Lokales

Das Geburtstagsfest

So ein Geburtstag macht doch ganz schön Arbeit. Besonders dann, wenn es ein runder ist. Freunde einladen, planen, einkaufen, vorbereiten. Ein wenig stöhne ich über den Stress, den wir uns damit in der Familie antun. Wir hätten ja auch wegfahren können, irgendwohin, um dem ganzen Trubel zu entkommen. Aber wenn alles vorbei ist, werden wir aber sicher sagen: die Mühe hat sich gelohnt.

Und dann steht bald das nächste Geburtstagsfest vor der Tür: Jesu Geburtstag, Weihnachten. Auch da fahren manche fluchtartig weg. Aber wir bleiben, wie die meisten, zu Hause. Wir geben uns viel Mühe, dass es ein schönes Fest wird. Natürlich stöhnen wir auch über die Arbeit und den ganzen Weihnachtsrummel. Hinterher werden wir aber sicher sagen: Die Mühe hat sich gelohnt. Über allem Trubel vergisst man leicht das Geburtstagskind. Jeder muss es für sich persönlich hinkriegen und gegebenenfalls planen, ob er oder sie an Weihnachten zu diesem Geburtstagskind Kontakt aufnehmen will.

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Traditionell geht man in die Kirche. Aber das fällt nicht allen leicht. Die Tür zur weihnachtlichen Welt des Glaubens wirkt auf viele nicht besonders einladend, das ist nicht ihr Stil, nicht das vertraute Milieu. Mancher mag sich vorkommen wie vielleicht die Weisen aus dem Morgenland. Diese reichen, vornehmen Leute machen sich auf eine lange, mühsame Reise. Sie suchen den Friedensbringer und Heiland der Welt. Ihre Erwartungen sind groß. Doch dann stehen diese prachtvollen Herren mit ihrem Gold, Weihrauch und Myrre vor einer schäbigen Stalltüre. "Nein, da gehen wir nicht rein, das ist nicht unser Stil, nicht unser Milieu." Aber dann tun sie es doch. Und das Kind in der Krippe wird der Beginn einer tiefen religiösen Erfahrung.

Jedem kann es so ergehen. Zum Beispiel bringt das Kind in der armseligen Krippe die Vorstellungen von einem Gott da oben im Himmel durcheinander. Nein, ein Gott hier unten, bei uns Menschen! Da ist er, um uns zu helfen. Auch wenn er schwach und angreifbar erscheint. Vor der Krippe spüren viele: Wir sollten umdenken und die Schwerpunkte in unserem Leben anders setzen. Natürlich können wir nicht planen, dass Weihnachten in solcher Hinsicht für uns bedeutend wird. Aber wir können uns jetzt schon dafür öffnen und uns darauf vorbereiten. Auch das gehört dann zur vorweihnachtlichen Mühe.

Ich wünsche uns, dass wir nach Weihnachten sagen können: Ja, es war viel Arbeit, aber gelohnt hat es sich doch.

Horst GamerdingerPfarrer in der evangelischenKreuzkirchengemeinde Kirchheim