Lokales

Das Käthchen von Heilbronn oder: Die Feuerprobe

KIRCHHEIM Nachdem "Das Käthchen von Heilbronn" am Ende der Theatersaison 05/06 als Freilicht-Spektakel zu sehen war, läutet eine eigene konzentrierte Spielfassung in der Regie von Clemens Bechtel für die Bühne des Landestheaters Reutlingen Tübingen (LTT) am Dienstag, 16. Januar, um 19.30 Uhr in der Kirchheimer Stadthalle das Theaterabonnement des Kulturrings ein.

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Dass seine Tochter den Grafen Wetter vom Strahl in rätselhafter Ergebenheit auf Schritt und Tritt verfolgt, kann für den Heilbronner Waffenschmied Theobald Friedeborn nicht mit rechten Dingen zugehen. Er beschuldigt den Grafen vor dem Fehmegericht, dass er sie mit Zauberei an sich gefesselt habe. Glaubhaft versichert Graf Wetter vom Strahl jedoch, nichts zu ihrem Zustand beigetragen zu haben.

Vom Reiz des unschuldigen Mädchens ist er jedoch nicht unberührt geblieben. Dann jedoch funkt Kunigunde von Thurneck, die Ansprüche auf Wetters Gebiete in Staufen erhebt, zwischen die aufkeimenden Gefühle des Grafen. Sie will nicht nur das Land, sie will auch den Mann. Graf Wetter vom Strahl lässt sich von ihr täuschen und plant bereits die Hochzeit. Doch das Mädchen aus Heilbronn lässt sich nicht abschütteln und warnt ihn vor einem nächtlichen Angriff auf Kunigundes Burg.

Der Glaube an eine nächtliche Vision verleiht ihr Mut und schier übersinnliche Kräfte. Noch bevor sie dem Grafen begegnete, war ihr in der Silvesternacht ein Cherubim erschienen, an seiner Hand der Graf vom Strahl, der sie als seine Braut begrüßte. Doch ehe sich diese himmlische Vision erfüllt und sie als Katharina, Prinzessin von Schwaben vor den Traualtar tritt, muss sie eine "Feuerprobe" bestehen.

Heinrich von Kleist schrieb sein großes "Ritterspektakel" 1807/08 als träumerisch-wunderbares Volksstück, in dem ein visionäres Gefühl, die Liebe, durch Käthchens Unbeirrbarkeit Erfüllung findet. Einerseits passiv ihrer Bestimmung hingegeben, erweist Käthchen sich andererseits durch ihr somnambules Handeln als erfolgreich. Für Pragmatiker heute wirkt das gleichermaßen fremd wie faszinierend.

pm