Lokales

"Das Kinderland stelle ich mir anders vor"

"Herzliche Grüße aus dem Kinderland Baden-Württemberg" steht auf den zahlreichen Postkarten, die derzeit die Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer erhält. Weiter heißt es "Baden-Württemberg ist ein familien- und kinderfreundliches Land". Diese Zitate des Ministerpräsidenten stehen für die SPD-Politikerin im eklatanten Widersprich zur tatsächlichen Politik der CDU/FDP-Landesregierung.

KIRCHHEIM Im Zuge der Aufstellung des Doppelhaushalts 2007/2008 sollen die Zuschüsse für Kinder- und Jugendfreizeitmaßnahmen um zwei Millionen Euro gekürzt werden. "160 000 Kinder und 20 000 Betreuer bleiben künftig daheim", stellt der Landesjugendring fest.

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Zu Recht weisen die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Kirchheim und der CVJM Kirchheim darauf hin, dass gerade Kinder aus benachteiligten Familien Unterstützung benötigen zur Teilnahme an Freizeitmaßnahmen. Mit den Jugendverbänden ist sich Bregenzer einig, dass sich alle das Kinderland Baden-Württemberg anders vorgestellt haben. Bregenzer: "Derartige Kürzungspläne wirken nicht nur demotivierend auf die vielen ehrenamtlich Tätigen, sondern treffen auch die Schwächsten der Schwachen."

Mit Hilfe der Landeszuschüsse werde Kindern aus finanziell schwachen Familien oftmals die Teilnahme an einer Ferienfreizeit überhaupt erst ermöglicht. Darüberhinaus werden die Mittel für integrative Freizeiten von jungen Menschen mit und ohne Behinderungen eingesetzt. Konkrete Auswirkungen hätten die Maßnahmen beispielsweise auf die Teilnahme der Kinder und Jugendlichen am Ferienwaldheim der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheim und des CVJM. Viele Kinder und Jugendliche haben die Postkarten unterschrieben, denn werden die Zuschüsse gekürzt, können viele von ihnen nicht am Ferienwaldheim teilnehmen. Statt gemeinsam zu erleben, bleibt dann häufig nur Langeweile und Fernsehen als Feriengestaltung.

"Und was für das Kirchheimer Ferienwaldheim gilt, gilt natürlich auch für die Freizeiten des Esslinger Kreisjugendrings und Zeltlager, Freizeiten, Ferienangebote in anderen Städten und Gemeinden", bemerkt Bregenzer.

Klar ist auf jeden Fall für die Bildungsexpertin, dass bei den kommenden Haushaltsberatungen im Landtag die SPD sich gegen diese unsozialen Kürzungen aussprechen wird. "Kinder dürfen nicht aus finanziellen Gründen auf wertvolle Freizeitmaßnahmen verzichten müssen", betont Bregenzer.

Ohnehin seien die Zuschüsse in den letzten Jahren von CDU und FDP gekürzt worden. So sind die Zuschüsse für Zeltmaterial von 50 auf 15 Prozent zurückgefahren worden.

Außerdem will Bregenzer zusammen mit der SPD-Landtagsfraktion endlich das von der Landesregierung auf die lange Bank geschobene Jugendleitersonderurlaubsgesetz voranbringen. "Die Ehrenamtlichen in der Jugendarbeit kommen sich durch die jahrelange Hinhaltetaktik der Landesregierung verschaukelt vor", kritisierte Carla Bregenzer.

Das derzeitige, bereits aus dem Jahr 1953 stammende Gesetz sei nicht mehr zeitgemäß. Die SPD-Bildungsexpertin fordert deshalb die Landesregierung auf, umgehend eine Gesetzesinitiative auf den Weg zu bringen, die den Rechtsanspruch auf bezahlten Sonderurlaub für Jugendleiter und die Absenkung des Mindestalters von 18 auf 16 Jahre umfasst. Andere Bundesländer, wie etwa Hessen, seien diesen mutigen Weg längst gegangen.

pm