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"Das ist der tollste Sport, den ich kenne"

KIRCHHEIM

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Das sportliche Angebot der Teckstadt ist um eine Attraktion reicher: Freunde asiatischer Kampfsportarten können nun auch dem so genannten Muay-Thai-Boxen nachgehen eine nicht unumstrittene Sportart.

PETER EIDEMÜLLER

Als Vollkontakt-Kampfsport ist das Muay-Thai-Boxen sicher nichts für Zartbesaitete. Der Einsatz von Schlagtechniken, welche die Knie und Ellbogen mit einbeziehen, lassen den Nationalsport Thailands aggressiv, mitunter sogar brutal erscheinen. Als wäre dies für den Laien nicht schon erschreckend genug, hat das Muay-Thai-Boxen über Jahre hinweg den Ruf genossen, eine in der Unter- und Halbwelt äußerst beliebte Sportart gewesen zu sein, die vornehmlich auch nur von Angehörigen und Sympathisanten dieser "Welten" ausgeübt wird.

Einer, der diesem Ruf energisch entgegentritt, ist Ladislav Schmitt. Der 37-Jährige bietet seit Januar in Kirchheim die Möglichkeit, das Muay-Thai-Boxen zu erlernen und zu trainieren. "Das ist der tollste Sport, den ich kenne", schwärmt der gebürtige Ulmer und muss es wissen. Vor knapp acht Jahren hat er die aus mehreren hundert Amateur-Muay-Thai-Boxern bestehende deutsche Rangliste angeführt und immerhin auch drei Kämpfe als Profi bestritten ein Veteran sozusagen. "Seit 1989 übe ich diesen Sport aus", erinnert sich Schmitt, der inzwischen die Trainer-B-Lizenz innehat und als Kampfrichter bei Amateurturnieren fungiert.

Die Unterscheidung zwischen traditionellem und Amateuer-Muay-Thai ist laut Schmitt ein wesentliches Kriterium, um der Kampfsportart sein negatives Image zu nehmen. "Im Amateur-Muay-Thai wird auf allen Veranstaltungen mit kompletter Schutzausrüstung gekämpft." Diese besteht aus Kopf-, Brust-, Zahn- und Tiefschutz sowie Boxhandschuhen und Ellenbogen- und Schienbeinschützern. Der traditionelle Muay-Thai-Boxer mag es da schon etwas deftiger: Mundschutz, Boxbandagen, Handschuhe und der Tiefschutz sind alles, was ihn vor der Kampfeskraft seines Kontrahenten und vor schwereren Verletzungen schützen.

Anders bei den Amateuren: "Durch die Schutzausrüstung ist die Verletzungsgefahr sehr gering", betont Schmitt. Das muss sie dem Vernehmen des gelernten Druckers nach auch sein: "Es macht ja keinen Sinn, nach dem ersten Training verletzt auszufallen und nicht weitermachen zu können." Wenn man dann erstmal auf den Geschmack gekommen sei, bleibe man nach Schmitts Erfahrung auch dabei. "Da gibt es keine hohe Fluktuation."

Dank einer intensiven Arbeit auf Verbandsebene ist es dem Muay-Thai-Bund Deutschland (MTBD) in den letzten Jahren gelungen, dem Sport sein "Proll- und Straßenschläger-Image" (Schmitt) zu nehmen. Die dadurch geschaffenen Strukturen entsprächen inzwischen sogar den Vorgaben des Deutschen Sport Bundes, bei dem sich der MTBD in absehbarer Zeit um die Aufnahme bemühen wird. Ziel des Dachverbandes, der International Federation of Muay-Thai Amateurs (IFMA), sei es, in Zusammenarbeit mit weltweit allen Verbänden daraufhinzuarbeiten, dass Muay-Thai-Boxen als olympische Disziplin anerkannt wird. Als Teilerfolg wird in der Szene die Aufnahme in das Rahmenprogramm der olympischen Spiele in China im Jahre 2008 gewertet.

Ladislav Schmitt will seinen Teil dazu beitragen. Bereits Ende letzten Jahres spielte er mit dem Gedanken, in Kirchheim eine Muay-Thai-Boxschule zu eröffnen. In der Sportschule Krupka in der Bohnau fand er dann Unterschlupf, mietete sich ein und setzte sein Konzept in die Tat um. Aus eigener Tasche bezahlte er die Trainingsgeräte und Ausrüstungsgegenstände, kümmerte sich um Werbung, Poster und Handzettel und bastelte an einer eigenen Club-Homepage im Internet.

Die bisherige Resonanz ist für ihn zufriedenstellend: "20 Leute haben sich seit Januar angemeldet." Darunter auch einer, der extra aus Ulm anreist, weswegen sich Schmitt auch rühmt, den "einzigen lizenzierten Club für traditionelles Muay-Thai in der Region" aus dem Boden gestampft zu haben. Seit vorletzter Woche ist die Homepage im Internet abrufbar, die selbst kreierten Handzettel sind in Kirchheim im Umlauf kein geringer Aufwand, den Schmitt für "seinen" Sport betreibt. "Muay-Thai ist schon ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens", gibt er zu und hofft, andere mit seiner Begeisterung infizieren zu können aber niemals auf Teufel komm' raus: "Die Gesundheit geht vor", betont er.

INFODer Muay-Thai-Club Kirchheim im Internet: www.gravity-gym.de.vu