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"Das ist der einzig gangbare Weg"

Der Klärschlamm der Gemeinde Lenningen wird in Zukunft ausschließlich verbrannt. Dies beschloss der Gemeinderat während seiner letzten Sitzung vor Weihnachten mit sechs Gegenstimmen und einer Enthaltung.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Viele Gemeinderäte taten sich schwer, sich bei diesem Tagesordnungspunkt zu entscheiden. Die Kosten sind die große Unbekannte. "Aus ökologischer Sicht sehe ich die Verbrennung ein. Wenn wir alles pressen müssen, ist dann ein größerer Umbau nötig?", wollte Jürgen Rau wissen. Dies schloss Tiefbauamtsleiter Karl-Heinz Griesinger aus. "Das ist machbar", sagte er. So könnten beispielsweise mehr Container aufgestellt werden.

Für Karl Boßler ist es nicht nachvollziehbar, weshalb es in Zukunft nur die Verbrennung geben soll. Lenningen ist bislang zweigleisig gefahren. Ein spezialisiertes Unternehmen hat den Klärschlamm entwässert, gepresst und anschließend entsorgt. Laut Aussage der Firma wurde der Schlamm in aufgegebene Braunkohlehalden gekippt, kam also nicht auf landwirtschaftlich genutzte Böden. Die Kosten für die "landbauliche Verwertung", wie es in Amtsdeutsch heißt, waren in der Vergangenheit immer günstiger.

"Die Zeiten sind vorbei, den Klärschlamm auf den Boden zu geben", erklärte Karl Sigel. Ihm ist jedoch klar, dass trotz laufend verbesserter Filtertechnik der eine oder andere Schadstoff in die Luft gelangt. "Bei aller Fragwürdigkeit ist die Verbrennung der einzig gangbare Weg", ist auch Georg Zwingmann der Ansicht. Zwar wisse noch niemand, wie hoch die Belastung der Umwelt durch die Verbrennung ist, aber dies sei die einzige Möglichkeit, dass sich der Kreislauf nicht fortsetzt.

"Das Land Baden-Württemberg will aus der landbaulichen Verwertung aussteigen. Der Klärschlamm soll nicht mehr auf landwirtschaftliche Böden ausgebracht werden", erklärte Karl-Heinz Griesinger. Grund dafür sei eine Langzeitstudie der Universität Hohenheim. "Die Schwermetalle sind gar nicht so das Problem, sondern Medikamenten- und Pflanzenschutzrückstände", führte der Tiefbauamtsleiter aus.

"Das Landratsamt will gebündelt für den Landkreis Esslingen ausschreiben", sagte Lenningen Bürgermeister Schlecht. Wenn Lenningen sich dafür entscheide, sei die Gemeinde dabei. "Auch wenn heute noch keiner weiß, wie viel es kosten wird", ist der Schultes selbst wenig glücklich über diese Vorgehensweise.

"Durch die Verbrennung verteuert sich für uns die Sache", zeigte sich Roland Sailer wenig begeistert. Auch Kurt Hiller ist kein Freund dieses Verfahrens. "Es weiß keiner genau, welche Methode besser ist. Diese Art der Entsorgung hat eine große Unbekannte, nämlich die Kosten", sagte er.

"Wir können keine Zahlen auf den Tisch legen. Somit ist die Entscheidung eine Glaubensfrage", leitete Michael Schlecht die Abstimmung ein. Die Mehrheit des Gemeinderats entschied sich für den Beschlussvorschlag der Verwaltung. Somit gibt es einen alsbaldigen Wechsel zur Klärschlammverbrennung in Lenningen. Zudem beteiligt sich die Gemeinde an der Ausschreibung des Landkreises Esslingen.