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"Das hat mir zugesagt, weil es wirklich sehr persönlich ist"

KIRCHHEIM "Ich möchte gerne so lange wie möglich zu Hause bleiben." Das strahlende Lächeln von Ursula Ihlefeld weicht einem ernsten Ausdruck und die Wahlkirchheimerin setzt sich noch ein Stück gerader.

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BARBARA IBSCH

Nein, sie möchte nichts dem Zufall überlassen, will ihr Leben in geordneten Bahnen haben, und sie tut

O:STERN.TI_auch etwas dafür. "Ich hoffe, dass ich länger im Haus bleiben kann." Erich Oelmaier lässt in Ötlinger Höhenlage den Blick aus dem großen Fenster über die ihm zu Füßen liegende Stadt schweifen und ruft sich dann fast schon wieder selbst zur Ordnung. Auch er hat mit dem Schritt zu Betreutem Wohnen zu Hause Vorsorge getroffen.

Der Wunsch ist durchgängig: Ein selbstbestimmtes Leben zu führen in guter Gesundheit und vertrauter Umgebung so lange wie möglich. Wer möchte das nicht. Die Chancen dafür sind durchaus gegeben, vorausgesetzt es gibt Hilfestellung und diese wird dann auch angenommen. Angeboten wird sie unter anderem von den drei Vereinen, die von der 28. Weihnachtsaktion des Teckboten Unterstützung erfahren sollen. Zu ihnen gehören das "Lenninger Netz", der Verein "Soziales Netz Raum Weilheim" und das Kirchheimer "buefet". Nicht als Selbstbedienung, wohl aber und dafür steht dieses flotte Kürzel als Beratung und Experteninformation für eine selbstständige Lebensführung. Allen drei Vereinen liegt am Herzen, mit einem Netz von Dienstleistungen älteren Menschen die Eigenständigkeit auch dann zu erhalten, wenn vieles nicht mehr so locker von der Hand geht, und damit auch ein Stück Angst vor dem Älterwerden zu nehmen.

Ursula Ihlefeld und Erich Oelmaier haben diese Hilfestellung angenommen. Exemplarisch für den Einzugsbereich aller drei Vereine soll aufgezeigt werden, was ältere Menschen umtreibt und wie wichtig es ist, dann auch Initiative zu ergreifen. Ursula Ihlefeld sind ihre 86 Jahre keineswegs anzusehen. Die gebürtige Berlinerin weiß lebendig von einem interessanten und zum großen Teil in Norddeutschland verbrachten Leben zu erzählen. Mit den Kriegswirren und der kargen Zeit danach ist sie ebenso zurecht gekommen wie mit dem beruflichen Neuanfang ihres Mannes nach dem Krieg und wechselnden Wohnsitzen. Der Tod ihres Mannes vor zwölf Jahren macht ihr allerdings noch immer zu schaffen. Kinder, die helfen könnten, gibt es nicht, Verwandte ebenso wenig. Dennoch ist Ursula Ihlefeld zum Leben positiv eingestellt. Und sie weiß, was sie will. Über Freunde ist sie nach Kirchheim gekommen, fühlt sich hier eigenen Angaben zufolge ausgesprochen wohl. Erlebte Zuneigung gibt sie zurück und bis vor wenigen Jahren hat sie an Alzheimer erkrankte und demente Menschen in der Tagespflege zweier Heime betreut.

Anderen zu helfen, ist Ursula Ihlefeld also nicht fremd, wie aber ist es, sich selbst helfen zu lassen? Die vitale Seniorin geht dazu einen konsequenten, absolut empfehlenswerten Weg. Sie hat selbst die Initiative ergriffen, sich an buefet gewandt und mit dem Verein eine Anwartschaft abgeschlossen. In dieser Vorstufe sind regelmäßige Besuche von ehrenamtlich tätigen buefet-Mitarbeitern garantiert. Bei der weitergehenden Mitgliedschaft kommen individuelle Beratungen und passgenaue Hilfen hinzu. Eine kostengünstige Lösung wird organisiert und erfahrene Kooperationspartner tragen das und darauf wird besonderer Wert gelegt neutrale Netz einer gezielten Hilfestellung.

