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"Das geht nicht einfach so nebenbei"

"Die diakonische Arbeit in Gemeinden zu fördern, das geht nicht nebenbei" diese Erkenntnis habe vor fünf Jahren dazu geführt, dass man in Kirchheim die Stelle für eine hauptamtliche Diakoniebeauftragte geschaffen habe, erklärt Ingrid Riedl, die Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim im Kreisdiakonieverband Esslingen.

KREIS ESSLINGEN Damit wurde man dort zum Vorreiter in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

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Auch andere Kirchenbezirke darunter Esslingen nahmen sich Kirchheim zum Vorbild. Fünf Jahre hat Ulrike Graf als Diakoniebeauftragte Aufbauarbeit geleistet. Jetzt übernimmt Claudia Brendel ihre Aufgaben.

"Kirchengemeinden sind häufig überfordert mit den vielfältigen Aufgaben und Anforderungen der Diakonie, mit der Folge, dass man nicht mehr umeinander weiß", sagt Ulrike Graf. Deshalb war es ihre Hauptaufgabe in den vergangenen fünf Jahren, Kontakte zu knüpfen und zu informieren. Erste Ansprechpartner waren die Diakoniebeauftragten, die es nach dem Kirchengesetz eigentlich in jeder Kirchengemeinde geben sollte. Mit ihnen und anderen Mitarbeitern der Diakonie installierte die Sozialpädagogin und Familientherapeutin regelmäßige Treffen zum Informations- und Erfahrungsaustausch und warb unermüdlich für die Zusammenarbeit. "Nur wenn man voneinander weiß, kann man auch miteinander handeln", ist sie überzeugt.

So gehörte zu den Treffen auch immer die Information über die vielfältigen diakonischen Einrichtungen im Kreisdiakonieverband. "Für manche Gemeinde ist Kirchheim eben weit weg", hat sie aus Erfahrung gelernt. Umso wichtiger war ihr zu zeigen, welche Angebote es im diakonischen Bereich gibt, die von den Kirchengemeinden genutzt werden können. "Ein Anliegen war mir aber auch immer der Vernetzungsgedanke", sagt Ulrike Graf. So wurde bei den Treffen überlegt, wie Gemeinden miteinander arbeiten können und welche Projekte, Ideen oder Strukturen von einer auf die andere Gemeinde übertragbar sind. Ulrike Graf hat mit ihrer Arbeit Neuland betreten und sie ist froh, dass ihr der Diakonische Bezirksausschuss den Freiraum gab, auszuprobieren, was auf dem neuen Feld wachsen kann.

Noch muss die Diakoniebeauftragte auf Kirchenbezirksebene in vielen Fällen Hilfe ganz direkt vermitteln. "Mein Ziel ist es, dass die Diakoniebeauftragten vor Ort selbst aktiv werden, sehen, was Not tut, und um Hilfe bitten, wenn sie in der jeweiligen Gemeinde benötigt wird", erklärt Ulrike Graf. Für Ingrid Riedl hat die Diakoniebeauftragte langfristig eine "Wegweiserfunktion", die Anstöße und Impulse gibt. Sie ist überzeugt, dass durch Ulrike Grafs Arbeit "das Bewusstsein für die Bedeutung der Diakonie gewachsen ist".

"Die Vernetzung ist hergestellt, die Knoten sind dichter geworden", stellt Ulrike Graf fest. "Jetzt steht die Übersetzung in die Praxis an", umreißt Ingrid Riedl die Aufgaben für Claudia Brendel. Die Sozialpädagogin wird Anfang nächsten Jahres Ulrike Graf ablösen, die sich künftig in der Hospiz-Arbeit engagiert. "Ich finde es ungeheuer spannend, zu sehen, was für jeden einzelnen Ort passt, und dies zu transportieren", freut sich die Mutter zweier kleiner Töchter auf die neue Herausforderung.

Möglich geworden ist das erfolgreiche "Unternehmen Diakoniebeauftragte" allerdings nur durch den Verein "Diakonie und Gemeinde". Als Förderverein der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim hat er zunächst über zwei Jahre die Anstellungsträgerschaft für die Stelle übernommen. Diese ging inzwischen auf den Kreisdiakonieverband über. Weiterhin finanziert der 130 Mitglieder starke Verein allerdings ein Drittel der Personalkosten. Den Rest teilen sich Diakonische Bezirksstelle und Kreisdiakonieverband.

pm