Lokales

Das "Kirchlein" inspirierte Poeten und Maler

Das Gotteshaus in Ochsenwang, von Eduard Mörike einst liebevoll "Kirchlein" genannt, wird heuer 300 Jahre alt. Zum Auftakt des Jubiläums wurde am Sonntag im Mörikehaus eine Ausstellung zur Geschichte eröffnet.

BRIGITTE GERSTENBERGER

Anzeige

BISSINGEN Die Kirche in Ochsenwang beeindruckte Dichter und Maler gleichermaßen. Unter anderem befindet sich unter den Exponaten ein bisher unveröffentlichtes Gedicht der Stuttgarter Lyrikerin und Prosaautorin Margarete Hannsmann.

Das uralte Zifferblatt der Ochsenwanger Kirchturmsuhr sticht beim Betreten des kleinen Ausstellungsraumes im Mörikehaus sofort ins Auge. Anlässlich der Kirchen-Renovierung im Jahre 1976 wurde es gegen ein neues ausgetauscht. Jeden Morgen musste Katharine Dreher, die von 1952 bis 1973 als Mesnerin tätig war, die 29 Treppenstufen hochsteigen, um die Kirchturmsuhr aufzuziehen. Eine alte Fotografie zeigt die emsige 82-jährige Mesnerin, von Hand die Glocken läutend. Bis 1976 wurden die Glocken mit einem Seil zum Schwingen und damit zum Läuten gebracht. Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges stammen zwei Gedichte, die davon Zeugnis ablegen, wie das Metall der Kirchenglocken zu Munition verarbeitet wurde. Eines davon, "die Glocke von Ochsenwang", schrieb Eberhard Krauss, der von 1920 bis 1921 als Pfarrer in Ochsenwang tätig war.

Das beschauliche "Mörike-Kirchlein" inspirierte auch manch Künstlernatur, so zum Beispiel Otto Stach (1914-1987), Kunsthandwerker aus Kirchheim. Pinsel und Feder nahm auch der eine oder andere Diener Gottes in die Hand, um seine Kirche in Öl oder Tusche zu verewigen. Eduard Mörike, Pfarrverweser (1832-1833) unterschrieb seine Federzeichnung, die Kirche und Pfarrhaus zeigt, mit dem Ovid-Zitat: "Bene vixit, bene qui latuit glücklich lebte, wer sich gut verborgen hielt." Weniger im Verborgenen, vielmehr gut sichtbar für alle Besucher, gleich am Eingang zur Ausstellung, die aufgehängten Konfirmandenbilder der Jahrgänge 1939 bis 2000, fleißig gesammelt von den Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde. Diese waren ebenfalls heißbegehrte Anschauungsobjekte, besonders für ehemalige Ochsenwanger, die sich zum Jubiläum eingefunden hatten. Die Erinnerung an die Jugendzeit löste launig die Zunge und so manche Geschichte und Anekdote machte die Runde: vom gestrengen preußischen Schulmeister Quasebarth, dem mitunter die Hand ausrutschte, weil man zu spät zum Unterricht kam. Hingegen war das "Fraila Kneile" recht beliebt. In Personalunion hatte sie gleich mehrere Stellen in der Ochsenwanger Gemeinde inne. Unter anderem war sie Katechetin und Kirchenpflegerin und gleichzeitig Lehrerin. Ingeborg Dürr, eine der "Torfhäusler", so werden bis heute die Bewohner der Torfgrube beim Otto-Hoffmeisterhaus genannt, erinnert sich: "Das Fräulein Kneile konnte herrlich vorlesen, vor allem die Bibelgeschichten mochten wir sehr."

Der lange Weg von der Torfgrube bis zur Schule nach Ochsenwang war vor allem im Winter recht beschwerlich. So begann für Ingeborg Dürr, die heute in Ötlingen lebt, ihr erster Schultag, der damals nach Ostern begann, auf dem Rücken ihrer Mama. "Meine Mutter hat mich durch den Tiefschnee getragen von der Torfgrube bis Ochsenwang, damit ich ja nicht nass werde und mich erkälte."

"Die Kirche in Ochsenwang", so das schlichte Motto der Ausstellung, trotzt nun schon seit dreihundert Jahren den rauen Wintern auf der Alb. Wie schrieb doch Margarete Hannsmann so trefflich in ihrem Gedicht, welches sie Eduard Mörike widmete: "aber ich sah gegen Wind und Wetter mit rosigen Füßen, holzüberzogen Kirche und Turm . . ."