"Das hat mir zugesagt, weil es sehr persönlich ist", unterstreicht Ursula Ihlefeld den Nutzen für sie. "Das ist nicht so ein Überstülpen, sondern jeder hat seine Freiheit dabei." Für sie ist das ebenso wichtig wie die Gewissheit, "dass man weiß, da kommt jemand". Nicht irgendwer, sondern jemand Vertrautes wie beispielsweise Margret Zander, die als Ehrenamtliche derzeit einmal im Monat vorbeischaut. Einfach so zum Kaffeeplausch, Gedankenaustausch, Zuhören. "Es geht darum, dass die Leute schon besucht werden, bevor etwas passiert", macht die 86-Jährige die Notwendigkeit des regelmäßigen Kontaktes deutlich und unterstreicht die Bedeutung eines auf dieser Basis gewachsenen Vertrauens. "So etwas geht nicht auf einmal." Würden die Zeiten ernster, hätte Ursula Ihlefeld die Beruhigung, dass sie im Krankheitsfall anrufen könnte und dann "jemand für mich einkaufen geht und nach mir schaut; dass man fragen kann, was soll ich machen?"

"Das ist auf mich zugeschnitten", war der erste Eindruck, den Erich Oelmaier nach der Zeitungslektüre von "buefet" hatte. Es folgte ein Anruf bei seinem Nachfolger als Leiter des Sozialamtes der Stadt Kirchheim, was das denn konkret sei. Von kompetenter Seite aufgeklärt, ließ der nächste Schritt in Form einer Anwartschaft nicht lange auf sich warten. Von Regina Bauer wird er seitdem auf ehrenamtlicher Basis besucht und auch diese Konstellation ist aufeinander zugeschnitten. Die Zeit vergeht ebenfalls wie im Flug, haben sich doch beide Seiten viel zu erzählen. Das gemeinsame Sudoku-Interesse sorgt dabei ebenso für Gesprächsstoff wie die Bücherleidenschaft von Erich Oelmaier, die ihn nicht davon abhalten konnte, sich mit achtzig Jahren noch einen Computer anzuschaffen. Heute, acht Jahre später, verbringt er nach der Mittagsruhe täglich mindestens eine Stunde am PC, wickelt Onlinebanking ab, stöbert im elektronischen Verzeichnis der Stadtbücherei nach ihn interessierenden Buchtiteln, die dann auch gleich ausgedruckt werden für die nächste Fahrt in die Stadt. Als kinderloser Witwer muss sich Erich Oelmaier selbst versorgen und auch dabei ist ihm der Computer behilflich, indem per Mail die Essenspläne verschiedener Metzgereien abgerufen werden. Ausgewählt wird dann nach Appetitlage.

Auch Erich Oelmaier erhofft sich von buefet, "dass es länger ermöglicht wird, im eigenen Haus und damit in gewohnter Umgebung zu bleiben". Dass nicht gleich der Umzug ins Heim ansteht, wenn er einmal nicht mehr mit dem Auto in die Stadt fahren kann, um sein Mittagessen zu holen, oder wenn die durch eine Kriegsverletzung ohnehin schon eingeschränkte Beweglichkeit noch mehr abnehmen sollte. "Es macht mir Freude, mit anderen zusammenzukommen", spricht er einen weiteren Vorteil von buefet an: die regelmäßigen Treffen mit Gleichgesinnten in einem Café als willkommene Abwechslung in einem allein zu meisternden Leben.

Ursula Ihlefeld und Erich Oelmaier sind vielleicht nicht exemplarisch für das Gros der Menschen ihres Alters, sie machen aber Mut, das eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die Weichen rechtzeitig zu stellen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Sie werden es mit Hilfe von buefet meistern so wie die Frauen und Männer auch, die sich Hilfe bei den sozialen Netzen im Umland holen, die von der diesjährigen Weihnachtsaktion des Teckboten unterstützt werden.

Gar keine Frage: Es lohnt sich, den Spendentopf zu füllen. Folgende Konten bieten sich für Spenden in jeder Höhe an:

Kreissparkasse 48 333 344 (BLZ 611 500 20) Volksbank 304 777 005 (BLZ 612 901 20) Deutsche Bank 070 050 000 (BLZ 611 700 76) BW-Bank 8 642 202 (BLZ 600 501 01) Commerzbank 910 000 900 (BLZ 611 400 71)