Lokales

Das Fürstenpaar führte persönlich durch Schloss Langenburg

Unter der Führung des Historikers Jörg Alexander Mann machte sich eine stattliche Zahl von Teilnehmern der Regionalgruppe Kirchheim des Schwäbischen Heimatbundes auf den Weg ins Hohenloher Land, ein Land "idyllisch, voll Poesie, eine besonders zärtlich ausgeformte Handvoll Deutschland", wie es Eduard Mörike charakterisiert hat.

KIRCHHEIM Mitten aus dieser lieblichen Landschaft, hoch über dem Jagsttal, ragte das erste Ziel der Reise, das Schloss Langenburg hervor. Hier wurde die Reisegruppe vom jungen Fürstenpaar, Fürst Philipp und Fürstin Saskia herzlich begrüßt. Zunächst wurden die Besucher in den ehemaligen Marstall geführt, wo anhand einer Film-Dia-Show viel über die Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner zu erfahren war.

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Beeindruckend waren die Bilder vom großen Schlossbrand im Januar 1963. Bei minus 20 Grad gefror das Löschwasser in den Schläuchen und der ganze Ostflügel brannte bis auf die Grundmauern ab. Viele wertvolle Möbel, Bilder und Schmuckstücke wurden ein Raub der Flammen. Im Film festgehalten war auch der Besuch von Königin Elisabeth II. und ihrem Gemahl Prinz Philipp in der Zeit des mühevollen Wiederaufbaus im Jahr 1965.

Start im KapellenturmBei der Besichtigung ging es zuerst in den Kapellenturm mit der Schlosskapelle. Diese entstand beim Umbau der Burg zum Residenzschloss in den Jahren 1610 bis 1616. Die Kapelle besteht aus drei Geschossen, wobei die untere Emporenbrüstung Bilder und dazugehörige Texte aus dem Neuen, die obere Emporenbrüstung aus dem Alten Testament zieren. Interessant ist, dass die Kapelle noch einen Originalbeichtstuhl aus der Entstehungszeit besitzt, ein Hinweis darauf, dass es damals, fast 100 Jahre nach der Reformation, noch eine Beichtpraxis im Protestantismus gab.

Von der Schlosskapelle ging es in den Innenhof des Schlosses, den man als einen der schönsten Renaissanceinnenhöfe Süddeutschlands bezeichnen kann. Er bietet mit seinen Volutengiebeln, den Schneckentürmen, den Sandsteingalerien und den Arkaden einen immer wieder zu bewundernden Anblick. Am Westflügel erinnert ein Originalwappenstein aus Süditalien mit den beiden schreitenden Leoparden der Hohenlohe an die große Zeit dieses Geschlechtes zurzeit der Stauferkaiser.

Fürstliche PrivaträumeVom Innenhof ging es in einen Teil der Fürstlichen Privaträume. Das Treppenhaus im Ostflügel, der nach dem Brand wieder vollständig neu eingerichtet wurde, enthält die Ahnengalerie. Hier befindet sich der Vier-Jahreszeiten-Saal aus dem Jahre 1625.

Über die Tafelstube ging es vorbei an einer wertvollen Holzbibliothek aus Augsburg in den so genannten Bretternen Gang. In diesem befinden sich neben Waffen, Harnischen und Jagdtrophäen auch Familienfotografien (besonders vom Besuch der Königin Elisabeth II.). Anschließend kam der Barocksaal, der im Sommerhalbjahr als stilvoller Aufführungsort für klassische Konzerte dient.

Über die so genannten Feodora-Bibliothek ging es nun hinaus auf die von Blutbuchen umrahmte Westterrasse des Schlosses mit einem wunderbaren Blick auf das Jagsttal mit dem Dorf Bächlingen und den gegenüberliegenden bewaldeten Höhenzügen. Hier gab, auf die Jagdpassion des Fürsten anspielend, Heribert Diemer eine jagdliche Melodie auf der Trompete als Abschiedsgruß zum besten.

Nach dem Mittagessen im Rosengarten-Cafe ging es vorbei an den im "Inneren Städtle" gelegenen Bürgerhäusern zur evangelischen Stadtkirche. Sie ist aus einer Heilig-Blut-Kapelle hervorgegangen, die nun den spätgotischen Chor der Kirche bildet. Von hoher Kunstfertigkeit ist das Stifterfenster im Chor aus dem Jahre 1498, das neben den Stiftern eine Kreuzigungsgruppe, die Mutter Gottes und die heiligen Andreas, Georg und Christophorus zeigt. 1610 kam zum Chor das Langhaus, 1680 der Glockenturm dazu.

Die Gruft des GrafenIm Untergeschoss der Kirche befand sich die Gruft der Grafen und späteren Fürsten von Hohenlohe-Langenburg. Als im Jahre 1903 die Fürstin Leopoldine aus dem Hause Baden starb, war diese inzwischen sehr modrig und stickig gewordene Gruft für ihren Gemahl, den Fürsten Hermann nicht mehr akzeptabel. Er ließ deshalb im Schlossgarten im Osten von Langenburg eine Grabkapelle mit einem Begräbnisplatz errichten. Dieses von dem preußischen Regierungsbaurat August Bode errichtete Bauwerk hatte die berühmte Grabkapelle der Galla Placidia an Ravenna als Vorbild.

Zugang zur GrabkapelleDieser sonst nicht der Öffentlichkeit zugängliche Begräbnisplatz war das nächste Ziel der Reisegruppe. Die achteckige, abwechselnd mit roten und braunen Sandsteinblöcken erbaute Grabkapelle wird durch einen von Porphyrsäulen getragenen Portikus betreten. Zentrales Bild im Innern ist die Darstellung des Guten Hirten mit der Silhoutte Langenburgs im Hintergrund. Um die Grabkapelle herum ruhen nun die in den letzten 100 Jahren verstorbenen Mitglieder des Hauses Hohenlohe-Langenburg.

Letzte Station des erlebnisreichen Tages war die ehemalige Sommerresidenz der Grafen zu Hohenlohe, das frühere Jagd- und Lustschloss Ludwigsruhe. Die zuvor Lindenbronn genannte Hofstelle wurde von den Grafen von Hohenlohe im 15. Jahrhundert erworben. Im 18. Jahrhundert ließ nun Graf Ludwig, wie auch viele andere Fürsten landauf und -ab, sich dort ein barockes Lustschloss errichten. Baumeister für die einflügelige 1736 1742 errichtete Schlossanlage war Leopold Retti, der danach noch unter Herzog Carl Eugen das neue Schloss in Stuttgart erbaute.

Auch nachdem die Grafen 1764 durch den Kaiser in den Fürstenstand erhoben wurden, blieb Ludwigsruhe beliebter Sommeraufenthalt der fürstlichen Familie. Im ersten Weltkrieg wurde das Anwesen dann verpachtet und im Jahre 1980 verkaufte Fürst Kraft das gesamte Areal.

Für den Schwäbischen Heimatbund war schon im Schlossgarten die Kaffeetafel gedeckt. Nach der Kaffeepause gab es eine Führung durch die Anlage, wobei der ökologisch geführte Bauerngarten auf das besondere Interesse der Besucher stieß. Mit einer Fülle von Eindrücken machten sich die Teilnehmer auf den Heimweg.

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