Lokales

„Das ist Formel-Eins-Technologie“

Lossprechungsfeier der württembergischen Landmaschinenmechaniker in der Kirchheimer Stadthalle

Der Verband des Landtechnischen Handwerks Baden-Württemberg hat seine Lossprechungsfeier in der Kirchheimer Stadthalle veranstaltet. Über den Gesellenbrief können sich 75 frischgebackene Gesellen freuen.

Anzeige

marisa schneider

Kirchheim. „Sie haben sich den sichersten Arbeitsplatz ausgesucht.“, mit diesen Worten bestätigte Dieter Dänzer, Chefredakteur der „Agrartechnik“ die Berufswahl der ehemaligen Lehrlinge. Ein Satz, den sie sichtbar gerne hörten, denn schließlich haben sie dreieinhalb Jahre in ihre duale Ausbildung in Meisterbetrieben und der Kirchheimer Max-Eyth-Schule finanziert. Die Berufsschule in der Teckstadt bildet angehende Landmaschinenmechaniker aus den württembergischen Innungen Stuttgart, Heilbronn, Reutlingen, Ulm, Ravensburg und Karlsruhe in mehreren Blockunterrichtsphasen aus. Während dieser Zeit übernachten viele der Lehrlinge, aufgrund der meist langen Anfahrtswege nach Kirchheim, im Jugenddorf Doschler.

Im Landkreis Esslingen absolvierten dieses Jahr sieben Jung-Mechaniker ihre Lehre. Einer von ihnen ist Toni Pranghofer, der zum Kirchheimer Unternehmen Waggershauser gehört. Der Verband des Landtechnischen Handwerks Baden-Württemberg ehrte an der Feier unter anderem die drei Prüfungsbesten mit einem Buchpreis. Freuen konnten sich darüber Jochen Klekler, Matthias Rieck, sowie Daniel Frasch, dessen Ausbildungsbetrieb die Hans Buchele GmbH in Schlierbach war. Mit der Note sehr gut schlossen zudem auch drei der Junggesellen ihre Schulzeit ab. Rouven Richter, Martin Prinz und nochmals Jochen Klekler bekamen von Erich Zeh, Schulleiter der Max-Eyth-Schule, eine Uhr mit dem Emblem der Kirchheimer Schule verliehen, die sie an ihre Zeit in der Teckstadt erinnern soll.

Landesinnungsmeister Kurt Neuscheler beglückwünschte in seiner Begrüßungsrede die angehenden Landmaschinenmechaniker, die sich eine boomende Branche ausgesucht hätten. Deutsche Landtechnik sei weltweit gefragt und allein in Deutschland seien 2007 fünf Prozent mehr Traktoren zugelassen worden als im Vorjahr. Trotz dieser positiven Nachricht stellen immer weniger Handwerksbetriebe Lehrlinge ein. So seien anstatt der gewünschten sechs bis sieben nur noch vier Prozent der Beschäftigten in den Betrieben Auszubildende. Kurt Neuscheler appellierte an die Unternehmen, nicht nur die Kosten, die eine Ausbildung mit sich bringt, zu sehen, sondern auch die Vorteile. „Ausbilden lohnt sich!“, gab er den Anwesenden zu verstehen, denn „es sind die ausbildenden Betriebe, die unsere Branche stark machen und qualitativ weiterentwickeln“. In diesem Zusammenhang forderte der Landesinnungsmeister auch die 75 Gesellen auf, sich ständig weiterzubilden, denn nur so könnten sie die Branche, wie auch ihren persönlichen und beruflichen Erfolg, weiterhin stärken.

Die Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker konnte sich dem nur anschließen. Sie legte den ehemaligen Lehrlingen ein Zitat Albert Einsteins nahe. So antwortete der Nobelpreisträger einst auf die Frage, wie er denn all seine Entdeckungen gemacht habe, mit den Worten „Ich war einfach immer nur neugierig“. Diese Neugierde wünschte sie auch den Jung-Mechanikern für die Zeit in ihrem Beruf.

Eine Eigenschaft, auf die auch der Journalist Dieter Dänzer großen Wert legt. Das, was Landmaschinenmechaniker leisten würden, sei Formel-Eins-Technolgie – nur die Raumfahrttechnik sei noch komplexer, erzählte er in seiner beherzten Rede. Dass unter den Jung-Gesellen kein einziges Mädchen zu finden ist, missfiel ihm sichtlich. „Der Beruf des Landmaschinenmechanikers muss so sexy sein, dass ihn auch Frauen erlernen wollen“, forderte der Chefredakteur der „Agrartechink“ – eine Aussage, die im Saal für Unruhe sorgte.

Der stellvertretende Gesellenprüfungsausschuss-Vorsitzende Wilhelm Weber kam schließlich zum Hauptpunkt des Abends in der Stadthalle, der Freisprechung. Unter tosendem Applaus wurden die 75 Azubis von ihren Ausbildungsverträgen losgesprochen.

Nachdem alle ihre Gesellenbriefe, Urkunden und Schulzeugnisse erhalten hatten, hielt der Jung-Geselle Rouven Richter seine Kurzansprache, welche die Gäste unverkennbar erheiterte. Für Schmunzeln sorgte vor allem das von ihm mitgebrachte Symbol für die Lehrzeit, ein Besen. Besonders dankte er den Lehrern der Max-Eyth-Schule für ihr stetiges Engagement und die von ihnen organisierten Freizeitangebote.

Im Gegenzug lobte Oberstudiendirektor Zeh das „gute Gemeinschaftsgefühl“ des Jahrgangs. Zusammen hatten sich die Schüler am Anfang ein T-Shirt mit dem Logo „Landmaschinenmechaniker, ein Beruf für Profis“ angefertigt. Der Schulleiter rief die Jungen dazu auf, auch in Zukunft Profis zu bleiben und sich immer weiter zu spezialisieren. Außerdem wünschte er, wie auch Anton Ried in seinem Schlusswort, den Jung-Mechanikern alles Gute für die Zukunft – und dass sie Kirchheim in guter Erinnerung behalten und nicht vergessen.