kooperationsprojekt nun ein etwa drei Hektar großes Gebiet in Küstennähe angeboten.

Allerdings ist das Gelände noch in Privatbesitz: "Jetzt ist wichtig, dass die sri-lankische Regierung das Land kauft, damit wir dort einsteigen können", so Kilgus. Rund 50 neue Häuser könnten auf dem auf der kleinen Anhöhe gelegenem Areal entstehen. Eine Million Euro stehen dem Ministerium für Planung und Bau der Infrastruktur zur Verfügung; die Katastrophenhilfe würde den Hausbau unterstützen.

INFOSpenden für die Katastrophenhilfe für Sri Lanka des Lions-Clubs Nürtingen-Kirchheim und der Gewerblichen Schule Metzingen können bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, BLZ 611 500 20, auf das Konto7 408 935 eingezahlt werden. Nähere Informationen gibt es auch unter www.lions-nuertingen-kirchheim.de.